Blumenhandel Seit 79 Jahren im Blumengeschäft

Vöhringen / Sandra Kolb 04.05.2018

Hinter der Ladentheke ihres Blumenfachgeschäfts steht Stefanie Schwarz und bindet mit routinierten Bewegungen aus weißen Rosen einen Strauß. Der 18 Jahre alte Kater Charly schleicht durch die Gänge in den Nebenraum, vorbei an den Tulpen, Rosen und Orchideen. Überall duftet es süßlich, nach Frühling. „Es ist ein harter, aber ein schöner Beruf“, sagt Stefanie Schwarz. Im Blumenhandel sind die Zeiten alles andere als rosig, wie die Floristin bestätigt: „Wir kämpfen mit allem, was wir haben.“

Dabei blickt das Unternehmen in Vöhringen auf eine 79 Jahre alte Geschichte zurück. 1939 gründete der Gärtner Anton Schwarz senior mit seiner Frau Theresia den Laden. Sie verkauften selbst angebautes Gemüse und boten Gartenpflege an. Mitte der 50er kamen Schnittblumen in Mode, wenig später wurden Blumensträuße statt Gemüse verkauft. Vor 42 Jahren übernahm Sohn Anton junior das Unternehmen – und bis heute ist der Florist-Meister Geschäftsführer. Sein Betrieb hat neun Mitarbeiter, unter anderem Ehefrau Ursula und Tochter Stefanie, beide Floristinnen. Auf dem mehr als 2000 Quadratmeter großen Gelände steht das Wohnhaus der Familie mit Verkaufsraum im Erdgeschoss, drei Gewächshäuser, ein Schuppen. Dazwischen: unzählige Pflanzen, Töpfe, Erde.

„Der Anspruch an uns ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen“, sagt Stefanie Schwarz. Sie sitzt inmitten von Topfpflanzen an einem Tisch. Die Konkurrenz ist groß: Blumen gibt es mittlerweile als Massenware im Discounter, wo sie in Eimern vor den Kassen stehen. Auch an Tankstellen und in Baumärkten werden Pflanzen billiger verkauft als im Blumenfachhandel. Die Folge: „Es wird von uns ein viel größeres Warensortiment erwartet, es muss immer alles in Massen vorhanden sein“, sagt die Floristin. Kunden verlangten auch im Winter fünf verschiedene Sorten Rosen – eine reiche nicht mehr aus.

Um auf dem Markt zu bestehen, wirbt die Familie Schwarz mit Pflanzen aus regionalem und fair gehandeltem Anbau. Sie bezieht saisonale Pflanzen aus Gärtnereien in Laupheim, aus Bachhagel bei Heidenheim und in Altenstadt. Außerdem pflanzt Familie Schwarz selbst an: In den drei Gewächshäusern wachsen Geranien, Zauberschnee, Stiefmütterchen. Die Tulpen wachsen im Hinterzimmer heran. Schnittblumen wie Rosen müssen sie in den Wintermonaten aus dem Ausland beziehen.

Einer ihrer Händler kauft in den Niederlanden ein: Blumen, die auf den Farmen niederländischen Produzenten in Ecuador angepflanzt wurden. „Sie halten dort strenge Spritzmittelgesetze ein, zahlen einen fairen Lohn und die Blumen entsprechen unseren Qualitätsstandards“, sagt Stefanie Schwarz. Ein Fair-Trade-Siegel haben diese Blumen jedoch nicht. „Wir legen mehr Wert auf eine vertrauensvolle Basis mit den Händlern als auf ein Siegel.“ Topfpflanzen beziehen sie von einem Gartenbaufachhandel aus der Region Nürnberg.

Azubis brauchen Begeisterung

Ein weiteres Problem ist der fehlende Nachwuchs. Der Beruf des Floristen sei nicht mehr attraktiv für junge Leute, der Familienbetrieb Schwarz hat zur Zeit keinen Auszubildenden. „Es braucht viel Begeisterung für den Beruf. Die Bezahlung ist nicht so prickelnd, man muss samstags arbeiten, vor Feiertagen ist man die letzte Person, die heimgeht“, sagt Stefanie Schwarz. Floristen müssten sowohl das Handwerk beherrschen als auch kreativ und fit im Verkauf sein. Diese „Allrounder“ seien schwer zu finden. Stefanie Schwarz zuckt mit den Schultern, wirkt etwas betrübt: „Wir schreiben immer wieder aus, aber es ist ein Grundproblem. Eine Ausbildung ist einfach nicht mehr angesehen.“

Während der Nachwuchs fehlt, stellen Kunden höhere Ansprüche. Ursula Schwarz, die seit über 40 Jahren als Floristin arbeitet, hat beobachtet: „Es muss bei vielen Kunden immer alles sofort gehen, keiner will mehr warten.“ Trotz allem: Mutter und Tochter machen ihren Job gerne. „Der Kontakt mit den Menschen macht mir Spaß“, sagt Stefanie Schwarz.

Zahl der Auszubildenden stark gesunken

Rückgang Nach Angaben des Floristenverbandes Bayern gab es 2005 deutschlandweit rund 15 000 Blumenfachgeschäfte, heute sind es 30 Prozent weniger. Auch gibt es weniger Azubis: 1999 lag die Zahl bei 9000 in Deutschland, heute sind es nur noch rund 3000, davon etwa 500 in Bayern.

Blumen Die Deutschen lieben Rosen. Nach Angaben des Floristenverbands Bayern machen sie einen Marktanteil von 42 Prozent aus. Bei den Zimmerpflanzen sind die Orchideen mit 40 Prozent Marktanteil Spitzenreiter.

Muttertag Der 13. Mai ist einer der Lieblingstage der Floristen, die Verkäufe schießen in die Höhe. Der Branchenverband rechnet mit einem Umsatz um die 120 Millionen Euro.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel