Infrastruktur Seniorendomizil statt Sportstätte

Von Martin Dambacher 01.10.2018

Wo heute noch Tennisplätze sind, sollen bald Senioren wohnen. Der Stadtrat stimmte in der jüngsten Situng für eine Planung des Geländes als Seniorenanlage und damit  entgegen der ersten Vorstellung, wonach die Fläche an der Ecke Jahnstraße/Adlusstraße nach dem Verkauf durch den TSV Illertissen als hochwertige Bauplätze für Ein- und Zweifamilienhäuser hätten erschlossen werden sollen. Zum Schluss waren alle einig, dass durch diese „Win-Win-Win-Situation“ sowohl der TSV und der Investor als auch die Stadt und Bürger profitieren werden. Für die Sportler der Vöhlinstadt wäre dank des Verkaufserlöses dann auch der Weg frei für die neu geplante, rund 3,56 Millionen teure Zweifach-Turnhalle beim Nautilla. Deren Finanzierung hängt vom Verkauf des Vereinsgeländes ab.

  Weil ein Baugebiet für Wohnhäuser lange nicht so lukrativ ist wie ein Deal mit einem Gesamtinvestor, dauerte die Suche bis dato an – auch die Wünsche der Stadtverwaltung, die Jahnturnhalle möglichst zu erhalten und die Bebauung eher locker zu gestalten, machten die Gespräche mit Interessenten nicht einfacher. Nun scheint mit der Deggendorfer Erl Immobiliengruppe ein passender Partner gefunden zu sein. In Kooperation mit dem Ulmer Seniorenspezialisten Compassio und dem Regensburger Architekten Markus Donhauser scheint er alle Anforderungen abzudecken. „Wir sind schon länger auf der Suche nach einem geeigneten Grundstück in Illertissen, um unser bisheriges Pflegeangebot im Haus Sebastian durch betreutes Wohnen ergänzen zu können“, erklärt Compassio-Geschäftsführer Wolfgang Frühschütz. Durch die zentrumsnahe Lage und die Nähe zu Ärztehaus und Bahnhof sei das Gelände rund um die Jahnhalle geradezu ideal. „Mit barrierefreien Wohnungen, Gemeinschaftsräumen, einem Restaurant und Dienstleistungen wie Friseur, Wellness und Therapie wollen wir an diesem Standort echte Lebensqualität bieten“, sagte Frühschütz. Dazu sollen der ambulante Pflegedienst und eine Tagespflege für 30 Personen dort unterkommen. Die 1923 erbaute, marode Jahnturnhalle wird dabei als „identitätsstiftendes Gebäude für Illertissen mit in die Anlage integriert und kann später Clubraum und Gastronomie beheimaten“, ergänzte Architekt Markus Donhauser. Als Planer sei man immer auf der Suche nach solch prägenden Elementen. Auch die großgewachsenen Eichen entlang der Adlusstraße wolle man erhalten. Ein  Fußweg zwischen den Bäumen und Gebäuden solle später die Verkehrssituation in diesem Bereich verbessern. Ein weiterer Fußweg soll zwischen Jahnstraße und Theodor-Heuss-Straße gebaut werden, wo auch sieben Reihenhäuser und zwei Doppelhäuser geplant sind. „Hier können ganz neue Wohnformen für Senioren entstehen, in dem wir barrierefreie Erdgeschoss-Wohnungen im Hauscharakter mit kleinem Garten anbieten“, freut sich Wolfgang Frühschütz. Diese Planung gefällt auch der Stadt.

Auch hinsichtlich der Parkplätze erfülle man dank Tiefgarage alle Anforderungen, fügt Donhauser hinzu. Dazu sollen hochwertige Grün- und Aufenthaltsflächen im Außenbereich das Gesamtbild abrunden. „Mit dieser Idee wurde die wohl denkbar beste Lösung für das Gelände und alle Beteiligten gefunden“, betonte der CSU-Fraktionsvorsitzende Ewald Ott. Auch die übrigen Parteien sind vom gelungenen Konzept überzeugt – zumal die Zahl der Bürger über 65 Jahren in Illertissen bis 2034 um 1500 auf dann rund 4500 steigen wird. Aus diesem Grund seien Bedenken hinsichtlich eines Überangebotes an Seniorenwohnungen in Illertissen auch unbegründet.

Wettbewerb zum Bürgerwohl

Maximal in der Anfangszeit sei mehr Kapazität als Bedarf vorhanden sei, konterte Wolfgang Frühschütz eine Frage aus dem Gremium bezüglich der entstehenden Konkurrenzsituation mit Illersenio.  In dieser Zeit könne Compassio die Wohnungen auch mit Pflegebedürftigen belegen. Auch Bürgermeister Jürgen Eisen sieht dem Wettbewerb gelassen entgegen. Er sei zum Wohl der Bürger froh, in naher Zukunft zwei Anbieter im Ort zu haben.

Der Seniorenspezialist

Ulmer Unternehmen Compassio wurde 2005 vom Schwendier Unternehmen Weishaupt gegründet und Anfang Februar 2018 an die Schönes Leben Gruppe, eine Tochter des unabhängigen Beteiligungsunternehmens Waterland, verkauft. Aktuell betreibt Compassio 28 Seniorendomizile mit 3021 Plätzen im süddeutschen Raum, darunter das Haus Sebastian in Illertissen und die noch im Bau befindliche Seniorenresidenz in Altenstadt. Neben der stationären und mobilen Pflege und Betreuung von Senioren werden teils Angebote des betreuten Wohnens vorgehalten . Es gibt Kooperationen mit Vereinen.

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