Weißenhorn / PATRICK FAUSS  Uhr
Es gab Bedenken. Dennoch hat der Weißenhorner Stadtrat dafür plädiert, dem Garten von Marzellus Hampp nachträglich legalen Status zu verleihen.

Vor 40 Jahren hat Marzellus Hampp begonnen, zwischen Oberhausen und Biberachzell einen Garten anzulegen. Er ist 15.000 Quadratmeter groß und bietet Besuchern seit einigen Jahren Flaniermöglichkeiten, ein Teehaus, Bachläufe, Grillplätze und Sitzbänke. Der Garten hat es bereits als Ausflugstipp in Reiseführer der Marco-Polo-Reihe geschafft.

Das Problem: Der Garten war seinerzeit unerlaubt zwischen landwirtschaftlichen Flächen angelegt worden. Im Juli vergangenen Jahres beschloss der Stadtrat deshalb, eine Änderung im Flächennutzungsplan vorzunehmen, damit die bislang nur geduldete Anlage einen legalen Status bekommt. Das Landratsamt fordert nun außerdem, dass für das Gebiet ein Bebauungsplan aufzustellen ist. Beides kostet Geld - und nicht alle Stadträte zeigten sich mit der Vorgehensweise einverstanden.

Es werde nachträglich ein Schwarzbau genehmigt, monierte Bernhard Jüstel (WÜW). "Ich hab da wirklich Bauchschmerzen." Parteikollege Johannes Amann sagte, die Stadt müsse "sehr, sehr gut aufpassen, ob man so was durchgehen lassen kann". Es sei schließlich unklar, wie und ob der Garten in Zukunft weiter geführt wird.

"Ein Schwarzbau, der über viele Jahre geduldet worden ist", präzisierte Herbert Richter (SPD). Er könne die Bedenken zwar verstehen, es müsse aber beachtet werden, dass es sich hierbei um einen Einzelfall handelt. Richter plädierte dafür, den vom Landratsamt geforderten Bebauungsplan auf den Weg zu bringen. Die Kosten dafür müsse allerdings der Grundstücksbesitzer übernehmen.

"Der Garten ist ein Kleinod", betonte Bürgermeister Wolfgang Fendt. Nun habe die Stadt Gelegenheit, alles vertraglich zu regeln. Was wird, wenn der Besitzer den Garten nicht mehr weiterführt, könne ebenfalls im Flächennutzungsplan festgesetzt werden.

Marcus Biberacher (CSU) war klar dafür, den vom Landratsamt geforderten Weg einzuschlagen: "Dieser Garten ist eine Bereicherung für die Stadt und für den Landkreis." Der Besitzer stecke viel Geld in den Erhalt. Lediglich aus Spenden der Besucher erhalte er eine kleine Gegenfinanzierung. Ähnlich äußerte sich Parteikollege Gunter Kühle. Auch Sabine Snehotta (ÖDP) war für den Erhalt.

Bürgermeister Fendt schlug außerdem vor, dass sich der stets am Abend beratende Bauausschuss vor Ort ein Bild machen solle, sobald es die Lichtverhältnisse zulassen.

15 Stadträte stimmten schließlich dafür, das Verfahren zum Aufstellen eines Bebauungsplans einzuleiten. Neun Räte waren dagegen. Damit ist der Erhalt des Gartens von Marzellus Hampp wohl erst einmal gesichert.

Die Vorgeschichte

Prozess Als bekannt wurde, dass der Gartenbesitzer auch Essen anbietet - Besucher können sich am Kühlschrank vor Ort bedienen, manchmal wird auch gekocht - wurden die Behörden aktiv. Die Gewerbeaufsicht schaltete sich ein. Im September vergangenen Jahres kam es zu einem Gerichtsprozess. Das Verfahren wurde aber eingestellt, weil die Erlöse aus Essen und Getränke offenbar gering sind. Beim Verlassen des Gartens - er liegt an der Kreisstraße zwischen den Weißenhorner Stadtteilen Oberhausen und Biberachzell - werden Besucher gebeten, einen Betrag in die Spendenkasse zu werfen.