Weißenhorn Tolle Show am Himmel, Begeisterung am Boden

Weißenhorn / FRANZ GLOGGER 19.08.2013
Mit Turbine, Propeller oder im freien Fall: Der Luftsport hat gestern wieder hunderte Besucher zum Flugplatz Weißenhorn gelockt. Dort feierte die Luftsportgruppe ihr traditionelles Flugplatzfest.

Frei wie ein Vogel zu sein fasziniert seit jeher die Menschen. Kein Wunder also, wenn das Fliegen mit mehr oder weniger komplexen Maschinen immer wieder schon beim bloßen Zuschauen begeistert. Und so fanden sich gestern wieder hunderte Besucher beim Flugplatzfest der Luftsportgruppe (LSG) Weißenhorn ein.

Alle Köpfe drehten sich, wenn die Modellbaugruppe Biberach die Turbinen ihrer Jet-Modelle anwarfen. 124 000 Umdrehungen und 15 Kilogramm Schub braucht es, um den Flieger von Peter Mack auf Geschwindigkeit zu bringen. Das 3,60 Meter lange Modell mit einer Spannweite von 2,70 Meter jagt dann über den Rasen, um unvermittelt in den Himmel zu schießen. Wer mit einem solchen Fluggerät Rolle und Tiefflug absolviert, sollte das auch beherrschen. Ansonsten müssen auf dem Flugfeld Teile für 15 000 Euro eingesammelt werden. "Modellflieger stehen richtigen Fliegern in nichts nach. Für beide gelten die gleichen physikalischen Gesetze", sagt Walter Keller vom Modellflugzeugclub (MFC) Roth. Er muss es wissen, ist er doch mit seiner "Fournier RF-4D" mehrfacher Deutscher und Europäischer Meister. Zudem seien Flieger in dieser Größen- und Preisklasse keine Spielzeuge. Wie faszinierend Fliegen sein kann, wie entspannend und wie lehrreich der Umgang mit den unterschiedlichsten Materialien, versuche der MFC in einer Kooperation mit der Pfaffenhofener Herman-Köhl-Schule zu vermitteln.

Ähnlich dem ständigen Kommen und Gehen der Besucher war auch am Himmel über dem Flugfeld immer etwas los. Mal jagte Wolfgang Schwarzer seinen elektrogetriebenen Hubschrauber wie eine wild gewordene Hornisse durch die Luft, dann fielen wie aus dem Nichts acht Fallschirmspringer um den Illertissener Robert Fahrenschon aus dem Himmel oder es schwebten Gastflugzeuge ein. Ein besonderer Hingucker war dabei eine knallgelbe Boeing Stearman, ein Doppeldecker aus den späten 30er Jahren. Um bewundernde Zuschauer musste sich Michael Zacher ebenfalls keine Sorgen machen. Der Kunstflugpilot aus Markoberdorf ließ sich nach rasantem Aufstieg scheinbar unkontrolliert in die Tiefe trudeln, donnerte im Tiefflug über den Platz oder zeichnete mit Rauch Figuren ans Firmament. Der 48-jährige Zimmerer kam über den Modellbau zum Fliegen. Erst war er bei den Seglern, nun schwirrt er mit seiner "Giles" durch die Lüfte. Von der ersten Schraube bis zur finalen Lackierung ist sie in Eigenarbeit entstanden. Beim Jungfernflug war sein Glück vollkommen. "Das war ein Gefühl, das vergisst du nie", schwärmt er. Segelkunstflug, Seilwindenstarts und Motorschlepp komplettierten das Programm.

Bewundernde Blicke erntete auch die von den Weißenhorner "Freunden historischer Fahrzeuge" organisierte Oldtimershow. Sie zeigten auf Hochglanz getrimmte Karossen wie Isetta, Goggomobil, schicke Lancia, elegante Karman Ghia, wuchtige Pontiac, die "Ente" Citroen 2 CV und Mercedes. Zudem hatte der ebenfalls am Weißenhorner Flugplatz stationierte Aero-Club Rundflüge organisierte. Im Minutentakt hoben Pipers und Cesnas ab und ermöglichten den Gästen einen weiten Blick auf ihre Heimat. Unten wurden derweil zum Frühschoppen Weißwürste, später Grillfleisch und hausgemachte Kuchen aus der Festküche geordert.

"Darauf legen wir schon immer wert, was unsere Besucher zu schätzen wissen", sagte LSG-Vorsitzender Alois Leutenmaier. Mit dem Fest war er rundum zufrieden. "Ich denke, wir haben mit Hilfe unserer befreundeten Vereine wieder für eine tolle Show am Himmel und für einen gemütlichen Aufenthalt am Boden gesorgt", sagte der Vorsitzende.