Hier könnte ein Teil Ulmer Technikgeschichte eine neue Heimat bekommen: auf einer Lichtung im Nersinger Klassenhartwald. Die Bunker der ehemaligen Heeresmunitionsanstalt (Muna) liegen wie schlafende Elefanten zwischen den Bäumen. Noch ranken sich Gestrüpp und Äste um die Gemäuer. Doch es gibt Zukunftspläne: Ein Bunker soll saniert und zum Ausstellungsraum umgebaut werden für die Sammlung der AEG-Telefunken  – mit rund 1000 Teilen der Funk- und Radartechnik.

Das Projekt sei „eine einzigartige Verbindung von militärischem Gebäude mit militärischer Kommunikationstechnik“, sagen die Befürworter der Bunkerlösung. „Völliger Blödsinn“, meinen die Gegner. Der Streit über die Zukunft der Ulmer Exponate ist entbrannt – nur wenige Wochen, nachdem bekannt wurde, dass Airbus-Investor Kohlberg-Kravis-Roberts den Großteil der AEG-Telefunken-Sammlung aus seinen Räumen in der Ulmer Wörthstraße 85 verbannen möchte. Aus Sicherheitsgründen, weil die Öffentlichkeit keinen Zugang zum Firmengelände erhalten kann, erklärt ein Airbus-Sprecher.

Die Firma hat den ehemaligen Leiter der Standortdienste, Richard Gebler, damit beauftragt, einen neuen Standort für die Sammlung zu suchen. Und Gebler ist auf dem Muna-Gelände fündig geworden. Mit den Nersinger „Bunkerfreunden“ und einem eigenen Freundeskreis will er den Bunker in Stand setzen und für dieses Vorhaben Gelder aus den EU-Fördertöpfen der Leader-Stiftung beantragen.

Gebler selbst gibt sich wortkarg und will sich öffentlich nicht zu seinem Vorhaben äußern. In seinem Förderantrag steht, es gehe bei der Bunkersanierung darum, „das historische Erbe der Gemeinde Nersingen in Wert zu setzen“. Angedacht ist ein Trägerverein für das Ausstellungsprojekt, die „Bunker- und Telefunken-Freunde“. Als starker Partner soll die Gemeinde Nersingen mit ins Boot. Bürgermeister Erich Winkler sagt: „Grundsätzlich kann ich mir das vorstellen“. Er betont aber auch: „Ich kann nicht beurteilen, ob das Projekt nach Nersingen oder nach Ulm soll.“ Eine Sanierung der Bunker dürfte teuer und schwierig werden, meint Winkler.

Josef Salzer von den Nersinger Bunkerfreunden stimmt zu. Die ehmalige Lagerstätte sei über Jahrzehnte „vernachlässigt“ worden. Dennoch glaubt er an das Projekt: „Immerhin wurde dort früher auch Munition trocken gelagert.“  Und er betont, der Bezug zu Ulm sei bereits historisch gegeben. Schließlich sei der Muna-Bau damals vom Heeresbauamt Ulm veranlasst worden, als Ulm Garnisonsstadt war. In einem zukünftigen Bunkermuseum könnte neben der Telefunken-Ausstellung auch Raum für eine Darstellung der Muna-Geschichte sein, sagt Salzer. Einen Großteil der Fläche aber würde die Telefunken-Ausstellung einnehmen.

Heftiger Gegenwind kommt jedoch aus Ulm. Dort hat sich der Freundeskreis AEG-Telefunken gegründet. Fritz Arends und Detlev Gröbe haben das Museum rund 18 Jahre lang geführt und die Besucher zum Staunen gebracht. Jetzt  fürchten sie um ihr Erbe. Fritz Arends sagt, die Exponate hätten nichts zu suchen in einem „versifften Bunker“. Zudem reiche der Platz dort „hinten und vorne nicht aus“. Momentan lagert ein Teil der Sammlung bereits in Nersingen, unweit des Bunkers, der andere Teil weiterhin in Räumen von Airbus in der Wörthstraße. Aber Gröbe und Arends fordern, dass alle Exponate so schnell wie möglich zurück nach Ulm kommen. „Nur in ihrer Gesamtheit behält die Ausstellung ihren Wert“, sagt Gröbe. Mit dem Ulmer Stadtrat Hans Walter Roth (CDU) haben sie sich an den Ulmer Oberbürgermeister Gunter Czisch gewandt. Ihr langfristiges Ziel: eine Unterbringung in einem eigenen Technikmuseum der Stadt Ulm an der Wilhelmsburg.

„Die Zeit eilt“, schreibt der Stadtrat in einem Brief an den OB. Schließlich hätten inzwischen auch andere entdeckt, dass es sich „um mehr als nur einen wertlosen Firmennachlass handelt“. Bedeutend dürfte vor allem der immaterielle Wert sein: Die Denkmalschutzbehörde der Stadt Ulm hat unlängst den Großteil der Exponate als „bewegliches Kulturdenkmal“ unter Schutz gestellt. Jetzt prüft die Stadt Ulm die Rechtslage zum Besitz.

Der Airbus-Sprecher stellt klar, Eigentümer sei die GmbH „Airbus Defence and Space Electronics and Border Security“ als Rechtsnachfolger der Vorgängerfirmen. Das Unternehmen sei „grundsätzlich bereit“, die Exponate als Leihgabe der Stadt Ulm oder aber einem eingetragenen, gemeinnützigen Verein zu übereignen – in Absprache mit dem Denkmalamt und vorausgesetzt die Sammlung werde auch in Zukunft öffentlich ausgestellt und wissenschaftlich betreut.

Bedeutendes Lager im Zweiten Weltkrieg


Muna

Die Heeresmunitionsanstalt (Muna) in Nersingen-Straß ging 1939 in Betrieb. Bis zu 2400 Menschen waren während des Zweiten Weltkriegs auf dem Gelände beschäftigt. Nach dem Krieg diente die Muna unter anderem als Übungsgelände für die Bundeswehr. Die Bunker stehen heute auf dem Grundstück, das der Bundesanstalt für Immobilien (Bima) gehört.