Kreis Neu-Ulm / MICHAEL JANJANIN Mit der Energieeinsparung kommt der Kreis Neu-Ulm voran: Das zeigt der Energiebericht. Nur beim Stromverbrauch werden Erfolge eingeschränkt.

Strom sparen ist nicht mehr so angesagt wie vor einigen Jahren. Diese These wird untermauert vom Energiebericht des Landkreises Neu-Ulm: Zwar ist der Verbrauch immer noch weitaus geringer als zur Jahrhundertwende, als Kreistag und Kreisverwaltung neue Wege beschritten in der Systematik, wie Energie eingespart werden kann. Nach wie vor gilt die Energieeinsparung als einer der Königswege, um Atomkraftwerke flächig abschalten zu können. Das System greift bei der Wärmeenergie, doch schwächelt es, was den Stromverbrauch angeht.

Der Energiebericht 2010 der Gebäude des Landkreises Neu-Ulm zeigt die Entwicklung auf: Zwar weist der Kreis in seinen eigenen Immobilien einen Stromverbrauch auf, der 7,8 Prozent niedriger liegt als in früheren Jahren. Wer mit der vom Landkreis beauftragten Firma Wisag in die Tiefen der Energiespar-Thematik einsteigt, erfährt aber, dass das Polster der Einsparungen beim Strom von Jahr zu Jahr kleiner wird. Der wieder steigende Verbrauch von 1,5 bis 3 Prozent lasse sich durch die voranschreitende Technisierung oder auch durch zusätzliche Computerräume nicht vollständig erklären. Dieser Effekt trete in allen öffentlichen Gebäuden auf - nicht nur im Landkreis Neu-Ulm. Das Problem: Dieser Trend sei durch den Einsatz von Energiesparlampen und Regeltechnik nur zu verlangsamen.

Auch die Einführung des achtjährigen Gymnasiums hat im Energiehaushalt zu einem höheren Energieverbrauch geführt - nicht nur bei Eltern, Schülern und Lehrern, sonderen auch bei Strom und Heizung: Durch die Verkürzung der Gymnasialzeit auf acht Jahre habe zum Beispiel der Nachmittagsunterricht stark zugenommen - und damit auch die Nutzungszeit der Gebäude. Die Wisag kommt bei den Gymnasien so allein bei der Wärmeenergie auf einen Mehrverbrauch von 3,6 Prozent. Beim Strom ist der Anstieg noch etwas höher.

Insgesamt ist das Einsparmodell des Landkreises nach wie ein Erfolgsmodell - angefangen im Geiste des Klimaschutzes, also der Reduktion des CO2-Eintrags in der Atmosphäre. Es ist aber auch als Mittel zur Energiewende weiterzuentwickeln. Grundlage des Einsparcontractings seit 2005 ist es, dass die von der Vertragsfirma getätigten Investitionen über Einsparungen finanziert werden. Treten die zugesagten Ziele nicht ein, überweist die Firma Geld an den Landkreis zurück. Im Bilanzjahr 2010 sind dies rund 6000 Euro. Die Einsparungen haben insgesamt aber einen Wert von knapp 200 000 Euro, gab Landrat Erich Josef Geßner im Umweltausschuss des Kreistags bekannt.

Eine nachhaltige Einsparung sei hauptsächlich bei der Wärmeenergie erreicht worden, ergänzte Geßner. 12,4 Prozent betrug sie im Jahre 2010. Die Entlastung sei nicht nur durch die 2008 erbaute Biomasse-Anlage im Schulzentrum Pfuhl erreicht. Das Einsparcontracting-Projekt trage durch den Einsatz von neuer Anlagen- und Gebäudeleittechnik maßgeblich zur CO2-Einsparung bei. Geprüft wird nun auf Vorschlag des Kreisrats Dr. Ansgar Batzner (Freie Wähler), ob auch ein Bonussystem in den öffentlichen Gebäuden zu zusätzlichen Einsparungen führen könnte. 6,9 Prozent Einsparung an Wärmeenergie haben laut Bericht Modernisierungsinvestitionen des Kreises gebracht.