Schändung Schmierereien: 19-jähriger Tatverdächtiger gefasst

„Hail Satan“ und ACAB (“All Cops are Bastards“) hat der Sprayer auf die Wand der Kirche in Illerberg gesprüht. Das Gotteshaus in Bellenberg hat es am Donnerstag offenbar noch schlimmer getroffen. Die Kirche dort ist geschlossen worden.
„Hail Satan“ und ACAB (“All Cops are Bastards“) hat der Sprayer auf die Wand der Kirche in Illerberg gesprüht. Das Gotteshaus in Bellenberg hat es am Donnerstag offenbar noch schlimmer getroffen. Die Kirche dort ist geschlossen worden. © Foto: Ingrid Weichsberger
CARSTEN MUTH 04.03.2017

Wochenlang hat die Polizei nach einem unbekannten Sprayer gesucht, der in Vöhringen Schulen, Sportheime, öffentliche Plätze und eine Kirche mit Farbe besprüht hatte. Nun haben die Fahnder einen Tatverdächtigen ermittelt, einen 19-Jährigen aus dem Landkreis Neu-Ulm. „Er hat nach anfänglichem Leugnen alle 13 Sachbeschädigungen eingeräumt“, sagte gestern ein Sprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West. Über sein Motiv schweige sich der junge Mann bislang aus.

Am vergangenen Sonntag war, wie berichtet, die katholische Stadtpfarrkirche in Vöhringen übel beschmiert worden. Am Donnerstag wurden zudem die zur Pfarrgemeinschaft Vöhringen gehörenden Kirchen in Bellenberg und Illerberg massiv geschändet, teilte die Polizei gestern mit. In Bellenberg wurden Wände, Altar, Orgel und sakrale Gegenstände mit schwarzer und silbergrauer Farbe beschmiert. An die Wand der Illerberger Kirche steht: „Hail Satan“.

Auch für diese Schmierereien soll der 19-Jährige verantwortlich sein. Der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa reagierte umgehend. Er ordnete an, dass alle Kirchen und Kapellen in den Dekanaten Neu-Ulm, Memmingen und Günzburg  außerhalb der Gottesdienstzeiten geschlossen bleiben – bis der Täter gefasst ist.

Da dies nun offenbar der Fall ist, wurde die Sperrung der Kirchen in den drei Dekanaten gestern aufgehoben, mit Ausnahme des Gotteshauses in Bellenberg. Die Pfarrkirche „Unsere liebe Frau vom Rosenkranz“ bleibt bis auf weiteres zu. Will heißen: Es werden vorerst darin auch keine Gottesdienste gehalten. Bischof Zdarsa begründete die Entscheidung nach Angaben von Bistumssprecher Karl-Georg Michel mit dem Kirchenrecht, das für solche massiven Fälle einen Bußritus vorsieht. Nach dessen Vollzug kann das Gotteshaus wieder genutzt werden (siehe Info-Kasten).

Zeugenhinweise brachten die Ermittler auf die Spur des Täters. Polizisten in Zivil fassten den Tatverdächtigen am Donnerstagabend in Vöhringen, „als dieser sich auf dem Nachhauseweg befand“, wie es heißt. Im Rucksack des 19-Jährigen entdeckten die Fahnder eine Rechnung für den Kauf einer Farbspraydose. Die Staatsanwaltschaft ordnete die Durchsuchung der Wohnung des jungen Mannes an. Dort wurde die mutmaßlichen Tatwerkzeuge entdeckt: Farbspraydosen.

„Nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen wurde der 19-Jährige entlassen“, sagte der Polizeisprecher. „Wir haben einen geständigen Täter und die Tatwerkzeuge. Es gibt keine Haftgründe.“ Die Ermittler gehen davon aus, dass der junge Mann solche Schmierereien künftig sein lässt. „Die vorläufige Festnahme und die Wohnungsdurchsuchung sollten ihm eine Lehre sein“, sagte der Polizeisprecher.

Schaden geht in die Tausende

Harald Heinrich, Generalvikar im Bistum Augsburg, ist erleichtert, betont: „Ich bin sehr froh, dass der Täter gefasst werden konnte.“ Das Ausmaß der Schändungen seien beispiellos. „Ich bin wie viele Menschen in der Pfarreiengemeinschaft Vöhringen entsetzt.“ Er sprach von einer „Provokation für alle Menschen im Freistaat Bayern“.

Seinen Vandalismus dürften den 19-Jährigen ziemlich teuer zu stehen kommen. Der Schaden in Schulen und Sportheimen beträgt vorläufigen Schätzungen zufolge mindestens 8000 Euro. Die Schäden in den Kirchen sind noch nicht ermittelt. Sie dürften um ein Vielfaches höher sein.

Sühneritus der katholischen Kirche

Beleidigung „Wenn an heiligen Orten Handlungen beleidigender und gravierender Art geschehen, kann der Ortsbischof eine Kirche schließen“, sagt Karl-Georg Michel, Sprecher des Bistums Augsburg. Die Schließung in Bellenberg sei mit dem örtlichen Stadtpfarrer Martin Straub abgesprochen.

Heilung Mit dem Sühneritus nach katholischem Kirchenrecht werden geschändete Kirchen feierlich wiedereröffnet. Das Ritus besteht aus einem „Gebet um Heilung der durch die Schmierereien erlittenen Verletzungen, der Bitte um Versöhnung und dem Taufgedächtnis“. Zudem wird der Altar neu gedeckt, Kerzen entzündet.

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