Kriminalität Profiler Axel Petermann erzählt von seinem Beruf

Bitte signieren: Nach der Lesung von Axel Petermann wollten viele Besucher ein Autogramm.
Bitte signieren: Nach der Lesung von Axel Petermann wollten viele Besucher ein Autogramm. © Foto: Sonja Fiedler
Von Sonja Fiedler 21.09.2017

Der Mörder ist nicht immer der Gärtner. Manchmal ist es auch der Butler. Aber warum tötet der Butler in einer bestimmten Situation? „Meine Aufgabe ist es, den Täter zu verstehen, ohne Verständnis zu haben“, sagte Axel Petermann im Haus der Begegnung vor über 200 Zuhörern. Stadtbücherei und Stadt Senden hatten zu dem gut besuchten Abend mit dem Bremer Profiler eingeladen.

Als Profiler sei man immer auf der Suche nach der „Spur hinter der Spur“, erklärte Petermann. Welche Bedürfnisse, welches Motiv hatte der Täter? „Kenne ich die Motive der Tat, sollte es möglich sein, etwas über den Täter auszusagen.“ In den 70er Jahren wurde Petermann als junger Polizist zu seinem ersten Mordfall gerufen. Ein junges Mädchen war vergewaltigt und getötet worden. „Am Tatort fanden wir nicht viel, ein Taschentuch, eine Fahrkarte.“ Die Mordkommission ließ ihn nicht mehr los. „Es war eine Tätigkeit, die mich sehr ausgefüllt hat.“ Doch eine Frage beschäftigte Petermann stets: „Das, was zur Tat geführt hatte, blieb uns verschlossen.“ Erst im Jahr 2000 wurde die so genannten „Operative Fallanalyse“ eingeführt, der Beruf des Profilers geboren. Petermann leitete die neue Bremer Dienststelle bis zu seiner Pensionierung.

Drei Bücher über seine Arbeit hat der Kriminalist geschrieben. Aus „Profiler“ und „Im Angesicht des Bösen“ las er Auszüge vor, unterbrach sich mehrmals selbst, um frei zu erzählen. Wer erstach vor über 20 Jahren die 20-jährige Heike Rimbach im Harz und erhängte sie auf ihrem Dachboden? Die Familie sucht bis heute nach der Antwort, Petermann ist an ihrer Seite. „Es ist wichtig, dass Angehörige wissen: Die Tat ist nicht vergessen. Und auch dem Täter muss dies bewusst sein.“

Die meisten Kriminalfälle würden aufgeklärt, auch wenn es oft Jahrzehnte dauere, sagte Petermann. Manchmal aber seien alle Bemühungen vergeblich. „Das ist frustrierend, weil man viel Zeit damit verbracht hat.“ Ein perfekter Mord stecke aber in diesen Fällen nicht dahinter. „Bei einem perfekten Mord hätten wir die Leiche nicht gefunden. Und wir hätten nie davon erfahren.“

Zur Person Axel Petermann

Tatort Axel Petermann, Jahrgang 1952, bearbeitete bei der Mordkommission in Bremen von 1975 bis 2000 über 1000 Mord- und Todesfälle. Er ist auch als Berater des „Tatorts“ tätig.