Vernissage Thalfingen: Kinder gestalten Kunstwerke

Thalfingen / Von Josphine Schuster 12.05.2018

Sekt, Häppchen und Fachsimpeleien. Wie es sich für eine richtige Vernissage gehört.  Doch die Künstler, die im Thalfinger Gemeindehaus St. Thomas ihre Werke ausstellen, sind schon längst im Bett. Denn sie sind zwischen einem und sechs Jahren alt.

Die Kinder machen Kunst frei nach dem Motto von Pippi Langstrumpf: „Das habe ich vorher noch nie versucht. Also bin ich sicher, dass ich es schaffe.” Alle Erzieherinnen der Kita Sternenschiff haben mitgezogen, allen voran Chefin Ulrike Maier. „Wir haben durch unser an die Reggio-Pädagogik angelehntes Profil einen künstlerischen Schwerpunkt.“ Die Kinder sind viel in der Werkstatt und malen auf großen Flächen an den Wänden oder beim „Action-Painting“ in der mit Folie ausgelegten Turnhalle.

Es gebe keine Schablonen oder Malbücher. Die Kinder sollen selber denken lernen und sich fragen, wie man die Dinge umsetzt – so wie später in der Schule. Wie die Erzieherinnen die Kinder motivieren? „Wir arbeiten viel mit Geschichten, zu denen die Kinder dann ihre Ideen umsetzen. So wie Pippi Langstrumpf und ihre Sachensucher-Geschichte“, sagt Maier.

Auch der Elternbeirat und Pfarrer Jean-Pierre Barraud freuen sich über die Aktion. „Es ist toll zu sehen, wie die Kinder die Werke der Großen nicht nur kopieren, sondern weiterentwickeln. Ich bin immer ganz überrascht, was sie in den Bildern sehen – ganze Geschichten werden da erzählt“, erzählt Barraud. Die Gäste loben währenddessen die schöne Präsentation und das Talent der kleinen Künstler.

Aus literweise Acrylfarbe, Zuckerkreide, Wabenkarton, Draht und Gips entstanden durch Collage- oder Tupftechnik mit einem alten Handtuch als Pinsel Werke, die angelehnt sind an Künstlerinnen und Künstler wie Niki de Saint Phalle, Wassily Kandinsky, Claude Monet oder Bilderbuch-Illustratorin Mies van Hout.

Bei der „Cling Film Art” wird zum Beispiel Farbe auf Keilrahmen gekleckst und Folie darüber gelegt. Dann verschmieren die Kinder die Farbe unter der Folie. Beim „Pouring” wird Acrylfarben mit Fluidmedium vermischt auf eine Leinwand gekippt und dann mit Silikon-Spray und einem Fön bearbeitet.

„Wir laufen auch mit Spiegeln durch den Wald, um die Baumkronen anschauen zu können oder legen Mandalas aus Steinen. Äste und Stöcke sind seit Jahren der Hit. Daraus haben die Kinder jetzt auch Kunstwerke gemacht“, sagt Kita-Chefin Maier.

Sie und ihre Kolleginnen sind jedes Mal aufs Neue beeindruckt von der geballten Kreativität des Nachwuchses: „Sie sind sehr mutig und lassen sich nicht beirren. Jeder von ihnen kann das. Denn Kinder haben keine zwei linken Hände.”

Die Eltern hatten das Vorkaufsrecht

Verkauf Die Werke der Kinder wurden auch verkauft – das Vorkaufsrecht hatten aber die Eltern. Sie durften die Ausstellung zusammen mit ihren Kindern besuchen und die Bilder kaufen. Der Rest wurde versteigert. „Die größte Angst der Kinder war, dass die eigenen Eltern ihr Bild nicht kaufen”, sagt Ulrike Maier.

Einnahmen Mit den Einnahmen kauft die Kita wieder neues Material. Allein 300 Euro habe man für die verwendete Acrylfarbe ausgegeben.

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