Sport Jennifer Sräga gehört zu den fähigsten Golferinnen

Hat’s einfach drauf: Jennifer Sräga bei der Golf-Europameisterschaft in Portugal.
Hat’s einfach drauf: Jennifer Sräga bei der Golf-Europameisterschaft in Portugal. © Foto: Privat
Senden / Claudia Schäfer 12.07.2018

Um die 30 Jahre alt sind Golfer üblicherweise, wenn sie den Gipfel ihres Könnens erreichen. Man wird in Zukunft also noch einiges hören von Jennifer Sräga, der amtierenden Deutschen Meisterin und Vize-Europameisterin der Golferinnen mit Behinderung. Schließlich ist die Sendenerin erst 18 Jahre alt und sieht bei ihren Leistungen selbst noch deutlich „Luft nach oben“.

„Ich muss mich manchmal zwicken.“ So richtig kann es Jennifer selbst noch nicht fassen, was da kürzlich passiert ist bei der Europameisterschaft im portugiesischen Troia. Angereist war sie, um Platz vier zu holen, vielleicht die Bronzemedaille. Am Ende gehörte die 1,30 Meter kleine Frau mit einem Handicap von 7 zu den ganz Großen des Turniers und hatte auf ihrem Weg zu Silber auch gleich noch die bis dahin amtierende Europameisterin Mette Lynggaard auf Platz drei verwiesen. Noch nie zuvor hat eine behinderte deutsche Golferin einen solchen Erfolg gefeiert. Dabei hatte es die ersten beiden Turniertage gar nicht so gut ausgesehen. Jennifer lag hinter Mette Lynggaard, allerdings nur mit zwei Schlägen. Am dritten Tag zog sie souverän an der 17 Jahre älteren Konkurrentin vorbei. Die Dänin habe Nerven gezeigt, erzählt Jennie: „Das konnte ich daran sehen, wie sie Bälle ins Aus geschlagen hat. Sie hatte ja auch was zu verlieren.“ Sie selbst habe dagegen einfach „ihr Ding“ machen können, da sie niemand auf der Rechnung gehabt habe.

Autogramm plötzlich gefragt

Die Hauptsache für sie sei es, Spaß zu haben, „die anderen können sich gerne unter Druck setzen“. Witzig fand die 18-Jährige, dass der Pilot des Flugzeugs auf der Rückreise nach Schwaben ein Autogramm von ihr wollte, als er erfuhr, dass er eine Vize-Europameisterin an Bord hatte. Autogramme? An so etwas hatte sie überhaupt noch nicht gedacht.

Nach dem Erfolg in Portugal möchte Jennifer Sräga im August ihren Titel bei den Deutschen Meisterschaften verteidigen. Unterschätzen werde sie jetzt keiner mehr, meint sie. „Ich möchte mich auf jeden Fall gut präsentieren.“ Danach steht die Entscheidung an, wie es in der kommenden Saison vereinsmäßig weitergehe. Seit einigen Monaten spielen Jennifer und ihre Schwester Stefanie in Augsburg in der Regionalliga und damit höherklassiger als in ihrem bisherigen Club Reischenhof bei Wain. Doch steht für die 18-jährige im nächsten Jahr die Abiturprüfung an. Und „Schule geht vor Golf“, das macht sie unmissverständlich klar. Sie werde sicher nicht den Schläger bis zum Abi im kommenden Juni an den Nagel hängen, aber ein guter Abschluss habe Vorrang, sagt Jennifer ganz pragmatisch: „Mit Golf ist nicht viel Geld zu verdienen.“

Zu wenige Sponsoren

Sehr gefreut hat sie sich kürzlich über die Spende eines Augsburger Elektrofachgeschäfts. Sonst sieht es eher mau aus, was Sponsoren betrifft: Die Reisekosten zu Turnieren zahlt die Familie selbst, auch die teure Spezialausrüstung. Allein reisen kann Jennifer schon wegen ihrer Körpergröße nicht, Mutter oder Vater müssen also mit. Doch sogar der Trainer der insgesamt dreiköpfigen deutschen EM-Mannschaft habe seine Fahrt nach Portugal selbst gezahlt, um bei den Sportlern zu sein, erzählt Jennifer.

Ein bisschen muss ihr Vater Uwe Sräga da den Kopf schütteln, sehe es doch in anderen Ländern mit der Förderung besser aus. Sogar Trainingslager würden dort in Vorbereitung auf ein großes Turnier gezahlt, sagt er: „Jennifers Erfolg ist doch auch ein Erfolg für den deutschen Golfverband, der sie nominiert hat.“

Sendenerin hat es schon ins Fernsehen geschafft

Reportage Der Bezahlsender Sky hat eine Reportage über die Europameisterschaften der Golfer mit Behinderung gedreht. Das Video ist – auch ohne Anmeldung bei Facebook – unter www.facebook.com/viasatgolfdk/videos/1984757778202167/ abzurufen. Er zeigt neben allgemeinen Eindrücken vom Turnier auch die Sendenerin Jennifer Sräga in Aktion. Golf ist bei den  Srägas übrigens Familiensport: Mutter und Vater spielen beide. Sie zeigten  Jennifer und ihrer zwei Jahre älteren Schwester Steffi den Sport.

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