Nersingen Polizist soll Anwalt rassistisch beleidigt haben

OLIVER HEIDER 09.03.2012
Ein jahrelanger Nachbarschaftsstreit in Nersingen geht in die nächste Runde. Nun erhebt ein Rechtsanwalt schwere Vorwürfe gegen einen Polizisten.

Ein Streit im Nersinger Ortsteil Leibi gleicht einer Endlosschleife. Seit fast 20 Jahren beharken sich zwei Nachbar-Familien, etliche Verhandlungen vor dem Amtsgericht Neu-Ulm waren die Folge. Doch was die eine Partei, die eine Verschwörung von Polizei, Gericht und Landratsamt gegen sich wittert, nun behauptet, erreicht eine neue Qualität.

Ihr Rechtsanwalt, David Schneider-Addae-Mensah aus Karlsruhe, wirft einem Neu-Ulmer Polizeibeamten vor, in einem Telefonat mit seinem Mandanten diesem gedroht zu haben und den Anwalt selbst wegen dessen dunkler Hautfarbe gar rassistisch beleidigt zu haben. Er stellte daher bei der Staatsanwaltschaft Memmingen Strafanzeige und Strafantrag. Das Schreiben liegt der SÜDWEST PRESSE vor.

Einerseits, wird behauptet, habe der Polizist dem Nersinger voriges Jahr gedroht, ihn "über Ostern einzusperren", damit er, der Beamte, über die Feiertage "Ruhe" habe. Der Anwohner war mehrfach wegen Ruhestörung, Beleidigung und übler Nachrede verurteilt worden. Eine Berufungskammer am Landgericht stellte die Verfahren aber ein, weil der Nersinger laut psychiatrischem Gutachten bedingt schuldfähig und seine Frau schuldunfähig ist. Derzeit sind weitere Verfahren anhängig, weil der Mann Oberstaatsanwalt Markus Schroth und Staatsanwalt Andreas Rossa vor Gericht beleidigt haben soll. Der zweite Vorwurf Schneider-Addae-Mensahs wiegt schwerer. Als "dreckigen Neger" und "Würstchen" soll der Polizist den Anwalt bezeichnet haben. Es gehe einerseits um "schwere Nötigung", andererseits um "schwere rassistische Verunglimpfung".

Der Leitende Oberstaatsanwalt Johann Kreuzpointner bestätigte, dass der Strafantrag eingegangen ist. Der Vorfall werde geprüft, beide am Telefonat beteiligten Parteien werden angehört. Dem Leiter der Polizeiinspektion Neu-Ulm, Michael Keck, waren die Vorwürfe gegen einen seiner Beamten noch nicht bekannt. Er wollte sich daher auf Anfrage auch nicht äußern.