Straß Straßer Schule feiert 60-jähriges Bestehen: "Profil deutlich geschärft"

Straß / MIRANDA TIEPERMANN 28.05.2014
Von der Volksschule mit Berufsschule zur Mittelschule im Verbund: Die Anton-Miller-Schule blickt auf bewegte Jahrzehnte mit jahrelanger Raumnot zurück. Ehemalige Lehrer und der aktuelle Rektor erinnern sich.

Eine 60 Jahre alte Urkunde, die Rektor Thomas Pritsch zufällig in die Hände fiel, ist schuld, dass die Straßer Schule jetzt feiert. Wenn am Freitag der runde Geburtstag begangenen wird, herrscht reichlich Platz für Gäste. Dabei hatte die Schule 45 Jahre lang gegen Raumnot gekämpft. Wie Anton Aubele in seiner Ortschronik ausführte, mussten 1951 die 194 Schulkinder in Klassen mit bis zu 76 Kindern unterrichtet werden - und das in zwei Schulsälen in Wechselschicht. Als der Plan, das ehemalige Verwaltungsgebäude der in Straß gelegenen Heeres-Munitionsanstalt (Muna) auszubauen, scheiterte, errichtete die Gemeinde von 1952 bis 1954 am Klassenhartweg die heutige Schule.

Mitten im Bau siedelten die ersten beiden Klassen über. Nach Fertigstellung der vier Klassenräume war auch die landwirtschaftliche Berufsschule für Mädchen untergebracht, die mit 30 Schülerinnen von Oberfahlheim nach Straß verlagert wurde. Die Zahl der Volksschüler stieg schnell. Beim Stand von 219 Schülern 1966/67 wurde ein Erweiterungstrakt mit vier Schulsälen, zwei Werkräumen und Schulturnhalle nötig. "Ich hatte damals bis zu 49 Schüler in der Klasse", erzählt Ex-Lehrer Klaus Schillhansl.

Mit der Schulreform 1969 wurde Straß Verbandschule, Heinrich Seißler ihr Rektor. Nun war sie Grund- und Hauptschule für Straß und Silheim sowie Hauptschule für Leibi, Nersingen, Oberfahlheim, Unterfahlheim. "Die Nersinger waren damit gar nicht einverstanden. Viele Eltern haben Jahre gebraucht, um es zu akzeptieren", sagt Schillhansl.

Erneut wurde der Platz knapp. Der zweite Erweiterungsbau mit neun Sälen folgte und war 1973 bezugsfertig. 1977/78 wurden 634 Schüler gezählt, so viel wie nie. 31 Lehrer unterrichteten 6 Grundschul- und 14 Hauptschulklassen. Der letzte Anbau folgte 1996 bis 1998. Dieser sollte die Straßer noch lange beschäftigen. Der gläserne Neubau war für seine Architektur prämiert, doch Baumängel führten zu einem jahrelangen Streit vor Gericht. "Schon während der Einweihung ist das erste Fenster rausgefallen", erinnert sich Ex-Konrektor Jovan Jovanovic. Unvergesslich ist für den Pensionär ein Ausflug mit seinen Grundschülern 1973 auf das Muna-Gelände zum Säubern. Ein Schüler hatte eine Bombe gefunden, ihm aber versichert, sie sei kaputt: "Wir haben sie ein paar Mal an einen Baum geworfen. Sie ist nicht explodiert." Vertreter der Bundeswehr evakuierten den Platz sofort. Die Straßer Schüler sind seit dem nie mehr in die Muna gegangen.

Heute ist von Platznot keine Rede mehr. Die Schülerzahlen sind stetig zurückgegangen - auf aktuell 183 Schüler in 4 Grundschul- und 6 Hauptschulklassen. 22 Lehrer unterrichten. "Jetzt haben wir Platz für Spezialangebote", sagt Thomas Pritsch, der 2007 Rektor Lothar Schmidt nachfolgte. Seit zwei Jahren unterstützt ihn Konrektorin Irmgard Neureuther. Es gibt eine Bibliothek, ein Geometriezimmer, einen Bewegungsraum, drei Werkräume, zwei Computerräume und zwei Religionszimmer.

Im Jahr 1999 erhielt die Schule den Namen Anton-Miller-Volksschule. Die jüngste Schulreform machte daraus: Anton-Miller-Grundschule und Anton-Miller-Mittelschule. Letztere gehört seit 2011 zusammen mit der Karl-Salzmann-Mittelschule Neu-Ulm und der Elchinger Mittelschule dem Donauauen-Mittelschulverbund an.

"Als ich anfing, stand es um den Ruf der Schule nicht zum Besten", erklärt Pritsch. "Doch das Profil der Einrichtung wurde in den vergangenen Jahren deutlich geschärft." Ob Ganztagesschule, umfangreiches Angebot für die Schüler, Einsatz von Sozialarbeiter, Streitschlichter, Tutoren oder Schülerfirma: Es hat sich viel getan. "Das ist in der Öffentlichkeit gut angekommen. Heute kann Straß stolz auf seine Schule sein", meint Pritsch.

Das Schulfest

Programm Die Anton-Miller-Schule feiert am Freitag, 30. Mai, von 10 bis 13 Uhr ihr 60-jähriges Bestehen mit einem Fest. Auf dem Programm stehen Festreden, Einlagen der Schüler sowie die Vorstellung der Klassenprojekte. Es gibt eine Spielwiese. Für Speisen und Getränke sorgt der Elternbeirat. Außer der Schulfamilie sind alle ehemaligen Schüler eingeladen.

 

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