5 Anwälte, 2 Bausachverständige, insgesamt 13 Verfahrensbeteiligte im Saal – das Aufgebot, das Richter Florian Förschner am Freitag vor sich hatte, wäre einem großen Strafprozess ebenbürtig gewesen. Dabei saß Förschner der Zivilkammer am Landgericht Memmingen vor, die zum dritten Mal den Streit um die Baumängel am 2009 in Betrieb genommenen Trinkwasserbehälter der Stadt Senden zu klären versuchte. Nach fünf Stunden musste Förschner einsehen, dass eine gütliche Einigung nicht zu erzielen ist. Und dass die seitens der Stadt erneut erweiterte Mängelliste – es sind beispielsweise Roststellen gefunden worden und wieder Schimmel – weitere Fragen aufwirft.

Wie berichtet, hatte die Stadt Anfang 2010 – nur wenige Monate nach der Inbetriebnahme der Reservoir – Schimmel an den verputzten Decken festgestellt. Das Wasser wurde abgelassen, alles desinfiziert, in einem Behälter der Deckenputz abgeschlagen. Das Gesundheitsamt gab Entwarnung, der Behälter darf weiterbetrieben werden. Die Stadt begann ein Beweissicherungsverfahren, um für Schadenersatzprozesse gerüstet zu sein. Monatelang wurde mit der Baufirma und dem Ingenieurbüro eine gütliche Einigung gesucht. Vergeblich. Im Februar 2013 entstand nach der Anhörung der Sachverständigen Angelika Starker ein Vergleichsvorschlag, den die Stadt aber ablehnte. Daraufhin beauftragte das Gericht ein weiteres Gutachten. Dieses wurde am Freitag besprochen – und eigentlich war auch eine Entscheidung eingeplant.

Förschner versuchte zunächst, über Lösungsvorschläge, die Sache zu einem gütlichen Ende zu führen: Die Baufirma solle den Putz – der laut Gutachterin zum Zeitpunkt des Einbaus keine Zulassung für Trinkwasserbehälter gehabt habe – auch in der anderen Kammer abschlagen, die krümeligen Betonböden abschleifen, kleinere Mängel beheben. Doch Herbert Sailer, der von der Stadt beauftragte Gutachter, machte klar, dass das nicht genüge: Decken und Böden müssten mit einer glatten Schicht versehen werden. Zudem sei fraglich, ob die Bodenplatte nach dem Abschleifen noch dick genug sei. Der Anwalt der Baufirma hingegen sagte, der Putz stelle kein Problem dar, er sei jedenfalls nicht ursächlich für den Schimmel. Expertin Angelika Starker meinte, der Putz solle runter. Sie musste jedoch einräumen, dass der im Putz verwandte Zement für Hochbehälter zugelassen ist und die von der Stadt bemängelte Ausführung als Spritzwurf „technisch vertretbar“ sei. Der Putz enthalte aber auch Zellulose, und das sei problematisch, wandte Sailer für die Stadt ein. Richter Förschner sah letztlich „große rechtliche Probleme“ beim Versuch der Stadt, die Decke als mangelhaft einzustufen.

Anders bei den Böden, die absanden, weil beim Bau ein Platzregen den frischen Beton befeuchtete. „Das ist ein Mangel“, legte sich Starker fest. „Das ist etwas Alltägliches“, sagte der Bauunternehmer. Sailer erklärte, dass die Stadt gelöste Betonteilchen nicht im Wasser haben wolle, zumal sich der Reinigungsaufwand erhöhe, die Filter schneller volllaufen. Auch für einen nicht funktionierenden Sickerschacht fand sich kein gemeinsamer Lösungsansatz.

Der Bauunternehmer bekräftigte zwar mehrfach, er stehe für eine Einigung bereit. Doch der Anwalt des Ingenieurbüros machte klar: „Wir haben ja auch noch zahlreiche Zeugen benannt.“ Richter Förschner will jetzt die Verhandlung zusammenfassen, die Anmerkungen abwarten und dann womöglich entscheiden.

Zwei Behälter für insgesamt 3500 Kubikmeter Wasser

Zweck Der neue Hochbehälter der Stadt Senden an der Autobahn in Witzighausen wurde im Juni 2009 erstmals geflutet. Die beiden sieben Meter hohen Stahlbetonrundbehälter mit einem Durchmesser von 21 Metern fassen je 1750 Kubikmeter Wasser. Das sind 1,75 Millionen Liter. Die Reservoire wurden gebaut, um der Stadt mehr Versorgungssicherheit sowie stets einen ausreichenden Löschwasserdruck zu garantieren. Rund 2,1 Millionen Euro kostete der Bau, weitere 760 000 Euro die 1900 Meter lange Zuleitung.

 

Ärger Den ersten Konflikt mit dem Planungsbüro gab es schon 2009. Bei der Ausschreibung waren 40 Positionen vergessen worden, etwa Wartungs-Treppen.