Stadtleben So feiern die Leipheimer ihr Kinderfest

Mit Fahnen und Blumenkränzen ziehen die Kinder zum Festplatz.
Mit Fahnen und Blumenkränzen ziehen die Kinder zum Festplatz. © Foto: Lisa Maria Sporrer
Leipheim / Lisa Maria Sporrer 11.07.2018

Mit Blumenbögen und Kränzen waren die Kinder geschmückt, die von der Kirche in einem großen Umzug zur Festwiese zogen. Die Blaskapelle spielte dazu und größere Kinder schwenkten Fahnen. Der Kinderzug ist der Höhepunkt des dreitägigen Kinderfests in Leipheim. Und etliche Zuschauer, die den Schulkindern vom Straßenrand aus zuwinkten, sind in ihren Kindertagen den gleichen Weg gegangen.

So wie Margareta Roth. „Für die Grundschüler ist es etwas ganz besonderes.“ Und nicht nur das: Für die Stadt sei es eine Tradition, die ihresgleichen in der Region sucht. „Vieles hat sich im Vergleich zu früher verändert“, sagte Margareta Roth, die mit ihrer erwachsenen Tochter dem Umzug zuschaute. „Früher dauerte das Fest nur zwei Tage. Viel ist aber auch gleich geblieben. Das Kinderfest gehört halt zu Leipheim dazu.“

Seit mittlerweile 201 Jahren stellt das Kinderfest den jährlichen Höhepunkt des städtischen Lebens in Leipheim dar. Es ist ein Freudenfest für die Kinder, die das Fest mit traditionellen Sprüchen und Tänzen gestalten. Bereits am Freitag wurde das Kinderfest mit der Abendserenade im Schlosshof eröffnet.

Die Stadtkapelle, die Chorgemeinschaft und der Posaunenchor stimmten das Wochenende an, das erst am Montagabend seinen Abschluss fand. Vieles im Programm des heutigen Kinderfests war schon seit Beginn an im Ablauf fest verankert, etwa die Tänze der Schüler. Heute ist das Fest eine große Gaudi, mit dem größten Biergarten Schwabens, Musikkapellen, Bands und einem Rummelplatz.

Heimatfest das Menschen zusammenbringt

„Es ist einfach eine tolle Stimmung hier“, sagte Simone Schalamon, die mit ihrem Mann mit dem Fahrrad aus Kötz nach Leipheim gefahren war. „Es ist etwas ganz besonderes, dass ein so altes Brauchtum hier noch aufrechterhalten wird.“ Das findet auch Sibylle Reutter, die mit den Leipheimer Schützen an dem Umzug zur Festwiese mitlief. Seit 37 Jahren lebe sie in Leipheim und das Kinderfest sei ihr ins Blut übergegangen. „Das ist wie ein Virus, der alle infiziert“, sagte sie. „Es ist ein Heimatfest, das Menschen zusammenbringt, Jung und Alt und aller Nationalitäten“, sagte Reutter. Und auch alte Bekannte bringt es zusammen, wie Jürgen Herberl erzählte, der in Leipheim aufgewachsen ist. „Wir treffen uns jedes Jahr hier zu einer Art Klassentreffen.“

Schule, Kirchen und Stadt haben sich über Monate auf die Feierlichkeiten vorbereitet. „Ich war bin ganz schön aufgeregt“, sagte die achtjährige Annabell. „Über Wochen haben wir die Tänze einstudiert“, erzählte Stefanie Schmid, Rektorin der Grund- und Mittelschule. 438 Kinder waren beteiligt, mehr als 40 Lehrkräfte. „Die Kinder stehen bei uns im Mittelpunkt. Das ist ein Fest für Auge, Herz und Ohr.“

Die überstandene Hungersnot wird gefeiert

Fest Früher hieß das Leipheimer Kinderfest „Schulertanz“, denn die Tänze der Schüler standen im Mittelpunkt. Noch heute ist die Aufführung des „Schnitter-Reigens“, der den Klassenstufen 7 und 8 vorbehalten ist, der Höhepunkt des Fests. Der Schreit-Tanz, den die Schulkinder in historischen, schwäbischen Trachten aufführen, wurde von der Vereinigung historischer Volksfeste in Baden-Württemberg und Bayern offiziell anerkannt. „Das Kinderfest ist ein jährlich wiederkehrendes Bekenntnis zu unserer städtischen Geschichte“, betonte Bürgermeister Christian Konrad.

Historie Vor mehr als 200 Jahren hatte ein Vulkanausbruch im  weit entfernten Indonesien eine der schlimmsten Hungersnöte in Europa verursacht. Nach dem entbehrungsreichen „Jahr ohne Sommer“ rannten die Kinder 1817 jubelnd den ersten Erntewagen entgegen – damit war das Kinderfest in Leipheim geboren. „Wir haben Glück, in einem Land zu leben, in dem es täglich Essen und Trinken gibt“, sagte Konrad. „Dafür sollten wir dankbar sein, und das sollten wir uns jedes Jahr aufs neue bewusst machen.“

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