Kirchberg Premiere: Otmar Walcher alias Jakob Wunder

Jakob Wunder alias Otmar Walcher, brillierte in Kirchberg
Jakob Wunder alias Otmar Walcher, brillierte in Kirchberg © Foto: Högerle
Kirchberg / KURT HÖGERLE 01.07.2014
Otmar Walcher alias Jakob Wunder hat am Sonntag seine Württemberg-Premiere mit seinem ersten Abend füllenden Programm "Der Jakob Wunder Weg" gegeben Sie war ein voller Erfolg.

Wer mit nur einem Stuhl als Requisite auftritt und ein Abend füllendes Programm von mehr als anderthalb Stunden hinlegt ohne Längen und Hänger, der muss ein Vollprofi sein, denkt man. Das aber ist Otmar Walcher aus Bellenberg gar nicht. Tagsüber geht er einer normalen Beschäftigung als kaufmännischer Angestellter nach. Doch wenn er als Jakob Wunder eine Bühne betritt, verwandelt sich Walcher in einen Vollblut-Comedian. Zum dritten Mal erst stellte er sich mit seinem Programm "Der Jakob Wunder Weg" dem Publikum vor, und zum ersten Mal im Württembergischen, nämlich in Kirchberg. Das Senioren-Team um Elfriede Maier hatte schon im Hof zwischen Kirche und Dorfhaus aufgestuhlt, entschied sich angesichts der unsicheren Wetterlage aber,im großen Saal aufzustuhlen. Immerhin an die 120 Besucher kamen. "Wir sind stolz darauf, dass wir es geschafft haben, so viele Leute neugierig zu machen", sagte Elfriede Maier mit Blick auf ihr Unterstützer-Team.

Jakob Wunder handelte viele Themen ab: Tatoos, E-Bike fahrende Rentnergruppen, Nordic Walking, Handys und andere Erscheinungsformen des Zeitgeists. Im reinsten Illertal-Schwäbisch und so direkt, dass es wehtut. Anders als Comedians, die nur kokett sein, aber auf keinen Fall anecken wollen, spielen Jakob Wunders Geschichten für jeden nachvollziehbar an der Iller, in seinem Wohnort Bellenberg oder in Wald hinter Balzheim, wo er "wie die Wildsäue durchs Unterholz brechenden Geocachern" aus dem Weg gehen musste. An der Iller spazierend, vernahm er das Geklapper von "Stockenten", also weiblichen Nordic Walkern, nur um nach dem rettenden Ausweichsprung unter die Räder schweigend anbrausender E-Biker-Fahren zu geraten.

Im Publikum saßen Geocacher, Nordic Walker und E-Bike fahrende Rentner, die, anstatt empört zu reagieren, sich vor lauter Lachen ein Tränchen aus dem Auge wischten. "Es ist zum Lachen, weil es alles so wahr ist", sagte ein Besucher und traf damit die Sache auf den Punkt.

Vielleicht das wichtigste Thema ist für Jakob Wunder die Sprache und der Umgang mit ihr. Er karikierte die Aufhübschung von althergebrachten Begriffen wie Metzgereifachverkäuferin. Das nenne man in Zukunft wohl "Aufschnitt-Bachelor, Fachrichtung Schwartenmagen". Oder das "Haus des Kindes", das eigentlich ein ganz normaler Kindergarten sei. Oder eben das "Kompetenz-Centrum" einer Bank, in dem aber die weiterhin die ganz normalen Leute ihren ganz normalen Tätigkeiten nachgehen. Jakob Wunder bezieht sich in seinen Beispielen nicht auf irgendwelche nebulös-fernen Absurditäten, sondern entnimmt diese Begrifflichkeiten ganz konkreten Beispielen aus dem direkten Lebensumfeld seiner Zuhörer.

Entstanden ist das Programm, ganz grob gesagt, aus den Teilen, die er bisher schon in Balzheim bei den Theaterfreunden vorgetragen, und aus anderen, meist kürzeren Episoden, "die ich für die verschiedensten Anlässe einstudiert habe, und ein Drittel ist wirklich neu," verriet Jakob Wunder im anschließenden Pressegespräch. Zu den erprobten Geschichten gehörte das von ihm besonders gerne und gekonnt aufs Korn genommene "Chantalisieren". Damit nahm er wieder einmal die Unsitte auf Korn, Kindern eigenwillige Namen zu verpassen. Neu war es nicht, aber es zog noch immer.

Otmar Walcher fand die Bretter, die die Welt bedeuten, erstmals bei den Theaterfreuden Balzheim. Er spielt seit einigen Jahren aber auch sehr gerne bei der Vöhringer Laientruppe "Podium 70". Ambitionen, Abende wie den in Kirchberg regelmäßig anzubieten, habe er durchaus. Wer es schafft, schon in seinem ersten Programm solche Bühnenpräsenz auszustrahlen, dem sollte man solche Ambitionen wünschen. Ehrlich, schwäbisch und direkt.

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