Arbeit Traumjob im Kindergarten gefunden

Harald Kampner an seiner  Arbeitsstelle im Kindergarten.
Harald Kampner an seiner Arbeitsstelle im Kindergarten. © Foto: Claudia Schäfer
Weißenhorn / Von Claudia Schäfer 11.10.2018

Der große Mann mit der lauten Stimme fällt auf im Team des Weißenhorner Kindergartens Nord. Harald Kampner arbeitet dort mit 16 Frauen zusammen, auch landkreisweit ist der Erzieher ein beruflicher Exot. Noch ungewöhnlicher ist, dass Harald Kampner in einem ganz anderen, technischen Bereich arbeitete, bevor er sich der Kinderbetreuung zuwandte. Auf jeden Fall, sagt Evi Simmnacher, Leiterin des Kindergartens, sei der 46-Jährige ein „absoluter Glücksfall“ für die Einrichtung. „Solche wie ihn sollte es öfter geben.“

Wie aber wurde aus dem gelernten Maschinenbaumechaniker der Leiter der „Sternengruppe“ im Kindergarten Nord? Kampner erzählt: Von seiner Lehre bei der Weißenhorner Firma Happle, den Jahren der Selbständigkeit auch als Dozent in der Erwachsenenbildung, schließlich der Arbeit an der CNC-Fräsmaschine in einem kleinen Betrieb. Die Arbeit habe ihm gefallen, aber die Menschen hätten ihm gefehlt, sagt der gebürtige Weißenhorner.

Als er mit seiner Freundin begann, für das Jugendamt benachteiligte Teenager zur Kurzzeitpflege aufzunehmen, entdeckte er seine Freude an einem sozialen Beruf, wurde Schulbegleiter. Die Mitarbeiterin des Jobcenters wies ihn schließlich auf die Möglichkeit hin, sich zum Erzieher umschulen zu lassen, mit Mitte 40.

„Überrascht“ sei sie gewesen, als ihr vor zwei Jahren die Bewerbung Kampners als Anerkennungspraktikant auf den Tisch geflattert sei, sagt die Kita-Leiterin. Das Team sei sofort dafür gewesen: „Wir wollten einen Mann im Team und damit eine männliche Bezugsperson für die Kinder.“

Ein bisschen Zweifel habe er schon gehabt vor seinem Arbeitsantritt, gibt Harald Kampner zu. „Bin ich zu harsch, haben die Kinder vielleicht Angst vor mir?“ Seine Partnerin habe ihn beruhigt: Er habe doch selbst schon mit ihr drei Kinder groß gezogen.

Inzwischen ist Kampner froh, den Schritt getan zu haben: „Das ist eine schöne Sache, dieser Beruf füllt mich aus.“ Die Kinder hätten ihn super angenommen. Und auch von den Eltern habe er nichts Negatives gehört, eher den Stoßseufzer eines Vaters: „Also ich könnte das nicht, den ganzen Tag mit den Kindern …“

Für Kampner ist klar, dass er seinen Traumberuf gefunden hat. Er könne Kindern Werte mitgeben. Ehrlichkeit, Respekt auch gegenüber der Natur, Wertschätzung. Und jedem Kind die Chance geben, eigene Talente und Stärken zu erkennen: „Interessieren und motivieren, darum geht es.“

Sein erstes Projekt war der Bau eines Hochbeets im Garten, in dem er mit den Kindern Gurken und Tomaten anbaute. „Ein „Bastelkönig“ sei er sicher nicht. Dafür sei er gerne mit den Kindern draußen.

Für die Kinder in der Kita Nord ist es inzwischen ganz normal, dass sie auch ein Mann durch den Kindergartenalltag begleitet. Auch wenn ein kleiner Junge Kampner schon fragte, was er denn eigentlich „Richtiges“ arbeite und womit er sein Geld verdiene, wenn er nicht mit ihm spiele.

Eigentlich, findet Kampner, stehe der Beruf der Erzieherin und des Erziehers einer Arbeit in der Industrie in nichts nach. Der Lärmpegel, die körperliche Belastung, unregelmäßige Pausen, unvorhergesehene Ereignisse – all das kenne er von früher.

Und dann sei da noch die wichtige Aufgabe, die Kleinsten ein Stück weit zu begleiten und ihnen das richtige Handwerkszeug an die Hand zu geben. „Ein bisschen mehr Wertschätzung und auch Bezahlung für diese Arbeit wären schon schön.“

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