Natur Pilzpapst Enderle unterstützt die Polder-Gegner

Leipheim/Elchingen / Von Michael Janjanin 14.01.2017

Die Initiative, die gegen den Bau eines Flutpolders als Überschwemmungsventil für die Donau angeht, bekommt Unterstützung von Manfred Enderle. Der Umweltpreis- und Bundesverdienstkreuzträger und Pilzexperte hält nichts von der Absicht,  die Waldflächen zwischen Elchingen und Leipheim im Hochwasserfall zu fluten. „Der Bau eines Polders mit der damit zusammenhängenden Überflutung würde einen Großteil der dortigen Flora und Fauna dauerhaft zerstören“, schreibt er zu den Plänen.

„In manchen Teilen des Waldes dort darf nicht einmal ein Blümchen pflücken – und dann das“, ergänzt Enderle und wiederholt seine mündlich geäußerte Kritik aus dem Bürgerbeteiligungsverfahren für die Pläne. Diese sehen folgendermaßen aus: Der für Bayerisch-Schwaben geplante Flutpolder soll eine Fläche von 630 Hektar haben und im Notfall zwölf Millionen Kubikmeter Wasser fassen können. Entstehen soll die Hochwasserschutz-Notbremse, wie ihn die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf nennt, im Auwald zwischen der Stadt Leipheim und dem Teilort Weißingen, der A8 und der Donau. Die Leipheimer verstehen sich als Verlierer einer Baulandpolitik, bei der „von Freiburg bis Passau jeden Tag Fläche versiegelt wird“ – auch in Überschwemmungsgebieten.  Mit einem Polder, in dem im Notfall das Wasser bis zu fünf Meter hoch stehen soll, erhöhe sich der Grundwasserdruck auf bestehende Gebäude, landwirtschaftliche Flächen würden geflutet, die Leipheimer Trinkwasserversorgung sei gefährdet. Zudem würde sich eines der wertvollsten Biotope Süddeutschlands verändern. Die Naherholung und die touristische Infrastruktur des Donauradwanderwegs sei  bisher ein Pluspunkt für Leipheim und Umgebung gewesen. „Und der Naturschutz“ , ergänzt Enderle. Dadurch, dass die Donau weitgehend kanalähnlich gestaltet wurde, sei ein anderer Wald entstanden. Einer, „der keine Überflutungen in diesem Ausmaß verträgt“. Vor allem nicht die Pflanzen und Tiere, die sich dort angesiedelt haben „und nun erstickt und ersäuft würden“.

In Bayern seien ohnehin an die 1300 Pilzarten gefährdet, das sind 40 Prozent.  Beim Auwald liege die Gefährdungsrate deutlich über 50 Prozent. „Dabei nehmen Pilze aufgrund ihrer ökologischen Vielfalt eine Schlüsselfunktion im Naturhaushalt ein“, sagt Enderle. Bei den Arten, die er in den vergangenen 30 Jahren in dem Wald gefunden habe, handle es sich in vielen Fällen um Erstfunde für die Kreise Günzburg und Neu-Ulm – „sogar für ganz Deutschland“. Getrocknete Exemplare seien in den Staatssammlungen in München, in den Universitätsherbarien in Edinburgh, Kiew, in Holland und im Naturkundemuseum in Karlsruhe zu sehen. An ausgesuchten Stellen seien Pilze wie der Schnee-Rübling aus dem Weißinger Donauwald, der Einsiedler-Wulstling oder der zinnoberrote Kelchbecherling auch in dem betreffenden Forsten zu finden. „Diese wären durch den geplanten Polder in ihrer Existenz bedroht“, lautet die Einschätzung des Pilzexperten.

Enderles Gegenvorschlag: Wesentlich naturverträglicher wäre es, die vielen Wiesen und Äcker entlang der Donau bis Passau an verschiedenen Stellen für Polder zu verwenden. „Diese sind ökologisch deutlich weniger wertvoll.“ Seiner Einschätzung nach „aber auch teurer, als einfach den Staatsforst dafür herzunehmen“.

3000 Arten in der Region

Forschung An die 3000 Pilzarten wachsen in der Region. Zu verdanken ist diese Erkenntnis einem Hobbyforscher: Manfred Enderle. Der in Riedheim lebende 69-Jährige hat seine Forschungsergebnisse in vielen Publikationen veröffentlicht. Der frühere Exportkaufmann und Dolmetscher ist als Pilzforscher bekannt – auch in Japan und in den USA. Er hat viele Auszeichnungen eingeheimst. Außerdem sind zwei Pilzarten nach ihm benannt: Enderles Rötling und Enderles Samthäubchen.

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