Spenden Verein „Ayudar“ löst sich auf

Jeden Herbst war Federico Jabs im Norden Argentiniens unterwegs, um seine Spenden abzugeben und bei Projekten anzupacken. Sechs Mal hat ihn seine Frau Gerlinde begleitet.
Jeden Herbst war Federico Jabs im Norden Argentiniens unterwegs, um seine Spenden abzugeben und bei Projekten anzupacken. Sechs Mal hat ihn seine Frau Gerlinde begleitet. © Foto: Barbara Hinzpeter
Barbara Hinzpeter 03.01.2018
Der nun aufgelöste Verein „Ayudar = Helfen“ aus Thalfingen hat in Argentinien viel bewirkt.

Er ist bekannt als „grillender Gaucho“, der in den vergangenen 18 Jahren unermüdlich Spenden für Schulen und Projekte in Argentinien gesammelt hat. Jetzt hat Federico Jabs seine Aktivitäten aus gesundheitlichen Gründen eingestellt. Der Verein „Ayudar = Helfen“, den er 2005 gegründet hatte, wurde im Herbst aufgelöst.

Dessen Zweck war mit der Person des Thalfingers eng verknüpft. Jahrelang wurde Jabs in den Sommermonaten fast jedes Wochenende von Vereinen, Firmen, Feuerwehren oder Kindergärten gebucht, um auf argentinische Art riesige Hüftsteaks, Spanferkel oder ganze Lämmer über der Glut zu braten – gegen Spenden. Pro Saison kamen damit stolze Summen von 15.000 Euro und mehr zusammen. Die brachte Jabs stets persönlich in die Gegend, in der er selbst vor 76 Jahren geboren wurde.

Immer im Herbst war er sechs bis neun Wochen im Norden des südamerikanischen Landes unterwegs, sechs Mal hat ihn seine Frau Gerlinde begleitet.  2017 hatte er nur zehn Tage Zeit, in denen er sich nochmal an verschiedenen Orten über den Stand der Dinge informieren ließ – und sich verabschiedete. Eine Alternative zur Auflösung des Förderkreises habe er nicht gesehen, sagt Jabs. Der Verein war ins Leben gerufen worden, um Spendenbescheinigungen ausstellen zu können. Die meisten Spenden waren über die Grillaktionen hereingekommen, und die waren ihm wegen einer langwierigen Viruserkrankung zu beschwerlich geworden. „Ich habe gemerkt, dass ich kürzertreten muss.“

Persönliche Betreuung wichtig

Mit Einkaufen, Aufbauen, Aufräumen und Putzen sei er pro Event vier Tage beschäftigt gewesen, sagt Jabs. Diesen Aufwand wolle er seinen Söhnen, die zwar das Know-How, aber auch Job und Familie haben, nicht zumuten. Außerdem war ihm die persönliche Betreuung der Projekte wichtig. Er verteilte das Geld nicht nur, sondern kontrollierte, was damit geschah und packte selbst mit an. „Das kann nur jemand, der Zeit hat und auch die Mentalität der Menschen dort versteht“, sagt Jabs. Hinzu kommt: Er hatte ein Netz von Helfern vor Ort, die ihm Tipps gaben und auch von einer Unterstützung abrieten, wenn ihnen die Einrichtungen als unseriös bekannt waren.

Begonnen hatte alles 1999, als die Thalfinger Familie zehn mittellose Jugendliche aus der Provinz Chaco unterstützte, die Agrartechniker werden wollten. In den Jahren danach unterstützten Jabs und der Verein „Ayudar = Helfen“ zahlreiche Schulen, Behinderteneinrichtungen, Familien und nicht zuletzt die Siedlung „Barrio Esperanza“ (zu Deutsch: Siedlung Hoffnung). Diese haben Nonnen für Menschen aufgebaut, die an und von einer Mülldeponie gelebt hatten. Die Siedlung ist für Jabs ein Beispiel dafür, dass die von Ordensschwestern betreuten Projekte am besten funktionieren. Wie auch ein Heim für Menschen mit Behinderung in Castelli, das sich so gut entwickelt hat, dass es jetzt wieder um Unterrichtsräume erweitert wurde. Besonders freut sich Jabs darüber, dass sich dort immer mehr Ärzte, Psychologen und Lehrkräfte ehrenamtlich engagieren.

Solche Erfolge wären nicht möglich ohne die motivierten Menschen vor Ort, die ihre Ideen dank der Spenden umsetzen konnten. Jabs ging selbst mit gutem Beispiel voran. Wenn dem gelernten Werkzeugmacher Probleme wie fehlendes Licht oder Hitze in den Schulzimmern ins Auge sprangen, ergriff er die Initiative und packte selbst mit an. So sorgte er für Fenster und Klimaanlagen in Klassenzimmern, Gemüsegärten und Hühnerställe an den Schulen, für Solarkocher, Windräder, Pumpen und Brunnen in vielen Siedlungen und Ortschaften. Die Hilfe zur Selbsthilfe kostete manchmal mühsame Überzeugungsarbeit – bei Schulleitern ebenso wie bei Eltern. Wenn die fehlte, liefen Hilfen ins Leere. So sei es Jabs’ Beobachtungen zufolge oft bei staatlichen Programmen der Fall.

Natürlich bedauerten die Einrichtungen die Auflösung des Vereins, der am Schluss 163 Mitglieder zählte. „Aber es ist auch wichtig, dass die Menschen in Argentinien die Projekte selbstständig weiterführen und sich nicht auf Spenden verlassen.“ Ob das gelingt, hänge von der Einstellung der Führungskräfte dort ab und davon, „was sie in den vergangenen Jahren durch unsere Hilfe gelernt haben“.

Extremes Wetter in der Provinz Chaco

Provinz Der Verein hat Projekte in Chaco unterstützt, einer Provinz im Norden Argentiniens.

Wetterverhältnisse Dort gebe es extreme Wetterverhältnisse, heißt es auf der Webseite des Vereins: „Monatelange Dürre und Wasserknappheit erschweren das Leben von Menschen und Tieren.“ Diese wechseln sich mit sintflutartigen Regenfällen ab.