Schönebach / Thomas Vogel  Uhr
Er ist einer der gefährlichsten Waldschädlinge: Seit der Asiatische Laubholzbockkäfer auch in der Region aufgetreten ist, herrscht Alarmstufe Rot.

Eigentlich ein ganz schönes Tier“, findet Franziska Kremitzl. Dann greift sie in eine Schublade, und schon lässt sich diese Aussage „am Objekt“ überprüfen. Auffällig ist der Asiatische Laubholzbockkäfer auf jeden Fall. Dass er gefährlich ist, da dürfte ein weitgehender Konsens bestehen. Ist ein Baum befallen, geht er ein.

Der Käfer, der nun – tot und in einem Kästchen hinter Glas – auf Kremitzls Schreibtisch steht, war einem Privatmann in Schönebach (Landkreis Günzburg) buchstäblich vor die Füße gefallen. Zum Glück fand der den Käfer nicht nur schön, sondern auch verdächtig. Er brachte ihn zu einem Förster. Was nach dessen Alarmruf folgte, führt direkt zu Kremitzl.

Tätig beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Krumbach, ist die Forstingenieurin dort ausschließlich zuständig für die Bekämpfung des Holzschädlings, intern ALB genannt. Dass in der für die Landkreise Neu-Ulm und Günzburg zuständigen Behörde dafür eigens eine Stelle eingerichtet wurde, zeigt allein schon, wie ernst man hier die Bedrohung nimmt.

Bis Mitte Juni, dem Schlüpfzeitraum, haben die „Käferjägerin“ und ihre Kollegen elf Laubholzbock-Fallen im betroffenen Gebiet ausgebracht, versehen mit einem Lockstoff. Ergäbe sich ein positiver Befund, wäre klar: Die Käfer-Population ist nicht restlos vernichtet. „Letztmals wurde Anfang 2016 ein ALB in Schönebach nachgewiesen.“ Das Monitoring läuft bis Oktober, bisher wurde kein weiteres Tier gefunden.

Nach der Entdeckung ein Jahr zuvor war die Befall- zur Quarantänezone erklärt worden. Alle in Frage kommenden Pflanzen im Umkreis von 100 Metern wurden gefällt. Von den damals rund 1000 entfernten Laubbäumen waren 130 mit ALB befallen. Kein Laubbaum innerhalb eines Radius von zwei Kilometern darf aus dieser Zone entfernt werden. „Ich habe gerade 550 Hektar Wald im Blick“, erläutert Kremitzl. Er liegt in einem Gebiet, das einem „verschärften Monitoring“ unterliegt. Im Radius von 500 Metern rund um die Befallszone werden alle Verdachtsbäume kartiert. Baumkontrolleure nehmen die Quarantänezone unter die Lupe. Sie suchen systematisch jeden potentiell befallbaren Laubbaum und jeden Strauch ab. Das etwa ein Zentimeter große Ausflugsloch ist das am deutlichsten sichtbare Indiz für die Präsenz des Käfers.

Fast alle Laubbaumarten können befallen werden, am meisten bedroht seien Pappel, Ahorn, Birke, Rosskastanie, Ulme und Weide. Nach Europa und in die Region eingeschleppt wurde der Käfer wohl mit Paletten oder Einwegverpackungen aus Holz, etwa für Steinware. Im konkreten Fall geriet ein Landschaftsbaubetrieb ins Visier.

Erst Ende 2020 wird die Quarantänezone in Schönebach wieder aufgehoben. Solange stehen der Wald, aber auch Feld- und Gartengehölze rund um die Befallszone unter verschärfter Beobachtung. Pflanzenschutzmittel gegen den eingeschleppten Käfer stehen nicht zur Verfügung.

In acht EU-Ländern ist ALB bislang nachgewiesen worden, an fünf Orten in Bayern. Dass er hier restlos auszurotten ist, geht auf EU-Beschlüsse zurück. Die sprichwörtliche Suche nach den Nadeln im Heuhaufen? Kremitzl gibt sich da optimistisch: „Ich bin mir sicher, man schafft das.“

Bis zu 70 Eier pro Weibchen

Durchbohrt Mit den weißen Flecken auf dem schwarzen Rücken und den beiden enorm langen Fühlern hat der Asiatische Laubbockkäfer ein auffallendes Äußeres. Für die Ei-Ablage nagen die Weibchen bis zu einen Zentimeter große Gruben in die Rinde eines Baumes. Jedes legt bis zu 70 Eier, aus denen nach zwei Wochen Larven schlüpfen, die sich in das Innere des Baumes bohren. Bei starkem Befall verdursten die betroffenen Bäume.