Gartenlust Illertissen Sehnsucht nach dem Paradies gestillt

Illertissen / Josephine Schuster 09.09.2018
Deko, Öko und Alternativen zum Zaun aus Steinen: Gartenlust und „Kraut- und Rübenmarkt“ informierten in Illertissen über Trends und Pflanzen.

Wenn die freiwillige Feuerwehr Illertissen die Wege zur Jungviehweide sichert und auf den Wiesen rundherum hunderte Autos und Fahrräder parken, dann weiß jeder in Illertissen: Die Gartenlust ist in vollem Gang.

Rund um die Staudengärtnerei Gaißmayer und das Museum der Gartenkultur platzt das Gelände in diesem Jahr aus allen Nähten. Neben den 130 Ausstellern haben rund 10.000 Menschen an diesem Wochenende die knapp zwei Hektar große Aktionsfläche besucht, um sich über gefühlt alles, was das Gärtner- und Dekorationsherz begehrt, zu informieren und kräftig einzukaufen. Erfahrene Wiederholungstäter bringen gleich geeignete Wagen mit, um die Blütenpracht heil nach Hause zu bekommen.

Schon auf dem Weg zum Eingang wird man beim kleinen Flohmarkt von altem, aber schickem Gebrauchten überrascht. Auch die bayerische Forstverwaltung ist wie immer mit dabei: Wer sich beim Pfundsägen und Baumklettern ausprobiert hat, bekommt Holunderschorle und kann sich gleich noch den Baum- und Kunstpfad anschauen, der über 40 Baumarten bereithält.

Motto: „Rückkehr ins Paradies“

„Wir haben hier zum Beispiel den Tulpen- und den Blauglockenbaum aus Amerika angepflanzt, um zu sehen, ob die Arten hier gut gedeihen. Gerade im Zuge der Klimaerwärmung müssen wir auch neue Sorten prüfen“, erklärt Peter Schaffner vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Krumbach. Und es sieht gut aus: Nach einem Jahr ist der Blauglockenbaum trotz der Trockenheit schon größer als ein gestandener Mann.

Zehn Euro und einen frisch geernteten Apfel später ist man im Paradies. Denn: „Rückkehr ins Paradies“ lautet das Motto der diesjährigen 21. Gartenlust. „Jeder sucht doch immer irgendwie sein eigenes Paradies im Leben. Und im eigenen Garten kann man sich das sozusagen selbst gestalten. Ich freue mich, dass das Wetter so toll mitspielt. Letztes Jahr waren es nur halb so viele Besucher und wir hatten den Eintrittspreis erhöht. Die Kosten wurden einfach zu hoch mit der Zeit“, erklärt Organisator Wolfgang Hundbiss.

Zusammen mit seinem Mitstreiter Dieter Gaißmayer von der Gärtnerei nebenan hatte er vor 21 Jahren die Idee zu einer Gartenausstellung, die zunächst nur eine kleine Straße in Anspruch nahm. Mittlerweile gebe es Wartelisten für die Aussteller und rund 50 Helfer sorgten für einen reibungslosen Ablauf. Schicke Damen und Herren  im Pagenkostüm fahren die Einkäufe ans Auto.

Ein Glas „Jakob Fischer“

Der Landschaftsarchitekt weiß außerdem, dass Deutschland nicht unbedingt das Gartenland ist. Das seien England und Frankreich. „Die Deutschen geben dennoch viel Geld für ihre Gärten aus. Aber zum Teil am falschen Ende, finde ich. Für die Kosten eines Steinzaunes, der ja quasi nur einen praktischen Zweck erfüllt, könnte man einen richtig schönen Garten gestalten.”

Man hat das Gefühl, die Gäste wollen ihm das Gegenteil beweisen. Bei dem Angebot auch kein Wunder. Es gibt Vorträge, Workshops, Musik, Deko und natürlich Pflanzen ohne Ende. „Es gibt so vieles, was man gebrauchen kann“, stellt eine Besucherin geradezu verzweifelt fest. Darunter vielleicht auch die Keramiken und Vogelhäuser aus Porenbeton des ehemaligen Kirchenmalers Martin Görgner aus dem bayerischen Altomünster, der seit einigen Jahren auf der Gartenlust ausstellt. „Mein teuerstes Objekt hier kostet über 600 Euro. Die Leute sparen da richtig drauf und haben das dann auch für lange Zeit.“

Aber es hilft auch, einfach nur zu gucken. Wenn man Glück hat, bekommt man das ungewöhnliche Gespann des Ziegenhof Bär zu Gesicht, das eigens aus dem hessischen Schotten angereist ist. Oder man gönnt sich ein Glas „Jakob Fischer“. Frisch gemostet vom Dürnachclub Mittelbuch. Die Herren vom Kegelclub des Ochsenhausener Stadtteils bearbeiten heute zur Abwechslung mal Äpfel. Ihre eigene fahrbare Mosterei mit Mahlwerk und Presse sorgt für interessierte Blicke und die Kids wollen „auch mal Saft machen“.

Parallel dazu fand in Illertissen und mit der Gartenlust verbunden Kraut- und Rübenmarkt statt. Auch dort boten an die 30 Kunsthandwerker, Gärtner und Vereine Informationen, Verpflegung und Deko an. Und wer es in diesem Jahr nicht nach Illertissen geschafft hat, der sei getröstet. Obwohl man damals eigentlich nur drei Jahre eingeplant hatte, sagt Wolfgang Hundbiss lächelnd: „Wir machen weiter.“

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Liebe zur Natur

Die nächste Gartenlust in Illertissen ist auch schon von den Organisatoren angedacht: Stattfinden wird diese am 14. und 15. September. Das neue Motto des Jahres 2019 wird dann sein: „Die Liebe zur Natur“ anlässlich des 250. Geburtstages von Alexander von Humboldt. Der Berliner Naturforscher und dortiger Ehrenbürger, der schon als Kind in der Familie „der kleine Apotheker“ genannt wurde, begann bereits mit 20 Jahren, erste Forschungsreisen und Expeditionen mit Medizinern und Botanikern durchzuführen. Sein letztes Werk war der „Kosmos“, eine imaginäre Reise durch das Universum, von dem es vier vollständige und einen unvollendeten Band gibt.

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