Wettkampf Ricarda Mörz ist Kung-Fu-Weltmeisterin

Ricarda Mörz übt mit ihrem Trainer Alexander Czech den Zweikampf „Push Hands“. Das Ziel ist es, die Kraft des Gegners gegen ihn selbst zu verwenden und ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen.
Ricarda Mörz übt mit ihrem Trainer Alexander Czech den Zweikampf „Push Hands“. Das Ziel ist es, die Kraft des Gegners gegen ihn selbst zu verwenden und ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen. © Foto: Matthias Kessler
Neu-Ulm/Baltimore / Bianca Frieß 01.09.2018

Sie ist Weltmeisterin. Es hat eine Weile gedauert, bis Ricarda Mörz das wirklich realisiert hat. „Man gibt natürlich sein Bestes, aber sowas habe ich nicht erwartet“, sagt die junge Frau aus Altenstadt. Ende Juli ist sie bei der Kung-Fu-Weltmeisterschaft in Baltimore in den USA angetreten – und hat gleich zwei Goldmedaillen mit nach Hause gebracht.

Erst vor zwei Jahren hat die 24-Jährige mit Kung Fu angefangen, zunächst beim Uni-Sport an der Hochschule Neu-Ulm. Nach ihrem Studienabschluss hat sie sich dann direkt beim Chinese Kuoshu Institute (CKI) in Neu-Ulm angemeldet. Vier bis fünfmal in der Woche trainiert sie hier – vor der Weltmeisterschaft hat sie sogar noch mehr Zeit investiert. Stressig findet sie das aber nicht. „Für mich ist das mein Entspannungsort im Gegensatz zum Beruf“, erzählt die Marketingmanagerin. „Ich fühle mich frei, wenn ich diesen Sport mache.“ Und auch für ihr anderes Hobby, das Klavierspielen, findet sie noch genug Zeit.

Die 24-Jährige ist klein und zierlich, ihre Haare trägt sie zu einem Pferdeschwanz gebunden. Wenn sie über ihr Hobby spricht, zieht sich ein breites Lachen über ihr Gesicht. Was ihr an Kung Fu so gut gefällt? „Es ist so vielseitig“, sagt Mörz. „Und man lernt viel über sich selbst, wo seine Grenzen sind – und wie man sie dann doch überwindet.“ Außerdem werden Teamwork und Zusammenhalt im Neu-Ulmer CKI ganz groß geschrieben. „Ich habe hier eine zweite Familie gefunden“, sagt die 24-Jährige. Darauf ist auch ihr Trainer und Inhaber der Kampfsportschule, Alexander Czech, besonders stolz. Er erzählt von spontanen Partys, einer Halloween-Feier, einem Flohmarkt – der Erlös kam als finanzielle Unterstützung dem WM-Team zugute. „Diese Verbundenheit ist abartig“, sagt Czech.

Bei der Weltmeisterschaft ist Mörz in mehreren Kategorien angetreten: Als erstes ist sie eine Tai-Chi-Form gelaufen. Das kann man sich vorstellen wie einen Kampf gegen imaginäre Gegner, in den verschiedene Techniken eingebaut sind. „Das lief ganz gut“, erzählt Mörz – sie erreichte den fünften Platz. Danach hatte sie erstmal Zeit, ihre Teamkollegen anzufeuern und den anderen Wettkämpfern zuzusehen. „Da hat man wirklich spektakuläre Formen gesehen.“

Respekt vor der Konkurrenz

Am zweiten Tag waren dann die Push-Hands-Kämpfe an der Reihe. Dabei treten die Sportler im Zweikampf gegeneinander an. Das Ziel ist es, den anderen aus dem Gleichgewicht zu bringen, und zwar ohne Schläge. Die wichtigste Regel: Der Kontakt zwischen den Händen muss immer bestehen bleiben. Mörz kämpfte in zwei Unterkategorien – und gewann zwei Mal. „Da war ich wirklich überrascht“, sagt sie. Schließlich hatte sie großen Respekt vor ihrer Konkurrenz. Vor allem das Finale gegen eine Schweizerin sei sehr spannend gewesen. „Das war ein toller Kampf. Das hat man selten, dass man rausgeht und denkt: Das würde ich jetzt gerne nochmal machen.“

Die Altenstädterin hat früher auch einige andere Sportarten ausprobiert: Leichtathletik, Zumba, Tae Bo. „Aber im Kung Fu gehe ich jetzt wirklich auf“, sagt sie. Und ihr Hobby hat noch einen weiteren Vorteil: Sie fühlt sich jetzt sicherer, wenn sie etwa im Dunkeln allein unterwegs ist. „Ich laufe nachts nicht mehr total verängstigt durch die Straßen“, sagt die 24-Jährige. „Ich weiß jetzt, worauf ich achten muss.“ Das beruhige auch ihre Mutter sehr.

Auch in Zukunft wird es im Neu-Ulmer CKI nicht langweilig, Mitte Oktober steht schon der nächste Turnier auf dem Programm. Und was plant Ricarda Mörz für die Zukunft? „Ich möchte einfach weiterhin mein Bestes geben“, sagt sie – hat aber auch noch ein größeres Ziel vor Augen: „Titelverteidigung.“

Viele Medaillen gehen nach Neu-Ulm

Teilnehmer Die Kung-Fu-WM findet alle drei Jahre statt: heuer vom 27. bis 29. Juli in Baltimore in den USA. Insgesamt traten mehr als 500 Starter aus 25 Ländern an. Mit 17 Teilnehmern war das Neu-Ulmer Chinese Kuoshu Institute (CKI) stark vertreten. Insgesamt bestand das deutsche Team aus 37 Wettkämpfern und 5 Schiedsrichtern.

Erfolge Angetreten sind die Teilnehmer in den vier Kategorien Formen, Vollkontakt-Kampf, Tai Chi und Push-Hands. Dabei hat das CKI viele Medaillen mit nach Hause gebracht. Neben Ricarda Mörz war Teilnehmer Daesup Rhee besonders erfolgreich: Er hat zwei Gold-, eine Silber- und zwei Bronzemedaillen geholt. Insgesamt erreichte das CKI-Team viermal den ersten Platz, außerdem fünf Silber- und drei Bronze-Medaillen. Dazu kommen viele weitere gute Platzierungen.

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