Senden/Weißenhorn Spezialzug reinigt Bahnstrecke Senden-Weißenhorn

Senden/Weißenhorn / CARSTEN MUTH 22.08.2013
Die Sanierung der Bahntrasse zwischen Senden und Weißenhorn schreitet voran. Spezialzüge reinigen das Gleisbett und tauschen tonnenweise Schotter aus. Die Strecke wird fit für die nächsten 30 Jahre gemacht.
Der Countdown läuft. In gut vier Monaten sollen auf der Bahnstrecke zwischen Senden und Weißenhorn wieder Personenzüge verkehren. Seit Anfang Juni ist die gut neun Kilometer lange Trasse bereits gesperrt. Haltestellen werden gebaut, Bahnübergänge modernisiert. Nun werden Gleisbett und Schienen in Schuss gebracht. Der Aufwand ist enorm.

Seit Tagen ist ein Reinigungszug auf der Strecke unterwegs. Die 250 Meter lange Maschine hebt die Schienen etwa 20 Zentimeter an und nimmt den Schotter des Gleisbetts auf. Im Innern des Zugs wird das Material gesiebt, das Gleisbett von kleineren und brüchigen Steinen und großen Mengen Humus befreit, der gereinigte Schotter wieder aufgebracht. 8000 Tonnen Aushub kommen bei der Reinigung zwischen Senden und Weißenhorn zusammen - Ausbruchmaterial, das auf sieben Deponien entlang der Strecke gesammelt und dann sukzessive abtransportiert wird.

Mitte des 19. Jahrhunderts war die Strecke in Betrieb genommen, 1967 der Personenzugverkehr eingestellt worden. Seitdem fuhren dort in der Regel nur noch Güterzüge, häufig nur einer pro Tag. Saniert wurde die Nebentrasse zuletzt in den 1960er Jahren. Gemessen daran sei der Verschleiß verhältnismäßig gering, Schienen und Schwellen, obwohl teilweise rund 100 Jahre alt, alles in allem gut in Schuss.

An einer Sanierung geht nun aber kein Weg vorbei. Sie ist alternativlos, sagt Jörg Zeeb, Projektleiter der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU). Die Stadtwerke haben die Strecke gepachtet, investieren zehn Millionen Euro in die Modernisierung. Künftig dürfen Züge zwischen Senden und Weißenhorn 100 Stundenkilometer schnell fahren. "Wir werden die Strecke dafür fit machen und setzen das um, was heute technisch möglich ist", sagt der SWU-Projektleiter. Alle Bahnübergänge, auch die auf Feldwegen, werden beschrankt. Sicherheit gehe vor. "Da gibt es keine Kompromisse."

Rüttel-, Stopf- und Schleifmaschinen folgen dem Reinigungszug. Sie füllen das gereinigte Gleisbett mit etlichen Tonnen Naturschotter aus Granit wieder auf, verdichten und stabilisieren es, schleifen die Schienen ab. Etwas mehr als einen Kilometer schaffen die Maschinen pro Tag. Während der vergangenen Jahrzehnte sind Unmengen an Blättern von den Bäumen auf die Gleise gefallen. Auf und im Gleisbett hat sich reichlich Humus gebildet. Der muss nun raus.

Der Untergrund der Strecke, die so genannte Erdplanungschicht aus feinerem Kies, muss nicht gereinigt werden. Sie befindet sich nach Angaben von Fachleuten in gutem Zustand. Allerdings wird zwischen Untergrund und Gleisbett eine wasserdurchlässige Geotexplane verlegt - um zu verhindern, dass kleinere Gesteinsbrocken in den Schotter geraten und das System destabilisieren.

"Das ist eine Materialschlacht. Normalerweise macht man solch eine Sanierung alle 25 Jahre", sagt Rainer Christmann, der als Eisenbahn-Ingenieur die Sanierung koordiniert. Er ist überzeugt: Der Aufwand lohnt sich. Entwässerung und Elastizität würden wieder hergestellt, die Strecke für die kommenden 20 bis 30 Jahre ertüchtigt.

Im Bereich des Weißenhorner Bahnhofs allerdings ist die Reinigung des Gleisbetts nach Angaben des Ingenieurs nicht möglich. "Da haben wir zu viel Lehm im Schotter", sagt Rainer Christmann. Dort wird nun Kalk eingebracht, der Schotter auf diese Weise verdichtet und stabilisiert.

Ende vergangener Woche hat die Gleisbettreinigung am Sendener Bahnhof begonnen. Am Dienstag mussten die Arbeiten in der Nähe der provisorischen Bahnbrücke im Sendener Stadtteil Witzighausen kurzfristig unterbrochen werden. Ein technischer Defekt hatte den Reinigungszug lahm gelegt. Gestern lief es wieder rund. "Was will man machen? So etwas kann vorkommen, kein Grund zur Sorge", sagt Fachmann Christmann. Am kommenden Dienstag soll der Tross wie geplant die Endstation Weißenhorn erreichen. Die umfangreiche Gleisbett- und Schienensanierung wäre dann bis auf "einige Feinarbeiten" abgeschlossen.

Christmann nennt die Umsetzung des Großprojekts "Bahnreaktivierung zwischen Weißenhorn und Senden" vorbildlich. Auch deshalb, weil das Vorhaben über Jahre hinweg akribisch vorbereitet worden sei. Böse Überraschungen erwarten Christmann und Projektleiter Jörg Zeeb jedenfalls nicht mehr. "Wir halten den vorgegebenen Kosten- und Zeitrahmen ein", sagt Zeeb. Davon geht auch Christmann aus. Er betont: "Wenn wir etwas machen, dann machen wir es richtig."

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