Die klare Verkehrsführung, das viele Grüne in Richtung Innenstadt sowie die wartungsarme, barrierefreie Anlage mit nur einem Aufzug - vor allem wegen dieser Gründe hat gestern das Preisgericht zur Gestaltung des Sendener Bahnhofsareals den Entwurf des Büros Annabau (Berlin) auf Platz 1 gewählt. Das berichtete am Nachmittag Bürgermeister Raphael Bögge. Die Architekten hatten insbesondere die Aufgabe, einen Fußgänger- und Radler-Tunnel zu ersinnen, der die Bahnhofstraße mit dem Stadtpark verbindet und den geplanten Mittelbahnsteig erschließt. Die Planer von Annabau siegten mit einer 2,85 Meter hohen und 9 Meter breiten Unterführung, die an den Eingängen aufgeweitet ist. Zudem: 100 überdachte Rad-Abstellplätze, 32 P&R-Plätze. Der Clou: Die Tunnelwände werden mit gewelltem Lochblech aus eloxiertem Alu verkleidet. "Das sieht goldfarben aus", sagte Bögge. Es sei "eine helle und breite Unterführung ohne Angsträume".

Der Tunnel beginnt nördlich des Bahnhofs und führt schräg unter den Gleisen hindurch. Der Güterschuppen und das Wohnhaus beim Bahnhof müssten abgerissen werden. Der Schuppen gehört der Stadt, laut Bögge wurde dem Besitzer des Hauses ein Angebot gemacht. Dieser soll ein Grundstück im Tausch erhalten. Der Busbahnhof könnte bleiben. Der Bahnsteig wird über den besagten Lift angeschlossen. An den Ein- und Ausgängen gibt es Rampen und Treppen.

Nicht nur die Idee aus Berlin ist weiterhin im Rennen, sondern auch der zweit- und der drittplatzierte Entwurf aus insgesamt sechs Vorschlägen. Platz 2 sehe weniger Grün und den Abriss des Bahnhofs vor, erklärte Bögge, Platz 3 obendrein die Verlegung des Busbahnhofs. Bei keinem der sechs Entwürfe sei der Tunnel in der Nähe des Bahnübergangs in der Hauptstraße angesiedelt worden. Allerdings seien meist mehr Aufzüge, in einer Einsendung bis zu fünf Stück, vorgesehen - was natürlich zu einer Verteuerung führe.

Die Kosten seien indes nicht das ausschlaggebende Kriterium gewesen, betonte Bögge. Zahlen wolle er aber erst nennen, wenn die Angaben von der Verwaltung überprüft worden sind. Als Termin nannte er den 8. September, wenn im Bürgerhaus ein Infoabend stattfindet. Bögge: "Wir waren uns im Preisgericht alle einig, dass wir nicht auf den letzten Euro schauen sollten, sondern eine städtebaulich gute Lösung suchen sollten." Dem 13-köpfigen Preisgericht gehören neben Bürgermeister und Stadträten unter anderem der Kreisbaumeister und weitere Fachleute an. Den Vorsitz hat der Architekt und Stadtplaner Professor Franz Pesch aus Stuttgart. Auch die Bahn ist eingebunden. Ein Vertreter des Konzerns habe nicht gegen den Entwurf gesprochen.

Die Stadt werde sich nun mit der DB Station&Service absprechen, um das Planfeststellungsverfahren für den Tunnel vorzubereiten, sagte Bögge. Am 28. Juli sollen die Wettbewerbsergebnisse im Stadtrat diskutiert werden, am 15. September soll er entscheiden. Wenn es triftige Gründe gibt, kann der Rat sich für den Zweit- oder Drittplatzierten entscheiden. Die Entwürfe zu mischen, gehe nicht. Das Planfeststellungsverfahren soll 2016 gestartet werden. Der Tunnel soll zum Fahrplanwechsel Ende 2018 fertig sein.

Info Wer will, kann sich selbst einen Eindruck verschaffen: Alle Entwürfe sind im Bürgerhaus ausgestellt.