Bislang hat der Pesa Link III zwar nach Angaben des Eisenbahn-Bundesamtes keine Zulassung für Deutschland. „Es stehen für zahlreiche Fachgebiete noch Unterlagen und Dossiers aus“, teilt die Pressestelle der Behörde mit. Aber es ist ja auch noch eine Weile hin, bis dieser modern designte, dieselgetriebene Nahverkehrszug des polnischen Herstellers Pesa in der Region eingesetzt werden soll: Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2017 wird das der Fall sein. Dann verkehrt der Link III unter der Bahn-Bezeichnung VT 633 als Regionalexpress auf der Illertalbahn von Ulm über Kempten bis nach Oberstdorf, Pfronten, Lindau und Wangen. Vertreter der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) als Besteller und die DB Regio Allgäu-Schwaben als Sieger der europaweiten Ausschreibung dieser Strecke haben im Kemptener Rathaus den bis 2029 reichenden Verkehrsvertrag unterzeichnet.

26 Stück des VT 633 wird die DB Regio Allgäu-Schwaben einsetzen. Es handelt sich um neue niederflurige Dieseltriebzüge, Kostenpunkt laut Branchenberichten: rund 100 Millionen Euro. Seit der Jahrtausendwende werden die RE-Linien von Dieseltriebzüge des Typs VT 612 bedient. Diese werden nun ausgemustert. Der Nachfolger, schreibt die Bahn in einer Mitteilung, sei ein beschleunigungsstarker, dreiteiliger Zug mit einer Kapazität von 142 Sitzplätzen. Bis zu vier Züge können aneinander gekoppelt werden und bieten dann rund 560 Sitzplätze. Sie verfügen über mehrere Mehrzweckbereiche, eine Sitzlandschaft mit überwiegend vis-a-vis Sitzplätzen, Videoüberwachung und eine ausklappbare Rampe im Einstiegsbereich für mobilitätseingeschränkte Reisende.

Der Verkehrsvertrag beinhaltet auf der Illertalbahn einen Stundentakt zwischen Ulm und Kempten. Ab Kempten nach Oberstdorf geht es dann alle zwei Stunden weiter. Allerdings scheren auf diese Strecke zeitversetzt im Zweistundentakt die Züge des Typs VT 612 von der Linie Augsburg-Buchloe ein. Laut Bahn bleibt „das Fahrplankonzept im Wesentlichen unverändert“. Allerdings ergäben sich Detailverbesserungen: Zum Beispiel durchgehende Verbindungen von Pfronten nach Ulm und nach München. Außerdem ist künftig in jedem Zug ein Bahn-Mitarbeiter an Bord. Allerdings gibt es auch eine gravierende Verschlechterung. In „nachfrageschwacher Zeit“ entfalle ein Zugpaar, teilt die BEG mit: Von Dezember 2017 an verkehrt der Regionalexpress, der um 9.34 Uhr in Kempten startet und um 10.39 Uhr in Ulm ist, nicht mehr. Auch die Rückfahrt von Ulm um 11.19 Uhr und Ankunft in Kempten um 12.26 Uhr wird gestrichen. Was bedeutet, dass sich auch die Anbindung von Illertissen, wo diese Regionalexpresszüge bislang ebenfalls stoppen, verschlechtern wird.

Der neue Verkehrsvertrag umfasst alle Dieselstrecken im Allgäu mit Ausnahme der engeren Einzugsbereiche von München und Ulm sowie der Strecke nach Füssen. Im August 2013 hatten die BEG und das Ministerium für Verkehr und Infrastruktur Baden-Württemberg (MVI) das Dieselnetz Allgäu in zwei Losen und zwei Betriebsstufen ausgeschrieben. Den Zuschlag für beide Lose hat DB Regio erhalten.

Der Regionalbahn-Verkehr Ulm-Memmingen und Ulm-Weißenhorn ist darin nicht inbegriffen. Welche Fahrzeuge auf diesen Strecken eingesetzt werden, vermag die Bahn noch nicht zu sagen. Die BEG, die den Schienenverkehr im Freistaat plant, finanziert und kontrolliert, wird noch eine separate Ausschreibung durchführen für das so genannten „Dieselnetzes Ulm“, und zwar im ersten Quartal 2016.

 

Das Zulassungsverfahren

Sicherheit Aufgabe des Eisenbahnbundesamtes (EBA) als Zulassungsbehörde ist es zu prüfen, ob neue Züge die Sicherheitsvorschriften einhalten. Der Hersteller, sagt das EBA, muss sein Produkt selbst zur Zulassungsreife bringen: am Reißbrett, am Computer, in Probefahrten und Simulationen. Laut Gesetz muss die Behörde innerhalb von vier Monaten nach Vorlage aller Unterlagen entscheiden.