Elchingen Rundgang bei Bosch Rexroth in Elchingen: Mit der Hydraulik an die Weltspitze

Elchingen / WILLI BÖHMER 14.08.2013
2570 Menschen arbeiten im Elchinger Werk von Bosch Rexroth. Das Unternehmen ist Weltmarktführer für Hydraulikantriebe. Die schon vor Jahren totgesagte Hydraulik lebt, sagt Vertriebsleiter Peter Dschida.

Das Werksgelände an der Glockeraustraße in Elchingen ist riesig. Von der Straße aus sind nur wenige der Fabrikhallen zu sehen, die zum Elchinger Werk von Bosch Rexroth gehören. Drinnen arbeiten 2570 Menschen im Dreischichtbetrieb. Sie stellen Axialkolbenpumpen und Axialkolbenmotoren für Arbeitsmaschinen her: für Bagger und Raupen, für Lastwagen, für Land- und Forstmaschinen.

Die Elchinger sind die Hydraulik-Spezialisten im riesigen Bosch-Konzern und in dieser Sparte auch Weltmarktführer. Deshalb lassen sie sich nicht gern über die Schulter schauen, zumindest von der Konkurrenz. Denn Hydraulikantriebe 2013 sind Hochtechnologie, und die Konkurrenz schläft nicht. Daher werden auch keine Zahlen bekanntgegeben. Sie stellen die Komponenten her, die zu Pumpen und Motoren zusammengefügt und an die unterschiedlichen Fahrzeughersteller geliefert werden. Volvo ist darunter, DAF als Endabnehmer und viele andere. Sie arbeiten eng mit den Kunden zusammen, um den Einbau in die Maschinen und die Kraftübertragung der Hydraulik auf das jeweilige Maschinensystem anzupassen.

Hydraulik aus Elchingen für den Rest der Welt - das klingt fantastisch, trifft aber den Kern. Das Unternehmen arbeitet im Boschkonzern vergleichsweise autonom, ist das Kompetenzzentrum, das auch für die kleineren Hydraulikwerke zuständig ist, etwa im türkischen Bursa und in der chinesischen Hauptstadt Peking. "Vor Ort werden die einfacheren lokalen Aufgaben gelöst", sagt Vertriebsleiter Peter Dschida. Neue komplexe Basissysteme, aus denen später Einzellösungen resultieren, werden in Elchingen entwickelt. Deshalb ist in der Glockerau auch eine Forschungs- und Entwicklungsabteilung mit 260 Mitarbeitern untergebracht. Das heißt, in Elchingen steht das Leitwerk, das die Strategie vorgibt.

Dschida arbeitet seit 18 Jahren für Bosch Rexroth. Er hat selbst die Zeit erlebt, in der Hydraulikantriebe totgesagt wurden, und auch im Elchinger Werk darüber nachgedacht wurde, ob man nicht auf Elektroantriebe umsteigen müsse. Davon ist längst keine Rede mehr. Hydraulik hat sich seinen eigenen Markt zurückerobert.

Der Rundgang durch das Werk gestattet einen tiefen Einblick in die Produktion. Da ist die riesige thermische Anlage, in der die Kolben gehärtet werden. Die Legierung, die Temperatur, die Dauer der Härtung - all das gehört zum Erfahrungsschatz der Elchinger, die sie auch vielen Konkurrenten voraus haben, sagt der stellvertretende Werksleiter. In einer anderen Halle arbeitet ein großer Roboterarm und hebt überdimensionale Kolben hinter einem Sicherheitsgitter umher. In der Endmontage stehen Mitarbeiter an modernen Arbeitstischen, hantieren mit elektronischen Geräten und bauen Einzelteile zu Pumpen oder auch Pumpen und Motoren in einem Gehäuse zusammen. Der Mann im Prüfstand, der jedes einzelne Aggregat testet, bevor es das Werk verlässt, steht vorsichtshalber hinter einer Sicherheitsscheibe. Die Geräte werden mit hohem Druck geprüft, Zutritt verboten.

Matthias Beck arbeitet in der Systemintegration. Dort werden neue Hydraulikantriebe in Maschinen eingebaut und danach auf der Teststrecke ausprobiert. Gerade steht dort der silbern lackierte Lastwagen. Als der Fahrer mit dem schweren Fahrzeug mit dem üblichen Dieselmotor und mit Hinterradantrieb auf nassem Untergrund über eine hohe Betonschwelle fahren will, drehen die Räder durch. Nichts geht. Als er den hydraulischen Vorderradantrieb dazuschaltet, ist das Hindernis keines mehr. Solche Lösungen müssen sie anbieten, um dem Markt gerecht zu werden, sagt Beck.

Dieser Markt ist schwieriger geworden, sagen Jana Ullsperger, Pressesprecherin von Bosch Rexroth, und Peter Dschida. Das Werk leistet sich aus Kostengründen keine große Lagerhaltung mehr, und die Kunden erst recht nicht. Deshalb kommen die Bestellungen für die Hydraulikpumpen meist sehr kurzfristig rein, und die Auslieferung erfolgt oft im Wochenrhythmus.

Die großen Märkte reagieren kurzfristig und ohne Vorwarnung. So wie der in China, der das Elchinger Werk vor zwei Jahren in Schwierigkeiten brachte, weil die vereinbarten Bestellungen plötzlich ausblieben. Mitarbeiter mit Zeitverträgen und von Zeitarbeitsfirmen mussten gehen, die Zahl der Beschäftigten sank von 3000 auf heute 2570. Mit dieser Mitarbeiterzahl gehen sie in die Zukunft, sagt Dschida. Der Markt ist seit eineinhalb Jahren rückläufig, nach zehn Jahren extremer Zunahme.

Sie müssen noch eine Umstellung bewältigen: Die Außenstelle in Günzburg, in der 130 Mitarbeiter tätig sind, soll bis Ende 2015 ins Elchinger Werk zurückgeholt werden. 2004 waren sie nach Günzburg verlegt worden, weil der Ausbau der Werke in Bursa und in Peking in Zeiten der Hochkonjunktur nicht mehr von Elchingen aus betreut werden konnte. Diese Phase ist abgeschlossen. Platz ist vorhanden.

In der Produktion arbeiten fast nur Facharbeiter. Und sie haben 107 Auszubildende, die speziell auf ihren späteren Arbeitsplatz hin fit gemacht werden. Noch haben sie keine Probleme, Facharbeiter zu rekrutieren, der gute Ruf von Bosch hilft ihnen, erzählt Ullsperger.

Und es wird investiert. Eine neue Halle wurde hochgezogen, und eine zweite Endmontage für die Hydraulikkomponenten wird für rund 5 Millionen Euro ausgebaut. Zusätzliche Arbeitsplätze werden dadurch aber nicht entstehen.