Bildung Senden macht die Kindergärten voll

Senden / Niko Dirner 11.05.2018

Die Zeit der Wunschkonzerte ist vorbei: Es war CSU-Stadtrat Primus Schmid, der in der Sitzung des Sendener Schulausschusses diesen treffenden Satz formulierte. Treffend jedenfalls für die Mehrheit seiner Kollegen, die sich einig waren, künftig bei der Belegung der Kindergartengruppen an die gesetzlich erlaubte Obergrenze zu gehen. Nur Bürgermeister Raphael Bögge und Grünen-Stadtrat Helmut Meisel waren dagegen, die Gruppen statt wie bisher mit 23 mit den zulässigen 25 Kindern zu füllen. Mit diesem Schritt soll der Bedarf an zusätzlichen Kindertagesstätten etwas reduziert werden.

Die Verwaltung hatte nämlich – Neugebiete und gestiegene Geburtenrate einbeziehend – berechnet, dass bis 2022/2023 mindesten sieben Kindergartengruppen und vier Krippengruppen fehlen werden. Trotz des schon beschlossenen Neubaus der Groß-Kita auf dem Weberei-Gelände mit fünf Kindergarten- und vier Krippengruppen. Das aber würde weitere Millionen-Investments bedeuten. Dabei ist jetzt schon absehbar, dass die Kommune in den kommenden Jahren nur mit weiteren Krediten alles wird stemmen können. Ab 2021 könnte diese Entwicklung sogar dazu führen, dass die Kredittilgung nicht mehr bedient werden kann.

Deshalb kam unter anderem von Rainer Strobl, CSU, die Forderung, von maximal 23 auf 25 Kinder in den Gruppen zu gehen. So werde es beispielsweise auch in Vöhringen oder Neu-Ulm gemacht. „Wir dürfen die Augen nicht verschließen, vor dem, was möglich ist“, ergänzte Hans-Manfred Allgaier, FWG.

Walter Gentner von der Stadtverwaltung widersprach vehement: „Bei 25 Kindern streikt irgendwann das Personal.“ Wenn zu diesen Konditionen überhaupt Mitarbeiter gewonnen werden können. Je nach Belegung und Buchungszeiten würden bis zu drei Fachkräfte in den Gruppen erforderlich sein. „25 Kinder plus 3 Betreuungspersonen werden außerdem verschiedene Räume an ihre Kapazitätsgrenze bringen“, sagte der Geschäftsbereichsleiter. Derart „vollgestopfte Gruppen“ seien technisch machbar, praktisch aber nicht.

Bürgermeister Bögge warnte ebenfalls vor diesem Schritt, die Kinder hätten sonst womöglich in der Grundschule Probleme. Hier zu sparen, sei der falsche Ansatz. Grünen-Stadtrat Helmut Meisel, der selbst Grundschullehrer ist, ergänzte: Mit 25 Kindern könne nicht mehr gearbeitet werden, die Qualität der vorschulischen Bildung sinke. Er plädiere dafür, lieber die 50 000 Euro aus dem Haushalt zu kegeln, die für die Planung der Osttangente eingestellt sind. „Obwohl wir wissen, dass wir uns diese Straße niemals werden leisten können.“

Obwohl die Mehrheit diese Bedenken letztlich verwarf, wurde auch deutlich: Um den Bau eines weiteren Kindergartens werde die Stadt trotzdem nicht herumkommen. Offen ist freilich, bis wann dieser gebraucht wird. Weil ja unklar ist, bis wann etwa in der „Unteren Au“ oder im Gebiet „Am Stadtpark“ gebaut wird und wer dort und in die neuen Blocks an der Haydnstraße einzieht. Der Bedarf könnte sich sogar noch weiter erhöhen, wenn sich etwa Eltern von Kindern mit einer Behinderung entscheiden, diese nicht in die Einrichtung der Lebenshilfe, sondern in einem Regelkindergarten anzumelden. Ein so genanntes I-Kind bindet rechnerisch 4,5 Betreuungsplätze.

Stadt zitiert Kita-Leiterin

Am Tag nach der Sitzung lieferte die Stadtverwaltung das Statement von Henriette Werner nach, sie leitet den Kindergarten in Ay. „Um allen Kindern gerecht werden zu können, benötigen wir entsprechende Rahmenbedingungen – und die sind bei einer Gruppengröße von 25 Kindern nicht mehr gegeben“, wird Werner zitiert. Der Förderbedarf steige an. „Unsere Bildungseinrichtungen dürfen sich nicht zu einer Aufbewahrungsanstalt mit Massenkinderhaltung entwickeln.“

Zulauf auch für die Grundschulen

Bedarf Mehr Kinder in den Kindergärten bedeutet dann mit einem gewissen Zeitversatz natürlich auch, dass in den Schulen mehr Grundschüler aufschlagen. Laut der neuesten Prognose würden in Wullenstetten langfristig, also bis 2027/2028, bis zu drei Klassenräume mehr benötigt, in Ay bis zu zwei Zimmer und in Senden/Aufheim bis zu zwei Zimmer.

Suche Die Zahlen sind aber noch nicht belastbar, betonte Walter Gentner von der Verwaltung mit Blick auf die bislang erst geplanten Neubaugebiete. In den kommenden sechs Jahren jedenfalls seien keine Baumaßnahmen notwendig. Denn zunächst würden bei zusätzlichem Bedarf die Schulgebäude auf ungenutzte Kapazitäten abgeklopft.

Vorschlag Von der SPD-Fraktion kam der Vorstoß, die Schulsprengel aufzuheben, um in der Verteilung der Kinder flexibler zu sein. Bürgermeister Raphael Bögge erinnerte daran, dass der Stadtrat im November 2016 die Gründung eines Grundschulverbunds abgelehnt habe.

Ausblick CSU-Fraktionschef Walter Wörtz betonte, dass aus seiner Sicht vor einem Neubau von Schulgebäuden erst Containerlösungen geprüft werden müssen – orientiert an der Leistungsfähigkeit des städtischen Haushalts.