Kreis Neu-Ulm Kommentar zur Strategiedebatte Krankenhäuser: Ran an den Bund

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Autorenfoto © Foto: Könneke Volkmar
Michael Janjanin 12.10.2017

Raus aus dem Kuddelmuddel der Vergangenheit, rein in klare Strukturen der Krankenhausfinanzierung? So weit ist der Landkreis Neu-Ulm noch nicht. Gleichwohl haben sich einige Dinge geklärt, die den betrieblichen Ablauf betreffen.  Die Digitalisierung wird noch Hunderttausende von Euro an Kosten verursachen. Die Kommunalpolitik, gestern im Krankenhaus-Ausschuss des Kreistags diskutierend, hat darüber nicht gemurrt. Eher sind die Fraktionen froh darüber, dass das Krisenmanagement des vergangenen Jahres Wirkung zeigt, auch wenn Defizite in diesem und wie in den Folgejahren zu erwarten sind.

Kann der Kreis nun nahtlos zum Strategieprozess zur Neuausrichtung der Kliniklandschaft übergehen? Die Menschen im Landkreis erwarten dies. Landrat Thorsten Freudenberger hat gestern versucht, dafür eine Vertrauensbasis beim spannungsgeladenen Thema Geburtshilfe Illertissen zu bauen. Die friedensstiftende Strategie vor der Strategiedebatte: die Verbindlichkeit des Bürgerwillens zum Erhalt, realistischerweise zum Wiederaufbau, einer Geburtshilfe zwischen Ulm und Memmingen zu betonen und den Willen zu dokumentieren, diesen nach Möglichkeit umsetzen zu wollen. Die Kreisräte sind gestern der Politik des Zuhörens gefolgt.

Verzweiflung

Doch war die Verzweiflung der Kreispolitiker spürbar, dass das seit fast zwei Jahren bundesweit geltende System der Krankenhausfinanzierung all die Mühen wieder zunichte machen könnte. Schleichend ist eine Obergrenze für die Zahl an Krankenhäusern in Deutschland gezogen worden. Diese will Freudenberger nicht akzeptieren – ebensowenig der Landrat des Alb-Donau-Kreises Heiner Scheffold und die Kollegen aus den Kreisen Günzburg, Heidenheim, Dillingen, Donau-Ries und Ostalb. Sie fordern Systemveränderung, die kommunalen Einrichtungen zur Grundversorgung mit Geburtshilfe eine Überlebenschance einräumt.

Schon allein deshalb haben sie Unterstützung verdient: von Industrie, Handel und Handwerk. Und von den Bürger-Initiativen, die für den Erhalt von Geburtshilfe-Station jenseits der Oberzentren kämpfen. Die Strategie, sich zusammenzuschließen und die Wucht der Empörung gegenüber einer sich neu formierenden Bundesregierung konstruktiv zu nutzen, ist nicht die schlechteste. Auf jeden Fall die einzige.

Ein Kommentar von Michael Janjanin.