Senden Schwab-Wechsel zur FWG hätte Folgen

CSU-Rätin Monika Schwab: Jetzt frustriert, und schon bald Zünglein an der Waage?
CSU-Rätin Monika Schwab: Jetzt frustriert, und schon bald Zünglein an der Waage?
Senden / NIKO DIRNER 03.08.2013
Egal ob Haupt-, Bau-, Werk- oder Schulausschuss: Wechselt CSU-Rätin Schwab zu den Freien Wählern, ist die Baiker-Opposition in der Minderheit.

Ein an sich schon recht aufsehenerregender Vorgang im Sendener Stadtrat zieht womöglich weitreichende kommunalpolitische Konsequenzen nach sich. Es geht um den beabsichtigten Wechsel der CSU-Stadträtin Dr. Monika Schwab zu den Freien Wählern (FWG), über den die SÜDWEST PRESSE exklusiv berichtet hat. Würde die Aufheimerin ihre angebliche Absicht realisieren, dann hätten die Fraktionen, die Bürgermeister Kurt Baiker meist kritisch gegenüberstehen, in den Ausschüssen des Stadtrats keine Mehrheit mehr.

Dieser Umstand ergibt sich daraus, dass die Bürgerinteressen der Stadt Senden (Biss) seit dem Ausscheiden von Gisela Schäfer keine Fraktion mehr bilden. Und damit keinen Vertreter mehr in die Ausschüsse entsenden dürfen. Zur Erinnerung: Bei der Wahl 2008 errang die Biss zwei Sitze im Stadtrat, diese besetzten Anton Leger und Daniela Niegl. Niegl wechselte 2009 zu den Grünen, doch Leger erhielt Unterstützung von Gisela Schäfer. Im März 2012 aber musste Schäfer aus dem Gremium ausscheiden, da sie weggezogen war. Für die Biss-Stadträtin Schäfer rückte - da sie einst für die CSU gewählt worden war - die CSU-Listenkandidatin mit den nächstmeisten Stimmen nach: Monika Schwab. Wechselte sie zu den Freien, nähme sie ihr Mandat mit.

Die CSU käme dann zusammen mit den traditionell Baiker-kritischen Grünen in den Ausschüssen auf maximal sieben Stimmen. Freie Wähler und SPD hätten ebenfalls sieben Stimmen - und zusätzlich die des Bürgermeisters. "Damit könnte Baiker in der Wahlkampf-Zeit alle seine Projekte wie etwa die Soziale Stadt durchdrücken", befürchtet ein Insider - und verweist darauf, dass Schwab in der Stadtratssitzung am Dienstag zwei Mal mit der FWG gegen die CSU gestimmt hat. Wohlgemerkt: Im Plenum hätten CSU, Grüne und Biss zusammen immer noch eine Stimme mehr als FWG, SPD und Baiker.

CSU-Fraktionschef Walter Wörtz zeigte sich gestern überrascht: "Ein Wechsel zu den Freien Wählern wäre ein Systemwechsel, denn wir sind ja oft nicht einer Meinung mit den Freien Wählern." Er habe gedacht, Schwab werde "nach dem Vorbild von Gisela Schäfer handeln" - sprich: zur Biss übertreten. Dass die Aufheimerin für sich keine Zukunft mehr in der CSU sehe, komme indes nicht so unerwartet: "Es ist kein Geheimnis, dass wir in bestimmten Fragen konträrer Meinung sind." Ein Beispiel sei das Asylbewerberheim. Differenzen seien ja nicht ungewöhnlich, doch Schwab stehe nicht offen zu ihrem Standpunkt, ziehe sich zurück und werde so vielleicht zunehmend frustriert. Die Auflösung der von ihr geführten Frauen-Union mangels Mitgliedern habe sie offenbar auch nicht einfach weggesteckt. Er werde in der kommenden Woche das Gespräch mit ihr suchen. Eile sei sicher nicht geboten. Schwab selbst hatte zu den Gerüchten nur gesagt: "Jetzt ist erst mal Sommerpause." Von den Freien Wählern war gestern niemand zu erreichen.

Anton Leger sagte, er habe lange nicht mit Schwab gesprochen, aber ein Übertritt zu den Freien Wählern würde ihn schon sehr wundern: "Wie kann eine CSU-Frau und ehemalige Vorsitzende der Senioren-Union dort hin wechseln? Das gabs ja noch nie." Obendrein wäre Schwab dann die erste weibliche Stadträtin, die die FWG je hatte. Ob er sie auch aufnehmen würde? Das müsse der Vereinsvorstand entscheiden. Die Kandidatenliste für 2014 sei jedenfalls schon recht voll.

Erwin Rogg hört auf
Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel