Sport Stark: Jennifer Sräga aus Senden mischt die Golfszene auf

Senden / Claudia Schäfer 01.09.2017
Die 17-Jährige Jennifer Sräga lässt die Golfszene aufhorchen: Die Schülerin aus Senden schlägt trotz Körperbehinderung renommierte Spielerinnen.

Mit einem Handicap von derzeit 7,3 kann sich die 17-jährige Jennifer Sräga aus Senden eine sehr gute Golferin nennen. Trotz ihrer Jugend und einer Körpergröße von knapp 1,30 Metern ist sie Stammspielerin der Damenmannschaft des Golfclubs Reischenhof bei Wain und gewinnt bei Turnieren regelmäßig gegen Spielerinnen ohne körperliche Einschränkung, die den Sport schon seit Jahrzehnten ausüben.

Jahrelang spielte Jennifer mit ihren speziell für sie angefertigten Schlägern nur bei regulären Wettbewerben mit. Dass es Turniere für körperbehinderte Golfer gibt, erfuhr sie erst 2016. Und machte bei den Deutschen Meisterschaften in Hamburg in der Kategorie „Sportler mit Einschränkung im Golfschwung“ gleich als Gewinnerin der Bronzemedaille von sich reden.

Heuer toppte sie ihren Erfolg und wurde kürzlich Deutsche Meisterin,  indem sie bei dem Turnier laut der Internetseite „golf.de“ „in einer eigenen Liga“ spielte. Auch eine Silbermedaille hat sie schon geholt, bei den internationalen Bayerischen Meisterschaften 2016.

Dabei steht die Schülerin, die ab September die elfte Klasse besucht, erst am Anfang einer Karriere – ihren Zenit erreichen Golfer mit etwa 32 Jahren. Jennifer ist sich dessen bewusst: „Ich weiß, dass ich mehr kann“, sagt sie. Doch erst einmal stehe die Schule im Vordergrund, das Abitur, dann vielleicht ein Medizinstudium – der „sichere Pfad“, wie Jennifer es nennt. Eine Stunde Training pro Woche im Internat in Salem, dann noch zwei, drei Stunden am Wochenende zu Hause, das muss erst einmal reichen.

Golf ist bei den Srägas Familiensport: Mutter und Vater spielen beide. Sie zeigten Jennifer und ihrer zwei Jahre älteren Schwester Steffi den Sport, als die Mädchen noch Kinder waren. „Oh nee“ sei ihre erste Reaktion gewesen, erinnert sich Jennifer. Doch dann habe sie wie Steffi schnell Gefallen gefunden an dem Spiel: „Man kann super den Alltag vergessen, ist sportlich unterwegs und viel draußen.“

Mit ihrer Schwester verbindet Jennifer viel, beide sind nicht nur beim Golfclub Reischenhof ein Team. Gemeinsam Golf spielen, sich abwechselnd motivierend in den Hintern treten, zusammen im Winter beim Eis-Freestyle in der Sendener Eislaufanlage zu Hip-Hop-Musik auf Kufen tanzen, gemeinsam turnen und Einrad-Fahren – „wir passen super zusammen“, findet Jennifer.

Auch der Unterstützung ihrer Eltern kann sich Jennifer sicher sein: Sie waren in Hamburg bei den Deutschen Meisterschaften dabei, ihre Mutter begleitete sie Ende Juni nach Portugal zu den Europäischen Mannschafts-Meisterschaften für behinderte Golfer, für die die junge Frau überraschend nominiert worden war. Ohne diese Hilfe könne sie gar nicht zu Turnieren fahren, sagt Jennifer: „Wie soll ich mit knapp 1,30 Metern überhaupt das ganze Gepäck transportieren?“

Ein bisschen mehr Unterstützung für Jennifer durch den Verband würden sie sich schon wünschen, sagt Vater Uwe Sräga. Im Gegensatz zu nicht behinderten Golfern bekomme Jennifer weder Golfsakko noch Trainingsanzug gestellt: „Es hieß, wir sollen im Fachgeschäft einen kaufen.“ In den skandinavischen Ländern und Frankreich sei das anders, die Franzosen seien zur Vorbereitung der Europäischen Meisterschaften sogar in ein Trainingslager in Portugal geflogen. Es gehe nicht darum, behinderte Sportler zu bevorzugen, betont Vater Uwe: „Aber benachteiligen sollte man sie auch nicht.“

Trotzdem hofft Jennifer, ihr Talent auch künftig bei großen Turnieren ausspielen zu können. Gerne wäre sie etwa bei den US Open dabei und sucht noch nach Sponsoren, die sie dabei unterstützen würden.

Ihr Nahziel sind aber die Europäischen Einzelmeisterschaften 2018, für die sie auf eine Nominierung hofft. „Dann sehe ich, wo ich international stehe.“