Angelika Schosser strahlt. Ihre Armbanduhr hatte sie 30 Jahre lang treu begleitet. Doch trotz neuer Batterie blieb das Erinnerungsstück zuletzt immer wieder hängen. „Jetzt läuft sie wieder“, sagt die Seniorin. Schosser ist extra aus Ulm zur Premiere des Reparaturcafés im Unterelchinger Haus St. Michael angereist, nachdem sie davon in der Zeitung gelesen hatte.

Dass die Uhr wieder funktioniert, hat Schosser Karsten Dorn (76) zu verdanken. Der Oberelchinger ist Diplom-Ingenieur für Fertigungstechnik und bastelt für sein Leben gerne. Das trifft auch auf die Anderen zu, die sich nun alle zwei Monate defekten Lampen, Elektrogeräten, Kofferrollen, Vasen und vielem mehr annehmen: Neben Dorn mischt Klaus Schleifer (73) aus Thalfingen mit, der früher Prüf- und Messgeräte baute. Ebenso wie Maschinenbau-Ingenieur Rolf Rohde (65) aus Unterelchingen und Medizintechnik-Ingenieur Hannes Hiller (53) aus Thalfingen. Bei der Premiere nicht anwesend ist Karl Rebafka, Hobbybastler und Kirchenpfleger in Unterelchingen.

„Mich stört, wenn man Sachen wegwirft, obwohl nur Kleinigkeiten kaputt sind“, erklärt Hiller. Er hat das Reparaturcafé mitinitiiert. Sein erstes Erfolgserlebnis an diesem Tag: Eine Stehlampe, die ein Elektriker für 50 Euro repariert hätte, brachte er wieder zum Strahlen. Und die Besitzer gleich mit. Weniger Glück hat Siegfried Tiefenbeck, dessen PC-Monitor sich vor kurzem lautstark verabschiedete. „Eine Komponente ist durchgeknallt“, erklärt Hiller. Irreparabel. Bleibt nur der Recyclinghof. „Jetzt haben wir Gewissheit“, sagt Tiefenbeck, der samt Frau wieder von dannen zieht.

Auch Kajo Oesterle muss seine Kaffee-Pad-Maschine entsorgen, deren Heizkessel gerissen ist. Festgestellt hat das Rohde, der Spaß an der Fehlersuche, am Improvisieren und an der Müllvermeidung hat, wie er erzählt.

Der Agenda-Beauftragte Manfred Bittner ist zufrieden mit der Premiere im Haus St. Michael – für das die bürgerliche Gemeinde zur Café-Zeit Miete zahlt, während die Kuchen von Kirchenmitgliedern kommen: „Anders als in der Autowerkstatt sollen die Leute nach der Anmeldung bei der Reparatur hier zuschauen.“ Diese ist kostenlos, eine Spende gerne gesehen. „Jeder kann kommen.“ Wichtig sei, dass das Café – dem noch ein Elektromeister und ein teures Prüfgerät fehle – keine Konkurrenz zu Firmen sein soll. Es geht um Dinge, bei denen eine Profi-Reparatur in keinem Verhältnis zum Wert steht. Ähnlich wie in Nersingen. Das Reparaturcafé dort war Vorbild des Elchinger Ablegers. Und die Macher gaben im Vorfeld viele Tipps.

Angelika Schosser wird wohl nochmal vorbeischauen. Denn ihre Uhr ist nicht mehr wasserdicht. Dorn verspricht, passendes Werkzeug mitzubringen, damit der Deckel wieder schließt. Schließlich war Dorns Vater früher Uhrmacher.