Senden Sendener Kinderzentrum: Zwangsurlaub für Leiter Mühleck

Senden / NIKO DIRNER 06.08.2013
Seit 16 Jahren leitet Winfried Mühleck St. Christophorus in Senden, das Betreuungszentrum mit Krippe, Hort und Kindergarten. Derzeit befindet er sich im Zwangsurlaub. Was ihm vorgeworfen wird? Unklar.

Seit vergangenem Freitag ist Ruhe im Kinderzentrum St. Christophorus in Senden: Die dreiwöchigen Sommerferien haben begonnen. Doch der Friede trügt. Vor rund zwei Wochen hat sich im Gebäudekomplex an der Heinrich-Heine-Straße eine unschöne Szene abgespielt: Der Leiter der kirchlichen Einrichtung, Winfried Mühleck, wurde von Pfarrer Stephan Spiegel zwangsbeurlaubt. Freigestellt, wie es im Jargon des heutigen Arbeitsrechtes heißt. Freigestellt bei vollen Bezügen und unbefristet. Über die Gründe schweigen sich die Verantwortlichen der Kirchenstiftung St. Josef aus. Pfarrer Spiegel ist im Urlaub. Seine rechte Hand, Peter Kaiser, betont, es handele sich um eine interne Personalangelegenheit: Kein Kommentar. Nicht einmal der Elternbeirat und erst recht keine Mutter und kein Vater wurden offiziell darüber informiert, dass und warum Mühleck weg musste.

Ein Insider berichtet, offenbar meine Spiegel jetzt einen Grund gefunden zu haben, den ungeliebten Sozialpädagogen loszuwerden. Sein erster Versuch vor gut fünf Jahren sei schiefgegangen: Mühleck habe damals vor dem Arbeitsgericht erfolgreich gegen seine Entlassung und gegen die Beschneidung seiner Kompetenzen geklagt. Die Eltern hätten sich in einer Unterschriftenaktion für ihn eingesetzt. Das Verhältnis zwischen dem als dominant beschriebenen Pfarrer und dem konsensorientierten Mühleck sei seither natürlich mies gewesen.

Spiegel habe ein Leitungsgremium aus mehreren Erzieherinnen eingesetzt, Mühleck sei fortan "ein zahnloser Tiger" gewesen. Nicht selten habe der Pfarrer seine Entscheidungen wieder kassiert. "Mühleck ist halt nicht so die Führungskraft", sagt einer, der ihn gut kennt. Andere beschreiben ihn als sympathischen, stets akkuraten und gradlinigen Bilderbuch-Pädagogen, dem das Wohl von Kindern und Personal über alles gehe. "Die Kinder und die Eltern mögen ihn." Aber es sei natürlich als Mann schwer, ein derart großes Haus mit 40 Mitarbeitern - darunter vor allem Frauen - so zu leiten, dass man nirgends aneckt.

Konkret wird niemand: "Es sind schon Dinge da", heißt es nur. Vor einiger Zeit sei mal sein Computer beschlagnahmt worden, der Vorwurf: Unregelmäßigkeiten bei Buchungszeiten. Doch das habe sich nicht beweisen lassen. Fest steht, dass die Personalie nicht zusammenhängt mit den Ermittlungen im Kinderzentrum. Die Polizei geht dem Vorwurf nach, Erzieherinnen hätten ihre Aufsichtspflicht verletzt. Kinder waren mit Blessuren heimgekommen. Bislang ist offen, ob die Staatsanwaltschaft überhaupt Anklage erhebt.

Insider vermuten, dass die Kirchenstiftung Mühleck strategisch geschickt kurz vor Ferienbeginn freigestellt hat, um Ende August mit einer neuen Leitung ins neue Kindergartenjahr starten zu können. Das Namensschild an seiner Bürotüre sei bereits abmontiert. Doch der Pädagoge werde wie schon vor fünf Jahren nicht einfach so das Feld räumen. Manche meinen, dass er erneut sogar eine Abfindung ausschlagen würde. "Nach 16 Jahren als Hausleiter ist er ist emotional derart mit dem Kinderzentrum verbunden, dass er sicher bleiben will." Wenn der Fall also vor Gericht gehen sollte, drohe eine Schlammschlacht, wird befürchtet. Mühleck selbst war nicht zu sprechen.

Die kommissarische Vertretung für den Kinderzentrums-Leiter hat Marion Lieglein übernommen. Sie führt den zweiten Kindergarten der Kirchenstiftung in Senden: St. Josef am Neuen Marktplatz im Bürgerhaus. Beide Aufgaben könnte die Heilpädagogin aber sicherlich nicht auf Dauer ausfüllen, heißt es. Lieglein gab keinen Kommentar ab.

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