Verkehr Polizei will High-Risk-Biker ausbremsen

Die kurvenreiche Strecke bei Gundershofen im Schmiechtal (Alb-Donau-Kreis) ist bei vielen Motorradfahrern beliebt. Manche Biker riskieren im Rausch der Geschwindigkeit zu viel. Das Unfallrisiko ist nicht zu unterschätzen, findet die Polizei. 
Die kurvenreiche Strecke bei Gundershofen im Schmiechtal (Alb-Donau-Kreis) ist bei vielen Motorradfahrern beliebt. Manche Biker riskieren im Rausch der Geschwindigkeit zu viel. Das Unfallrisiko ist nicht zu unterschätzen, findet die Polizei.  © Foto: Eibner
Region / Carsten Muth 11.08.2018

Sie sind passionierte Biker, haben jede Menge Fachkenntnisse, eine moderne Ausrüstung – die Mitglieder der neuen Motorrad-Kontrollgruppe des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West. Kürzlich haben sie ihre Arbeit aufgenommen. Die Spezialisten auf zwei Rädern sollen ein Auge auf Biker und Maschinen haben, die Sicherheit von Motorradfahrern erhöhen. Die Gruppe besteht aus einem Stamm von vier Beamten – und einer Reserve von weiteren acht Kollegen. Eingesetzt werden die Biker-Polizisten im gesamten Schutzbereich des Präsidiums, das von den Allgäuer Alpen bis an die Donau reicht, also auch im Landkreis Neu-Ulm.

Hintergrund: Wer sich auf ein motorisiertes Zweirad setzt, gehe nun mal ein größeres Risiko ein als etwa Autofahrer, die bei Unfällen logischerweise einen besseren Schutz hätten, heißt es in einer Mitteilung des Präsidiums. Ein Sprecher der Polizei sagt: „Motorradfahrer bilden eine der Hauptrisikogruppen für Verkehrsunfälle.“

Innerhalb dieser Hauptrisikogruppe gibt es jene Fahrer, die die Polizei „High-Risk-Biker“ nennt. Eine Szene, von der ein besonders hohes Unfallrisiko ausgehe – deren „Mitglieder“ auf ihren Touren eine „hohe Risikobereitschaft“ zeigten, die laut der Experten auf Normen und Regeln pfeifen, Gefahren für sich und andere ignorieren.

Unfälle mit Beteiligung von Motorradfahrern erstrecken sich auf den gesamten Bereich des Präsidiums in Bayerisch-Schwaben. Gefährlich gehe es im südlichen Dienstbereich zu, etwa auf den beliebten Passstraßen. Bei Unfällen dort seien Biker häufig auch die Verursacher. „Dennoch können wir keine lokal eng begrenzten Unfallschwerpunkte feststellen“, betont ein Präsidiumssprecher.

Zur Ausstattung der Kontrollgruppe gehören Endoskop-Kameras, Winkelmesser und Schallpegel-Messgeräte, um unerlaubte technische Manipulationen an Motoren oder Auspuffen festzustellen – die die Maschinen schneller und häufig lauter machen. Will heißen: Wer seine Maschine frisiert oder mitunter röhren und dröhnen lässt, als würden zwei A 380-Jumbo-Jets auf einmal starten, bekommt Ärger.

Die Polizei betont: Die meisten Motorradfahrer halten sich an die Verkehrsregeln. Dennoch gebe es eine bedenkliche Quote im Freistaat. Demnach haben bei Motorradunfällen mit tödlichem Ausgang in zwei Dritteln der Fälle die Biker selbst den Crash verursacht. Ein Trend, der sich in den Zahlen des hiesigen Präsidiums widerspiegele.

Das Gespräch suchen

Die Kontrolleure auf zwei Rädern sollen nicht nur Fahnder, sondern auch Ansprechpartner und Berater sein, das Gespräch mit den Ausflugs- oder Feierabendbikern suchen, mit ihnen über Themen wie Fahrzeugbeherrschung oder die richtige Kleidung reden. Zudem betreuen die Motorrad fahrenden Polizisten „Veranstaltungen mit Motorradhintergrund, wie Motorradsegnungen oder Sternfahrten“.

Dem Präsidium geht es um mehr Sicherheit für die Motorradfahrer, stellt Vizepräsident Guido Limmer klar. Er ist selbst begeisterter Biker, findet: „Bei aller Freude, die uns das Motorradfahren bereitet, darf die eigene Sicherheit, aber auch die der anderen Verkehrsteilnehmer, nicht in den Hintergrund treten. Wegen der fehlenden Knautschzone können schon kleine Fahrfehler fatale Folgen haben.“

„Spezialwissen bis ins tiefste Detail“

Kontrollen Beim Polizeipräsidium Ulm, zuständig für die Stadt und die Landkreise Alb-Donau, Biberach, Göppingen und Heidenheim, gibt es keine spezielle Motorrad-Kontrollgruppe. „Aber wir haben unsere Motorrad-Profis bei der Verkehrspolizei“, sagt Präsidiumssprecher Wolfgang Jürgens. Diese sind beim Verkehrskommissariat in Heidenheim sowie den Verkehrsinspektionen in Laupheim und Mühlhausen (Kreis Göppingen) angesiedelt und verfügen Jürgens zufolge über „Spezialwissen bis ins tiefste Detail“. Bei Schwerpunktkontrollen würden diese Motorrad-Beamten von Kollegen aus anderen Präsidien unterstützt. Kontrolliert werde nicht zuletzt an informellen Treffpunkten von Motorradfahrern. Verabredungen zu solchen Treffen würden unter anderem in sozialen Netzwerken getroffen. Und manchmal kommt auch die Polizei mit einem Laser-Messgerät.

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