Tiefenbach bei Illertissen Segen im Vorbeireiten

Da spritzt das Weihwasser in hohem Bogen: Schwungvoll spendet Pfarrer Martin Gall beim Leonhardiritt den kirchlichen Segen für das Pferdegespann von Ludwig Engelhard aus Bubenhausen. Foto: Patrick Fauß
Da spritzt das Weihwasser in hohem Bogen: Schwungvoll spendet Pfarrer Martin Gall beim Leonhardiritt den kirchlichen Segen für das Pferdegespann von Ludwig Engelhard aus Bubenhausen. Foto: Patrick Fauß
PATRICK FAUSS 12.11.2012
Wegen des schlechten Wetters fiel der Tiefenbacher Leonhardiritt diesmal kleiner aus. Den traditionellen Kirchensegen erhielten Mensch und Tier von Pfarrer Martin Gall im Vorbeireiten vor der Kirche.

Die Pferdesegnung auf der Wiese am Ortsrand fiel dieses Mal ins Wasser. Pferden und Reitern spendete der katholische Pfarrer Martin Gall den traditionellen Leonhardisegen stattdessen, als sie vor der Kirche St. Antonius verbeizogen. Die Wiese am Sportplatz war völlig durchnässt. Insbesondere die schweren Kutschen hätten dort im Schlamm steckenbleiben können. Auch auf das Mitwirken von Musikkapellen musste der Veranstalter, der Vereinsring Tiefenbach, diesmal verzichten. Die Instrumente hätten Schaden nehmen können.

"Ich bin trotzdem froh, dass doch noch so viele gekommen sind", sagte der Vereinsringvorsitzende Gerhard Leopold. Am Vormittag war noch mit Vertretern von mitwirkenden Reitergruppen gesprochen worden, ob die Veranstaltung abgesagt werden soll. Einige Reiter, die von weiter auswärts kamen, hätten sich jedoch schon auf den Weg gemacht, andere zumindest ihre Pferde zurechtgemacht. Der Umzug fiel mit 50 Reitern und vier Kutschen in diesem Jahr kleiner aus. Jene, die gekommen waren, ließen sich die gute Laune jedoch nicht verderben.

Traditionell wurde der Umzug von den Reitern des Tiefenbacher Pferdehofs Mayer angeführt. Die Reiter hatten sich festlich in Schwarz und Weiß gekleidet. Der Obst- und Gartenbauverein des Illertisser Ortsteils steuerte den "Spruchwagen" bei. "Wo der Acker verdorrt und der Pflug zerfällt, dort stirbt der Mensch und zerfällt die Welt", war dort auf einem Schild zu lesen.

Bäuerliche Tradition bildet den Ursprung der Leonhardiumzüge. Für den Illertisser Ortsteil hat der Ritt eine besondere Bedeutung, denn der Schutzheilige der Bauern und des Viehs ist gemeinsam mit St. Antonius Schutzheiliger der Tiefenbacher Katholiken. Bereits 1411 stand im Dorf eine Kirche, die St. Leonhard geweiht war. Der Volksmund hat Leonhard die Beinamen "bayerischer Herrgott" oder auch "Bauernherrgott" verliehen.

Im Mittelalter hingen viele Existenzen von der Gesundheit von Pferden und Vieh ab. Die Veterinärmedizin war jedoch nicht weit entwickelt. Deshalb boten die Leonhardiritte und Wallfahrten der Landbevölkerung die Möglichkeit, sich für Wohl und Gesundheit ihrer wertvollen Tiere einzusetzen. Als nach dem Zweiten Weltkrieg Maschinen die Pferde ablösten, waren die Umzüge vielerorts in Vergessenheit geraten. Mit der Gründung von Reitställen und dem Aufschwung des Reitsports seit den 70er Jahren, ließen Pferdefreunde die Tradition in vielen Orten wieder aufleben. So auch in Tiefenbach, wo der Vereinsring die Veranstaltung seit mehr als 20 Jahren organisiert. Urkundlich verbürgt ist der erste örtliche Leonhardiumzug für das Jahr 1830.