Weißenhorn Preis für Künstliche Roboterhaut

Preisverleihung in München: Vorstandsvorsitzender der Bayernwerk AG Raimund Gotzel, Benno Timmermann (Mitte) und Wissenschaftsministerin Marion Kiechle.
Preisverleihung in München: Vorstandsvorsitzender der Bayernwerk AG Raimund Gotzel, Benno Timmermann (Mitte) und Wissenschaftsministerin Marion Kiechle. © Foto: Bayernwerk AG
Weißenhorn / Claudia Schäfer 03.12.2018

Kulturpreis – da denkt man an Malerei, Musik oder Tanz. Dabei ist der Kulturpreis, den die Bayernwerk AG und das bayerische Wissenschaftsministerium jährlich verleihen, auch eine Auszeichnung für herausragende bayerische Nachwuchswissenschaftler.

Einer von ihnen ist der 25-jährige Weißenhorner Benno Timmermann, der als bester Absolvent der Hochschule Kempten geehrt wurde. Seine Arbeit – „Modellierung der Dynamik einer flexiblen taktilen Haut und ihre Anwendung“ – hat er am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrttechnik in München erstellt. Hintergrund ist der zukünftige Einsatz von Robotern in extraterrestrischer Umgebung, etwa auf dem Mars. Über die künstliche, mit Sensoren gespickte Haut der Roboter wollen Wissenschaftler einmal sehr vielfältige und sehr genaue Hinweise auf die Bedingungen in den lebensfeindlichen Regionen erhalten.

Als „sehr interessant und toll“ beschreibt Timmermann seinen Weg zum Master. Doch sei die Arbeit sehr „visionär“. Ihn freue es, dass er in seiner jetzigen Stelle als Entwicklungsingenieur für Industrierobotik bei Bosch an Anwendungen forsche, die in wenigen Jahren auch tatsächlich eingesetzt würden.

Dass aus dem 25-Jährigen einmal ein begabter Ingenieur werden würde, zeichnete sich früh ab: Schon mit elf, als Schüler des Weißenhorner Gymnasiums, interessierte er sich für Robotik und baute seine ersten Roboter-Fußballspieler aus Lego-Komponenten. Bald reichten die Standardelemente nicht mehr, Timmermann fing an, selbst Platinen zu entwerfen. 2007 reiste er nach Atlanta/USA, wo er mit gerade mal 14 an seiner ersten Robotik-Weltmeisterschaft teilnahm. Später ließ er seine selbst entworfenen und gebauten Robo-Fußballer unter anderem in Österreich und China gegen die internationale Konkurrenz antreten. Immer dabei: Sein Vater Franz-Josef und sein älterer Bruder Jonas, mit dem er das „Team TNT“ bildete, „Timmermann und Timmermann oder TNT wie der Sprengstoff“.

Über die Jahre wurde das „Team TNT“ immer professioneller. Mussten Timmermanns zu Beginn alles aus eigener Tasche bezahlen, hatten sie später Sponsoren an der Hand, darunter die Weißenhorner VR-Bank und BMW. Ohne viel persönlichen Einsatz und Überzeugungsarbeit sei das nicht gegangen, erinnert sich Benno Timmermann. „Schließlich wollten die Sponsoren ja zu Recht wissen, wofür sie Geld geben, und auch was dafür gezeigt bekommen.“ Statt fürs Schrauben habe er immer mehr Zeit fürs Schreiben, etwa von Pressetexten oder Präsentationen, investiert.

Sein Bachelor-Studium absolvierte Timmermann an der Ulmer Hochschule, für den Master ging er nach Kempten. Maschinenbau sei das richtige Fach für ihn gewesen, sagt er: „Im ,Team TNT’ war ich immer mehr der Typ für die Hardware, mein Bruder der Typ für die Software.“ Dass er mit seiner Masterarbeit zu den besten Absolventen Bayerns gehört und nun Träger des bayerischen Kulturpreises ist, freut den 25-Jährigen. Allein schon die Preisverleihung in München sei ein „spitze Event“ gewesen. Trotzdem wolle er auf dem Boden bleiben und nicht sagen, er sei der Tollste. „Es gibt einfach noch so viel, was ich dazulernen kann.“

Wissenschaftler und Künstler ausgezeichnet

Preisträger Der Kulturpreis Bayern wird seit 2005 vom bayerischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst und der Bayernwerk AG für bedeutende künstlerische und wissenschaftliche Leistungen vergeben und ist mit insgesamt 96 000 Euro dotiert. Ausgezeichnet werden jeweils ein Künstler aus jedem der fünf Regierungsbezirke und die besten Absolventen der Hochschulen. Sie erhalten neben einem Preisgeld den „Gedankenblitz“, eine Bronzestatue. Unter den Gewinnern des Kunstpreises waren zum Beispiel Bruno Jonas und Gerhard Polt.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel