Energie Überzeugungstäter nun Chef „einer ganz großen Nummer“

Weißenhorn / Claudia Schäfer 14.09.2018

Fast genau ein Jahr ist es her, dass in Weißenhorn die erste Fernwärmeleitung vom Müllkraftwerk in Richtung Claretinerkolleg in Betrieb genommen wurde. Seither werden nicht nur die Stiftungsklinik und andere öffentliche Gebäude, sondern auch eine wachsende Zahl von Privathäusern mit Abwärme aus der Müllverbrennung versorgt. Der Bauabschnitt zwei in Richtung Mittelschule und Gymnasium soll bald fertig sein, Abschnitt drei folgt 2019.

Ein Signal, dass das als „ökologisches und ökonomisches Leuchtturmprojekt“ gepriesene Vorhaben gedeiht, sind personelle Veränderungen. Hatte bisher Alois Alt, ein erfahrener Banker im Ruhestand, die Koordination des Großprojekts übernommen, gibt es nun mit Markus Hertel einen hauptamtlichen und fest angestellten Geschäftsführer. Der 50-Jährige war Mitarbeiter des Bifa-Umweltinstituts in Augsburg. Dieses hatte das Konzept für das Fernwärmeprojekt entwickelt.

Einarbeiten muss sich der Umwelttechnik-Experte also kaum. Als Projektleiter kennt Hertel das Vorhaben genau, er hat die Wirtschaftlichkeitsberechnungen erstellt und die Realisierung begleitet. Und er kennt Weißenhorn und die Weißenhorner aus vielen Gesprächen.

Spricht man mit Hertel, bemerkt man schnell seine Begeisterung für das Projekt, das er jetzt verantwortet. „Eine ganz große Nummer“ sei die Fernwärme Weißenhorn, ein „unglaublich großes Klimaschutzprojekt“ mit einer CO2-Einsparung von 2500 Tonnen am Ende von Bauabschnitt zwei und einer deutlichen Reduzierung der Feinstaubbelastung.

Unter den rund 200 Einzelvorhaben, die er während seiner bisher 25-jährigen Berufslaufbahn begleitet habe, habe es immer wieder „besondere Maßnahmen“ gegeben. Der Bau der Weißenhorner Fernwärme zähle auf jeden Fall dazu. „Das war unter anderem meine Motivation, beruflich noch einmal neu anzufangen und nach Weißenhorn zu kommen.“

Die FWW sei an einem Punkt, an dem es einen Hauptamtlichen brauche, der sich ganztags um das Projekt kümmere, sagt Hertel. „Es geht um den Aufbau eines jungen Unternehmens.“ Die hervorragende Vorarbeit von Alois Alt mache ihm den Einstieg leicht. Zudem bleibe Alt der FWW mit einem reduzierten Stundenkontingent weiter erhalten, seine Aufgabe seien künftig die Finanzen: „Es geht ja um große Investitionen.“ Immerhin haben Landkreis und Stadt als Gesellschafter beschlossen, für das Vorzeigeprojekt rund neun Millionen Euro in die Hand zu nehmen.

Als eine seiner wichtigsten Aufgaben in den kommenden Monaten sieht Hertel nicht allein die Überwachung der Bauarbeiten an den Haupttrassen, die die Schlagadern des künftigen Fernwärmenetzes bilden und von denen aus möglichst viele Wohngebiete angeschlossen werden sollen. Ihm gehe es darum, bei der Bevölkerung Vertrauen zu schaffen in eine ganz neue, zukunftsweisende und umweltschonende Heiztechnik.

Zu erklären, warum es gut sei, dem „alten Hausbrand“ und herkömmlichen Energieträgern wie Gas oder Öl abzuschwören,  sagt er. „Da muss man überzeugen, argumentieren.“ Etwa mit einer sauberen Kostenkalkulation, der Aussicht auf eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung im Störungsfall, mit dem Hinweis auf die absolute  Versorgungssicherheit, selbst wenn das Müllkraftwerk einmal stillstehe. „Dann springt Peri mit seinem Biomassekraftwerk ein.“

Projekt der öffentlichen Hand

Dass die öffentliche Hand hinter dem Projekt steht und nicht „irgendein Investor oder Energieversorger mit hohen Renditeerwartungen“ sei ein Pluspunkt für die Fernwärme. Zufriedene Kunden seien Multiplikatoren, „die beste Werbung für uns“.

Stolz ist der Ingenieur darauf, dass die FWW im ersten Bauabschnitt den Kosten- und Zeitrahmen eingehalten hat. Nun müsse das Projekt Zug um Zug vorangetrieben werden: „Ich mag Herausforderungen und denke gerne in die Zukunft.“

Bei der Weißenhorner Verbraucherschau des Gewerbeverbands, die vom kommenden Freitag an bis einschließlich Sonntag in und um die Fuggerhalle stattfindet, wird die Fernwärme Weißenhorn mit einem Infostand vertreten sein. Bürger können sich über das Projekt informieren und Alois Alt und Markus Hertel Fragen stellen. Es sei selbstverständlich, einem großen Publikum zur Verfügung zu stehen und sich zu präsentieren, sagt Geschäftsführer Hertel: "Das Projekt ist es wert, sich da richtig reinzuhängen."

 

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