Senden / Niko Dirner Ein Vermieter hat auch in Ay ein Haus gekauft und allen Parteien gekündigt. Diese suchen ihr Heil in der Flucht.

Ein Hilferuf bei Facebook: „Es ist sehr dringend!“ So sucht eine Tochter nach einer Wohnung für ihre Mutter. Preist die 61-Jährige an – „ruhig, ohne Haustiere“ – und weiß doch, dass die Hoffnung gering ist: „Wir sind schon fast am Verzweifeln.“ Denn die 61-Jährige ist eine von vielen, die eine neue Bleibe suchen, seit ein aggressiver Investor in und um Ulm herum Wohnhäuser aufkauft und die Mietverträge kündigt.

Kündigungen auch in Ulm

Wie berichtet, hat der aus dem Kreis Biberach stammende Mann unter anderem Häuser in Böfingen, Lehr und Wiblingen gekauft, und den Mietern klar gemacht: Ihr habt hier keine Perspektive mehr. Er wolle aus den Wohnungen WG-Zimmer machen und diese vermieten, so könne er „deutlich“ mehr einnehmen. Derzeit sei die Vermietung des Hauses nicht kostendeckend.

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In Senden konkret würde er statt einer Kaltmiete von 462 Euro für die Wohnung der 61-Jährigen 1110 Euro einnehmen, je 370 Euro für jedes der drei Zimmer. Zuvor müsse freilich saniert werden: der Zuschnitt der Räume müsse geändert werden, die Elektrik sei zu erneuern, die Sanitäranlagen ebenso. Das hat er allen Mietern in dem Sechs-Parteien-Haus so mitgeteilt.

Erste Mieter ziehen aus

Obwohl der Mieterverein in Ulm den genannten Kündigungsgrund als nicht haltbar betrachtet, ziehen nicht nur in Ulm die Mieter die Kapitulation vor: In Senden ziehen die ersten bald aus. Auch die 61-Jährige will nicht kämpfen: Wie in den anderen Häusern habe der Investor auch für Senden angekündigt, alsbald mit Umbauten zu starten. Losgehen soll es im Dachgeschoss.

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Neun Monate gesteht der neue Eigentümer der 61-Jährigen noch zu, seit 40 Jahren wohnt sie in dem Haus. Sprich: Zum 30. Oktober müsse sie raus. Dabei habe sie, gesundheitlich nicht auf der Höhe, alleinstehend und mit geringem Gehalt, gehofft, auch in der Rente dort wohnen bleiben zu können. „Ich bin seit Jahren nicht umgezogen, weil ich wusste: Diese Wohnung kann ich auch mit der Rente noch bezahlen.“

Auf den Hilferuf der Tochter hin habe sich noch nichts Greifbares ergeben. Fazit der 61-Jährigen zum Verhalten des neuen Eigentümers: „Katastrophal!“

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