Umwelt  So läuft das Projekt „Agile Iller“

Kreis Neu-Ulm / Bianca Frieß 04.12.2018

Ein verzweigter Fluss, der sich entlang flacher Kiesbänke durch die grüne Landschaft schlängelt: So ähnlich sollte auch die Iller natürlicherweise aussehen, sagt Gunther Wölfle, Abteilungsleiter für den Landkreis Neu-Ulm beim Wasserwirtschaftsamt Donauwörth. „So werden wir es zwar nicht mehr hinbekommen – aber das Projekt ist ein guter Schritt und Kompromiss dahin.“

Wölfle spricht vom Programm „Agile Iller“, für das Bayern und Baden-Württemberg in den kommenden zehn Jahren rund 70 Millionen Euro in die Hand nehmen wollen. Um einen „Lebensraum zu schaffen, der sich wieder lohnt“, wie Wölfle sagt. Denn aktuell sei das an der Iller nicht überall der Fall: „Wir kennen den Fluss als Wasserautobahn, eingezwängt in ein steinernes Korsett.“ Gestern hat Wölfle im Umwelt- und Werkausschuss des Neu-Ulmer Kreistags den aktuellen Stand des Renaturierungsprojekts vorgestellt.

Im ersten Schritt soll der Fluss an „Schlüsselstellen“ wieder durchgängig fließen: etwa am Wehr bei Senden-Ay. Dort haben Planungen für den Umbau der Schwelle bereits begonnen, berichtet Wölfle. Der neue Besitzer des Wehrs saniere die Anlage zurzeit. „Wir sind da mit ihm im engen Austausch.“ Es sei sogar eine „doppelte Durchgängigkeit“ auf beiden Seiten des Wehrs vorgesehen. Auf der Prioritätenliste ganz oben steht außerdem die Anbindung von Seitengewässern, etwa des Nebenflusses Buxach bei Buxheim im Unterallgäu.

Anschließend „wird der Rest durchgängig gemacht“, sagt Wölfle. Also der gesamte Abschnitt von Flusskilometer 57 bis zur Mündung in die Donau. Geplant sind Struktur- und Ufermaßnahmen, ehemalige Flussarme sollen reaktiviert werden. Beim Teilprojekt „Illersanierung“ zwischen dem Ayer Wehr und Vöhringen soll etwa noch Ende dieses oder Anfang kommenden Jahres das Planfeststellungsverfahren starten. Und auch auf der restlichen Strecke haben die Planungen schon begonnen: etwa beim geplanten Fischaufstieg bei Illertissen und Dietenheim.

Für den Umbau der Schwelle bei Altenstadt gibt es inzwischen einen Vorentwurf. Hier wird die Betonschwelle im Fluss in eine „Raue Rampe“ umgebaut. Dabei wird ein Höhenunterschied mit einer flachen Neigung überwunden, sodass sie für Tiere und Geschiebe passierbar bleibt.

Fische vom Aussterben bedroht

Im letzten Schritt geht es um das Ergebnis eines ingenieurbiologischen Gutachtens. Dabei wird untersucht, welche Wassermenge für einen guten ökologischen Zustand mindestens fließen muss. „Wenn die Menge nicht ausreicht, wird es Überlegungen geben, auch Wasser aus den Kanälen rauszunehmen“, sagt Wölfle.

Ein Vorhaben könnte der Renaturierung noch in die Quere kommen: Der Münchner Investor Fontin und Company plant insgesamt acht Schacht-Kraftwerke in der Unteren Iller (wir berichteten). Dabei sollen bestehende Schwellen, also Querbauwerke im Fluss, verwendet werden. Bisher wurde ein Standort bei Dietenheim genehmigt, eine Klage des Bunds Naturschutz in Bayern wurde vom Verwaltungsgericht Sigmaringen abgewiesen. „Wird damit nicht die Agile Iller konterkariert?“, will Kreisrat Georg Schneider (SPD) wissen. Wölfle bezieht klar Stellung: Es hindere die Verantwortlichen nichts daran, weiter zu planen. „Und wo eine Raue Rampe ist, da kann kein Fontin-Kraftwerk mehr sein.“

Gegen die Wasserkraftwerke spricht sich auch Wolfgang Höß (CSU), Kreisrat und Bürgermeister von Altenstadt aus. „Das läuft der ökologischen Entwicklung der Iller zuwider.“ Die Durchgängigkeit sei mit der Genehmigung eines Kraftwerks „auf Jahrzehnte geblockt.“ Das gehe zu Lasten der Tiere, viele Fischarten seien vom Aussterben bedroht. Höß kündigt an, einen Antrag an den Kreistag zu stellen: auf eine Resolution an das bayerische Umweltministerium. Dieses solle „klare Kante zeigen“ und die Schwellen in der Unteren Iller, die zur Hälfte Eigentum der Länder seien, nicht mehr für Kraftwerke zur Verfügung stellen. „Es ist nur fair zu sagen: Im Mutterbett der Iller gibt es keine Wasserkraft mehr.“

Knapp drei Meter tiefer als 1999

Eintiefung Ein Problem der Iller: „Die Sohle tieft sich immer mehr ein“, sagt Gunther Wölfle. Von 1999 bis 2018 waren es am Flusskilometer 13,4 zwischen 2,5 und 2,9 Meter. Das habe Einfluss auf den Grundwasserspiegel, die Auwälder. Deshalb muss Kies aufgeschüttet werden.

Projekt Insgesamt umfasst das Programm „Agile Iller“ 59 einzelne Maßnahmen auf einer Strecke von rund 57 Kilometern.

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