Gericht Schuldnerin Nase gebrochen, Geldstrafe kassiert

Kreis Neu-Ulm / Carsten Muth 13.06.2018

Am Ende der dreistündigen Verhandlung am Amtsgericht Neu-Ulm war Richter Thomas Mayer ernüchtert. „Dieser Fall ist typisch für ein Verfahren, an dem Personen beteiligt sind, die nicht oder nur schlecht Deutsch sprechen“, sagte Mayer. Weil Verständigungsschwierigkeiten zu Missverständnissen führten, Sachverhalte im Ermittlungsverfahren nicht oder nur unzureichend beleuchtet worden seien, was letztlich die Beweisaufnahme vor Gericht erschwere. So wie in der Verhandlung, die Mayer gestern Nachmittag leitete – und an deren Ende er einen 60 Jahre alten Mann aus dem Kreis Neu-Ulm wegen Körperverletzung und Nötigung zu 5000 Euro Geldstrafe verurteilte. Dessen 44-jährige Lebensgefährtin muss wegen Beihilfe zur Nötigung 300 Euro bezahlen.

Vorwürfe fallengelassen

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Mann einer Bekannten, die dem 60-Jährigen 500 Euro schuldete, eine Kopfnuss verpasst und ihr mit der Faust ins Gesicht geschlagen hatte. Die 44-Jährige erlitt einen Nasenbeinbruch und Prellungen. Die Tatvorwürfe Freiheitsberaubung, Bedrohung und Beleidigung ließ das Gericht fallen. Aus Mangel an Beweisen, weil Aussage gegen Aussage stand, einige Dinge sich in der Verhandlung nicht mehr aufklären ließen, wie es hieß.

Die Angeklagten wiesen sämtliche Vorwürfe zurück. Wegen der Schulden sei es zu einer Auseinandersetzung gekommen. Sie hätten die 44-Jährige aber weder bedroht und geschlagen, noch diese in ihre Wohnung gezerrt.

Richter Thomas Mayer blieb mit seinem Urteil unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die sich jeweils für mehrmonatige Gefängnisstrafen auf Bewährung ausgesprochen hatte. Die beiden Verteidiger forderten vergeblich Freisprüche für ihre Mandanten. Rechtskräftig sind die Urteile noch nicht. Die Verteidigung ließ offen, ob sie in Berufung geht.

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