Die Mitglieder des Weißenhorner Bauausschusses haben am Montagabend den Weg für den Bau einer Flüchtlingsunterkunft frei gemacht. Die Räte votierten mit 8:5-Stimmen für die Verwirklichung der Pläne eines privaten Investors. Im Anschluss debattierte der Helferkreis Asyl über die neue Situation in der Fuggerstadt.

Asyl-Unterkunft Vor drei Monaten waren die Pläne für den Umbau eines früheren Industriegebäudes in ein Flüchtlingsheim für bis zu 100 Menschen gescheitert. Nun sieht es ganz danach aus, als würde die Stadt Weißenhorn doch ein größeres Asylbewerberheim bekommen. Der Bauausschuss votierte mit den Stimmen von SPD, Freien Wählern, ÖDP und Grünen für den Bauantrag des Investors. Die CSU-Fraktion und Bürgermeister Wolfgang Fendt stimmten dagegen.

Die Pläne sehen die Errichtung eines 60 Meter langen, einstöckigen Containerwohnblocks auf dem früheren Gelände eines Autohauses in der Roggenburger Straße vor. Das Gebäude soll Platz für insgesamt 48 Asylsuchende haben. Wann die Unterkunft gebaut wird, steht noch nicht fest. Zunächst muss das Landratsamt die Pläne prüfen.

Die Verwaltung hatte sich gegen den Vorschlag des Investors ausgesprochen. Zwar sei der Bau einer Wohnanlage an dem Standort grundsätzlich möglich, die geplante Anlage passe aber angesichts ihrer Größe nicht in die Umgebung. Mit 48 Bewohnern überschreite das Heim „die dort übliche Einfamilienhausstruktur deutlich“, sagte Stadtbaumeisterin Conny Roth. Das sah Bürgermeister Wolfgang Fendt ähnlich. Er sagte: „Der wuchtige Baukörper fügt sich nicht in die Umgebung ein.“ Ergo müsse der Investor seine Pläne abspecken. Das Flüchtlingsheim dürfe nur halb so groß werden wie geplant – also nur maximal 24 Plätze haben. Fendt schlug den Räten überdies vor, sich das Gelände vor Ort anzuschauen.
Nicht nötig, sagte Thomas Schulz ( SPD). Er sprach sich dafür, den vorliegenden Bauantrag sofort zu genehmigen. Das geplante Gebäude füge sich „hervorragend“ in die Umgebung ein, sagte Schulz. Schließlich befänden sich rund um das Areal einige Reihenhäuser. Weißenhorn stehe in der Pflicht und benötige diese Plätze für Flüchtlinge dringend. Unterstützung erhielt Schulz von Fraktionskollegin Petra Bohatsch, der Vorsitzenden des Asyl Helferkreises. Sie gab zu bedenken: „Wenn wir das jetzt ablehnen, verlieren wir wertvolle Zeit.“ Die Containeranlage könne bis zum Winter stehen. „Wir sollten den Flüchtlingen in der kalten Jahreszeit ein Dach über den Kopf geben.“

Helferkreis Nach der Entscheidung im Bauausschuss haben am Montag im Rathaus 30 Mitglieder des Helferkreises Asyl über die Ankunft weiterer Flüchtlinge in der Fuggerstadt diskutiert. Die Vorsitzende Petra Bohatsch berichtete auch über Fortschritte bei Sprachkursen, Kinderbetreuung und gemeinnützige Arbeit für die bereits in Weißenhorn untergebrachten Flüchtlingsfamilien. „Unsere Asylbewerber konnten sich unauffällig in Weißenhorn integrieren“, sagte Bohatsch.

Das größte Problem sei die Suche nach einer geeigneten Unterbringungsmöglichkeit. In diesem Punkt waren sich die Mitglieder einig. In Weißenhorn stehen zwei Lokalitäten in der Diskussion: ein Haus in Biberachzell, das im August bezogen werden soll, und die am Montag auf den Weg gebrachte Containerunterkunft in der Roggenburger Straße.

In Biberachzell sei es wichtig, die betroffenen Nachbarn für die Ankunft der Asylbewerber zu sensibilisieren, sagte Hanna Macri, Mitglied im Helferkreis. „Ich habe den Eindruck, dass dort eine sehr kritische Stimmung herrscht“, sagte ein anderes Mitglied. Man müsse eine Info-Veranstaltung organisieren, in der alle Biberachzeller darüber aufgeklärt sollen, wer ihr neuer Nachbar ist. Die Veranstaltung könne allerdings erst dann stattfinden, wenn klar sei, wer in das Haus einzieht.

Das Gespräch müsse auch mit den künftigen Nachbarn der Unterkunft in der Roggenburger Straße gesucht werden. Als Stadträtin habe sie den Container-Plänen zustimmen müssen, sagte Bohatsch, auch wenn sie sich eine andere Art der Unterbringung gewünscht habe. Es sei positiv, dass der private Bauherr den Helferkreis unterstützen wolle.