Soziales Schon 200 Asylbewerber in Arbeit vermittelt

Arbeit für 200 Asylbewerber. Aber Wohnraum fehlt.
Arbeit für 200 Asylbewerber. Aber Wohnraum fehlt. © Foto: dpa
Kreis Neu-Ulm / Niko Dirner 02.03.2018
Im Kreis-Ausschuss wird auch deutlich, dass Flüchtlinge in der Regel keine Fachkräfte sind. Und es fehlen Wohnungen.

Das Thema Asylbewerber hat sich ja erledigt: Das bekomme er oft von Bürgern zu hören, hat gestern der Neu-Ulmer Landrat Thorsten Freudenberger im Sozial-Ausschuss berichtet. Und er ist diesem Eindruck gleich entgegengetreten. „Die Aufgaben haben sich bei uns im Haus nur verlagert. Das Thema ist präsenter denn je.“ In der Sitzung bekamen die Kreisräte einen guten Überblick zu erzielten Erfolgen, He­rausforderungen und Problemen.

Freudenberger erinnerte vorab an die Situationen, die der Landkreis noch vor gut zwei Jahren zu bewältigen hatte, als 60 Flüchtlinge pro Woche unterzubringen waren. Damals sei es vorrangig darum gegangen, Unterkünfte zu finden. Wie berichtet, mietete der Landkreis sogar einen ehemaligen Baumarkt an, der dann aber nicht mehr benötigt wurde. Heute, wo kaum neue Geflüchtete aufzunehmen sind – nicht mal die zuletzt angekündigten 25 Menschen pro Woche seien gekommen – gehe es vor allem darum, Wohnungen für die anerkannten Asylbewerber zu finden.

Wohnraum Beim Thema Wohnraum sei immer auch die „angestammte Bevölkerung“ gemeint, betonte Freudenberger. „Wir müssen allen Menschen gerecht werden, die eine Wohnung suchen.“ 194 anerkannte Asylbewerber lebten derzeit noch in den Gemeinschaftsunterkünften, weil sie auf dem freien Markt nichts finden. Das sind so genannte „Fehlbeleger“, die für ihre Unterbringung bezahlen müssen. Wie übrigens auch Asylbewerber mit Job, deren Verfahren noch läuft, Miete berappen müssen.

Wer eine Wohnung findet, ergänzte Rolf Schiele vom Jobcenter Neu-Ulm, welches für die anerkannten Asylbewerber zuständig ist, lebe oft in „prekären Verhältnissen“. Schiele nannte als Beispiel: „drei Familienangehörige in einem Zimmer“. Er wünsche sich mehr Angebote seitens der Kommunen. Denn zuständig ist hier nicht mehr der Landkreis, es sind die Städte und Gemeinden. Freudenberger wies auch darauf hin, dass es wegen einer fehlenden Kommunalquote – „für die ich gekämpft habe wie ein Löwe“ – weiterhin keine gleichmäßige Verteilung von geflüchteten Menschen im Kreis geben könne.

Gemeinschaftsunterkünfte, die nicht mehr benötigt werden, würden aufgelöst, die Bewohner auf andere Häuser verteilt. Dabei könne es das Landratsamt natürlich nie allen recht machen, weil Asylbewerber, Helferkreise, Arbeitgeber oder die jeweiligen Bürgermeister teils widersprechende Interessen hätten.

Arbeit Das Kompetenzteam Asyl beim Jobcenter Neu-Ulm sei Spitze in Bayern, was die Vermittlung von geflüchteten Menschen in sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse angeht. Das sagte Geschäftsführerin Beate Reize: 250 Menschen habe man voriges Jahr einen Job besorgen können. Bereits 68 seien es in diesem Jahr. Dabei helfe natürlich die boomende Wirtschaft in der Region.

Den hiesigen Fachkräfte- und Lehrlingsmangel etwa im Maschinenbau oder der Baubranche könnten die Asylbewerber aber wohl kaum beheben, meinte Reize: Im Vergleich zu Jugendlichen, die hier jahrelang das Schulsystem durchlaufen haben, hätten Asylbewerber häufig einen „ganz anderen Bildungshintergrund“, mithin „nicht durchgängig dieselbe Startposition“.

Entwicklung Ob wieder mehr Flüchtlinge kommen, sei unklar, sagte Freudenberger. „Planungsmöglichkeiten gibt es nicht.“ Bei der Integration derer, die bleiben dürfen, komme es auf fünf Punkte an: Die Menschen bräuchten eine Wohnung, sie sollten die Sprache lernen, einen Job finden, Recht und Gesetz sowie die hier üblichen kulturellen Gepflogenheiten achten.

200 Bewohner müssten aus Unterkünften ausziehen

Gesamt 1136 Asylbewerber – anerkannte und solche, die noch keinen Aufenthaltstitel haben – leben derzeit in den Unterkünften im Landkreis Neu-Ulm. Davon sind 48 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sowie 194 so genannte Fehlbeleger.

Bewerber Rund 1000 Bewerber müssen heuer versorgt werden. Dafür stehen 6 Millionen Euro zur Verfügung. 274 Asylbewerber sind 2017 untergetaucht, acht saßen zum Jahresende in Haft.

Anerkannte Für Anerkannte ist das Jobcenter zuständig. 780 Anerkannte erhalten Hartz IV. Insgesamt gibt es 2800 Bezieher. 311 Anerkannte kommen 2018 dazu. Der Gesamtbereich Sozialgesetzbuch II, der mehr als Flüchtlinge umfasst, kostet den Kreis netto 8,5 Millionen Euro im Jahr.