Ehrenamt Seniorenbeirat Günzburg als Blaupause für Elchingen?

Elchingen / Oliver Heider 07.10.2017

Wir freuen uns über zahlreiche Interessenten.“ Mit diesen Worten hatte Karin Danzer, die Integrationsbeauftragte in Elchingen, im Gemeindeblatt Bürger eingeladen, am Donnerstagabend zur Info-Veranstaltung über „ehrenamtliche Seniorenvertreter“ zu kommen. Doch Danzers Vorfreude schlug in Ernüchterung um: Kein einziger Besucher hat den Weg ins Konstantin-Vidal-Haus gefunden.

Dabei hatten alle Beteiligten in den Startlöchern gestanden: Bürgermeister Joachim Eisenkolb hatte eine Rede vorbereitet, Anett Georgi, die Seniorenbeauftragte der Verwaltung, war bereit, Eule-Gemeinderätin Danzer für Fragen gewappnet. Alle waren gespannt, was Referent Gerhard Skrebbas, stellvertretender Vorsitzender des Seniorenbeirats Günzburg, zu berichten hat.

Was Skrebbas dann nur der SÜDWEST PRESSE und den drei anderen Anwesenden vorstellte, war interessant: Seit 2010 gibt es die Seniorenvertretung in Günzburg. Das elfköpfige Gremium wurde 2016 bereits zum dritten Mal „relativ demokratisch gewählt“: Von fast 5500 Günzburgern, die über 60 Jahre alt sind, hatten mehr als 400 voriges Jahr abgestimmt.  „Wir sehen uns als Ansprechpartner für einzelne Bürger“, sagte Skrebbas. Die meisten Anregungen betreffen den Verkehr: Tempo-Limit, Übergänge, Barrierefreiheit und mehr. „Wir sind gut vernetzt und werden auf der Straße angesprochen“, sagte Skrebbas. Weil die Menschen wüssten, dass „der Beirat einiges bewirkt hat“. Zwar verfüge das Senioren-Gremium selbst nur über einen Etat von 3000 Euro pro Jahr. Jedoch nehme die Stadtverwaltung die Anregungen ernst. „Der Seniorenbeirat hat sich im Rathaus etabliert.“ Nicht zuletzt, „weil wir uns keine Hirngespinste überlegen, die man nicht machen kann“. Ein direkter Draht zu den Sachbearbeitern sei wichtig. Und die Fraktionen bekämen alle Protokolle, um zu prüfen, ob die Verwaltung die Anträge abarbeitet.

Der Beirat ist an vielen Fronten aktiv: Im Gespräch mit Pflegeheimen zum Beispiel erreichte er vor Jahren Kurzzeit-Pflegebetten. Mit der Kreisabfallwirtschaft werde diskutiert, ob man Container für gehbehinderte Leute besser platzieren kann. Mit dem Familienstützpunkt werde überlegt, wie man alte Alleinstehende besser einbinden kann. Die Kriminalpolizei kläre über den „Oma-Trick“ an der Haustür auf. Auch bei der Einrichtung einer Nachbarschaftshilfe half der Beirat. Nur ein Senioren-Fahrtraining, sagte Skrebbas, komme in Günzburg, anders als in Nersingen, nicht an – während monatliche Radtouren im Sommer beliebt seien.

„Man muss also das Rad nicht neu erfinden“, schlussfolgerte Bürgermeister Eisenkolb. Einige Ideen, wie eine Nachbarschaftshilfe, seien auch in Elchingen umgesetzt worden. „Aber sie werden wenig in Anspruch genommen.“ Zwar gebe es ein vielfältiges „Bespaßungsprogramm für Senioren durch Vereine und Kirchen“. Sein Wunsch sei es aber, sagte Eisenkolb, dass eine ehrenamtliche Seniorenvertretung „die wirklichen Probleme herausfindet und bündelt“. Als Bindeglied zwischen Gemeinderat, Ausschüssen, Verwaltung und älteren Bürgern.

„Ein bisschen enttäuscht“

Dass von diesen kein einziger ins Vidal-Haus kam, hat den Bürgermeister „ein bisschen enttäuscht“. Eisenkolb: „Die Leute sagen offenbar: Das brauchen wir nicht.“ Frustriert zeigte sich auch die Integrationsbeauftragte der Gemeinde – vor dem Hintergrund, dass es ja immer wieder Beschwerden von Senioren gebe. „Die Elchinger wollen nicht zusammenarbeiten“, versuchte sich Danzer an einer Erklärung. Manche Referenten erzählten bei drei verschiedenen Veranstaltungen das Gleiche. „Und dann kommt noch das Ortsteildenken dazu.“

Aufgeben wollen die Drei aber nicht: Anett Georgi möchte das Thema kommenden Dienstag beim Senioren-Kino ansprechen. Schließlich soll „unser Senioren-Atlas, der fast fertig in der Schublade liegt“, neben wichtigen Adressen auch die Seniorenvertreter enthalten. Über Skrebbas’ Hinweis, alle Leute ab 60 Jahren persönlich anzuschreiben, will die Verwaltung ebenfalls nachdenken. Vielleicht sitzen die Beteiligten bei der nächsten Veranstaltung dann nicht alleine da.

Keine Seniorenbeiräte im Landkreis Neu-Ulm

Dachverband Der Seniorenbeirat Günzburg ist Mitglied im Dachverband „LandesSeniorenVertretung Bayern“ (LSVB). Im Landkreis Neu-Ulm existiert in keiner Kommune ein Gremium aus „ehrenamtlichen Seniorenvertretern“ – anders als in Ulm und Heidenheim. „Württemberg ist da wesentlich besser entwickelt“, sagt Gerhard Skrebbas. Auch der Raum Augsburg ist stark vertreten.