Freizeit Teil-Schließung des Freibades droht

Senden / Niko Dirner 17.07.2018
Außenbecken und Rutsche in Senden müssten saniert werden. Doch das Geld fehlt. Der Bürgermeister regt eine Verschiebung an – was riskant ist.

Erst musste am bis dato schönsten Wochenende des Jahres die Liegewiese zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners gesperrt werden – wodurch am Ende bis zu 6000 Besucher und die entsprechenden Eintrittsgebühren in der Bilanz fehlen werden. Und jetzt auch noch dieses durchwachsene Wetter! Michael Öchsle, Betriebsleiter des weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannten und beliebten Sendener See- und Hallenbades, hat keinen Grund für gute Laune. Zumal in Senden weitere hausgemachte Probleme dazukommen. Und diese werden, jedenfalls schlägt das die Stadtverwaltung mit Bürgermeister Raphael Bögge vor, noch einige Zeit bestehen bleiben. Wenn der Stadtrat dem zustimmt, könnte es aber passieren, dass Teile des Bades jahrelang nicht mehr nutzbar sein werden.

Eigentlich müssten an zwei Stellen sofort die Handwerker anrücken. Zum einen sind die Fliesen im Außenbecken marode, es gibt Hohlstellen, immer wieder platzen Platten ab. Zum anderen könnte von jetzt auf gleich die Lüftung im Rutschenturm kaputt gehen – dann wäre diese Attraktion nicht mehr nutzbar. Rund 2,3 Millionen Euro würde es kosten, beide Anlagen zu sanieren. Bislang hat die Stadt aber nur 300.000 Euro angespart. 700.000 Euro sind im kommenden Jahr vorgesehen – kreditfinanziert allerdings. Wolle man 2019 alles angehen, müsste die Stadt also rund 2 Millionen Euro zusätzlich an Krediten aufnehmen. Gleichzeitig aber muss sich Senden für den Bau von Kindergärten ebenfalls in Millionenhöhe verschulden.

Bad-Sanierung schieben

„Alles auf ein Mal geht nicht“, meint Bögge. Weil Kindergärten, nicht zuletzt wegen des Rechtsanspruches auf Betreuung, vorgehen, sei aus seiner Sicht die Bad-Sanierung in absehbarer Zeit „finanziell nicht leistbar“. Sein Vorschlag laute also: Das Bad schieben, bis wieder Luft im Haushalt ist, also nach dem Jahr 2020. Dann seien die neuen Kindergärten „abfinanziert“ und die Ausgaben für den geplanten Steg über die Gleise am Bahnhof schlagen noch nicht voll durch.

Dieser Vorschlag falle ihm „nicht leicht“, sagt Bögge, denn das Risiko ist natürlich, dass nach einem strengen Winter das Außenbecken nicht mehr nutzbar sein könnte. Und zwar jahrelang. Oder dass eben der Rutschenturm gesperrt werden muss. Dennoch, versichert der Verwaltungschef, funktioniere das Bad weiterhin: Das Innenbecken sei auf jeden Fall nutzbar, der angeschlossene Natursee stehe zur Verfügung, genauso die Kleinkinderbereiche. Und wenn es ganz blöd kommt, müsse die Sanierung eben über einen Nachtragshaushalt bezahlt werden. Die Pläne liegen in der Schublade. Und eigentlich habe Öchsle schon vor vier Jahren gesagt, Außenbecken und Rutsche drohten auszufallen – bislang habe man beides halten können. Die Rutsche hat aktuell ein neues Tüv-Zertifikat bekommen.

Unterhalt erhöhen?

Auch wenn die großen Brocken wahrscheinlich geschoben werden, soll ein Problem schnell angegangen werden: Aus dem Auslaufbecken der Rutsche sickert Wasser in die Bausubstanz, das muss alsbald gerichtet werden. 200.000 Euro sollen dafür 2019 bereitgestellt werden. Zudem soll öfter kontrolliert werden. Und vielleicht lasse sich etwas mehr Geld für den laufenden Unterhalt aus dem Etat rausziehen.

Bögge sagt, er erwarte „schmerzhafte Diskussionen im Stadtrat“. Das Gremium könne natürlich entscheiden, an anderer Stelle zu sparen. In der Sitzungsvorlage aus der Verwaltung gebe es bewusst keinen Beschlussvorschlag. Was die Verwaltung „nie“ vorschlagen würde, sei die Schließung des See- und Hallenbades. „Das droht nicht im Ansatz“, betont der Bürgermeister.

Mit Veranstaltungen mehr Publikum anziehen

Zahlen Rund 108 000 Besucher zählt das Sendener See- und Hallenbad jährlich. Die Einrichtung ist ein Zuschussbetrieb: 1,3 Millionen Euro beträgt das Defizit allein in diesem Jahr.

Attraktivität Um mehr Badegäste anzulocken, arbeite die Verwaltung an Ideen für Veranstaltungen, sagt der Bürgermeister. Auch neue Attraktionen, etwa ein Beach-Soccer-Court seien denkbar.

Förderverein Am Donnerstag hat sich ein Förderverein für das See- und Hallenbad gegründet – offenbar bewusst ohne den Bürgermeister vorher zu informieren. Man fürchtet wohl, politisch vereinnahmt zu werden. Vorsitzender ist Dietmar Roschkar, der auch den Verein Bürger­interessen führt. Dieser stellt zwei Stadträte. Bögge sagt, er begrüßt die Vereinsgründung und werde die Verantwortlichen alsbald zum Gespräch einladen.

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