Senden Sendener Musiker kritisierten prämierte Bühne im Stadtpark

Schön, aber offenbar schlecht nutzbar: die Parkbühne in Senden.
Schön, aber offenbar schlecht nutzbar: die Parkbühne in Senden. © Foto: Patrick Fauß
Senden / NIKO DIRNER 24.07.2015
Kein Tag alt war die Nachricht, dass die Parkbühne Senden einen Architekturpreis erhält, da hagelte es Kritik. Musiker sagen: Die Akustik ist miserabel.

"Wenn wir Glück hatten, war das Wetter schlecht, und wir durften im Stadthaus spielen." Das sagt augenzwinkernd der Dirigent einer der vielen Musikgruppen, die es in der Stadt Senden gibt. Bei der jährlichen Serenadenreihe ist es so, dass die Konzerte bei Regen im Bürgerhaus stattfinden und bei gutem Wetter auf der Parkbühne. Auf jener Parkbühne aus grünem Beton in Blätteroptik, die jetzt, wie berichtet, vom Bund der schwäbischen Architekten prämiert worden ist. Sie sehe ohne Frage sehr schön aus, sagen Musiker der SÜDWEST PRESSE. Aber die Akustik sei miserabel.

Daniel Knecht etwa, Trompeter und einer der Initiatoren des Projekts "Sinfonisches Blasorchester", sagt sogar: "Aus Sicht eines Musikers ist die Parkbühne eine absolute Katastrophe!" Wenn man dort spiele, klinge es wie in einer Lagerhalle. "Wir haben so ein tolles Bürgerhaus zum Musizieren, aber draußen nur dieses Ding. Ist schönes Wetter und die Konzerte kommen raus, bin ich immer etwas traurig."

Auch der schon zitierte Kapellmeister, der nicht namentlich genannt werden will, sagt: "Egal, ob zum Singen oder zum Spielen: Die Bühne ist nichts." Er vermutet, das liegt daran, dass die einem Rahmen ähnelnde Bühne komplett aus Beton gefertigt ist. "Ich will aber auch nicht sagen: ,Das ist kompletter Mist.' Doch für das Geld, das die Bühne gekostet hat, hätte ich mir schon was anderes vorgestellt."

Dazu komme die Lage abseits der Parkplätze und weit weg vom Eingang des Stadtparks. Als Musiker dürfe man zwar mit dem Auto reinfahren und sein Instrument ausladen, müsse dann aber rausfahren und zurücklaufen. Und nach dem Konzert das gleiche nochmal. Zudem besuchten vor allem ältere Sendener die Serenadenkonzerte, und die seien oft nicht mehr gut zu Fuß. Auch Knecht sagt, die Bühne liege "so weit abseits, dass es für Senioren eine absolute Zumutung ist".

Dafür freilich können die Planer vom Büro Braunger & Wörtz nichts. Denn die 2013 fertiggestellte Bühne musste gebaut werden, wo sie jetzt steht, weil sich dort der Kern der Altlasten befand. Diese hatte die Stadt entfernen lassen und dafür Zuschüsse erhalten unter der Auflage, eine städtebauliche Nutzung zu verwirklichen - heraus kam die Parkbühne für rund 1,9 Millionen Euro.

Die Jury des Thomaswechspreises 2015 bezeichnet die Parkbühne Senden als "Forum der Künste". Sie zeige, wie gut Architektur im Einklang mit der Natur gelingen kann.