Weißenhorn Schranne bald Bürgerzentrum?

CARSTEN MUTH 14.06.2016
Neuer Anlauf: Auf Initiative der SPD prüft die Stadt Weißenhorn den Umbau der Schranne. Gedacht ist an eine Nutzung als Kultur- und Bürgerzentrum.

Nach Schlössersanierung, Fuggerhallen-Bau und Hauptplatz-Neugestaltung könnte der Umbau der Schranne das nächste Prestigeprojekt der Stadt Weißenhorn werden. Gestern Abend jedenfalls haben sich die Stadträte mit diesem Thema beschäftigt - auf Initiative der SPD-Fraktion, die einen Antrag an die Stadtverwaltung gestellt hatte. Darin heißt es an zentraler Stelle: "Ziel muss die Etablierung eines Kulturzentrums beziehungsweise Bürgerzentrums sein, in dem auch die Stadtbücherei ihren Platz findet." Der Stadtrat folgte der Initiative einstimmig und fällte einen entsprechenden Beschluss.

Der Umbau des ältesten Weißenhorner Gebäudes dürfte viel Geld verschlingen. Kostenschätzungen liegen noch nicht vor. Im Rathaus heißt es: "Zur Realisierung dieser Maßnahmen müssen erhebliche Finanzmittel aufgewendet werden." Die Stadträte haben die Verwaltung zunächst einmal damit beauftragt, Möglichkeiten einer Sanierung und finanzieller Förderungen zu prüfen.

Ein Lenkungskreis soll den gesamten Planungsprozesses koordinieren. Diesem Gremium wiederum sollen Bürgermeister Wolfgang Fendt, Stadtbaumeisterin Conny Roth sowie jeweils ein Vertreter der Stadtratsfraktionen angehören. Zudem sollen externe Berater hinzugezogen werden.

Wann mit der Umsetzung der Schrannen-Pläne begonnen werden kann, ist offen. Nach Vorstellungen der SPD könnte die Stadt 2018 oder 2019 mit dem Umbau loslegen, das Kulturzentrum in der Schranne dann 2020 in Betrieb gehen. Die Debatte über die Sanierung der Schranne gibt es in der Fuggerstadt schon seit vielen Jahren. Nun also flammt das Thema wieder auf - weil andere zentrale Bauprojekte wie die mehr als zehn Millionen Euro teure Schlössersanierung erfolgreich abgeschlossen worden sind, der finanzielle Spielraum aber nach Ansicht der SPD in den kommenden Jahren keineswegs eingeschränkt ist, sondern durchaus einige Möglichkeiten eröffnet.

Die Weißenhorner Stadtverwaltung signalisierte bereits im Vorfeld der gestrigen Stadtratssitzung Zustimmung zu dem SPD-Vorstoß. Allerdings ist die Verwaltung, was die finanzielle Lage der Stadt betrifft, nicht so optimistisch. Bürgermeister Fendt jedenfalls gibt zu bedenken, dass der Stadtrat kürzlich erst für einige andere wichtige Bauprojekte - etwa Museumserweiterung, Feuerwehrhaus-Neubau in der Kernstadt, Ertüchtigung des Dorfzentrums in Bubenhausen - grünes Licht gegeben hat. Dennoch sei es sinnvoll über den Umbau der Schranne zu beraten und schon jetzt einen Lenkungskreis zu bilden, der über Konzeption, finanzielle Machbarkeit und Realisierungszeitraum nachdenke.

Nach Auffassung der Stadtverwaltung eignet sich die historische Schranne jedoch nicht für die Unterbringung der Stadtbücherei. Diese könnte aber in der benachbarten Sommerschranne ein neues Zuhause finden.

Grundsätzlich sei es richtig, die Bücherei vom jetzigen Standort in der Schulstraße in die Altstadt zu verlegen. Das habe im vergangenen Frühjahr auch die Debatte in der Stadtwerkstatt gezeigt, in der sich viele Bürger ebenfalls für diese Lösung ausgesprochen haben.

Kaufhaus, Rathaus, Ort des Vergnügens

Geschichte Die Weißenhorner Schranne wurde Mitte des 14. Jahrhundert errichtet. Damit ist sie das älteste noch erhaltene Gebäude in der Stadt. Sie war Kaufhaus, Rathaus und Ort des Vergnügens mit einem Tanzsaal, viele Jahrhunderte lang eine zentrale Begegnungsstätte. Die Schranne wurde etliche Male umgebaut. Im 19. Jahrhundert wurde auf der Westseite die Sommerschranne angebaut.

Kultur Das Erdgeschoss der Schranne in der Alstadt dient dankt der "Initiative Kultur in der Schranne" seit einigen Jahren als Konzert- und Veranstaltungssaal. Vor gut zehn Jahren gab es Überlegungen, das historische Gebäude in der Hauptstraße gastronomisch zu nutzen. Die Pläne verliefen jedoch im Sand, auch deshalb, weil damals die finanzielle Möglichkeiten als nicht ausreichend beurteilt wurden.

SWP