Weißenhorn Peri wächst auch ohne China

Weißenhorn / FRANK KÖNIG 23.08.2013
Der weltweit führende Hersteller von Schalungen und Gerüsten Peri kann die gute Baukonjunktur in Deutschland für sich nutzen, ist jedoch auch international breit aufgestellt. Es gibt Investitionen in Weißenhorn.

Die Region Ulm/Neu-Ulm kann auf beachtliche mittelständische Unternehmen bauen. Im Industriegebiet Weißenhorn befindet sich die zweitgrößte produzierende Firmengruppe: der Hersteller von Schalungen und Gerüsten Peri mit weltweit 6600 Mitarbeitern. Lediglich die Wieland-Werke sind international noch etwas größer.

Das familiengeführte Unternehmen profitiert auf dem Heimatmarkt von der starken Baukonjunktur. "Wir sind sehr zufrieden", sagte Alexander Schwörer von der Gründerfamilie. Besonders in Ulm gebe es Peri-Produkte "an jeder Ecke" zu sehen. Die Firma sei jedoch darüber hinaus breit aufgestellt. Der deutsche Umsatzanteil liegt bei einem Zehntel, in Europa macht Peri etwa die Hälfte des Umsatzes. Während in Spanien der eingebrochene Baumarkt nun das Volumen des früheren Peri-Umsatzes hat, zieht das Geschäft in Nordamerika stark an. Daher erwartet Schwörer eine erneute Steigerung der Erlöse, die 2012 nach dem vorübergehenden Rückgang infolge der globalen Krise wieder die Schwelle von einer Milliarde Euro überschritten haben.

Nur in China ist Peri nicht tätig. Die geschäftlichen Risiken seien zu hoch, erläutert Schwörer. Der Fokus liege zudem auf billigen Bauten. Der für die Produktion zuständige Geschäftsführer Ekkehard Gericke betont: "Wir wachsen auch ohne China." Man habe sich mit Blick auf Asien klar für Indien entschieden. In Afrika ist Peri vereinzelt aktiv.

Der Heimatstandort im Industriegebiet in Weißenhorn, an dem Peri 1969 von Artur Schwörer gegründet wurde, ist größter Nutznießer der internationalen Expansion. Die Firma produziert hier 95 Prozent der Holzträger für ihre Schalungen, der Rahmen und Gerüste. Weitere kleinere Fertigungen gibt es in der Türkei, in Südafrika, Indonesien, Brasilien. Die Schaltafeln selber stammen übrigens aus Finnland. Peri ist nach Schwörers Worten der größte Importeur von finnischem Birkensperrholz. Mit den Holzspänen, die in der eigenen Produktion anfallen - es werden jährlich tausende Meter Träger aus Rohholz hergestellt -, betreibt Peri sogar ein Heizkraftwerk.

Die Voraussetzungen auf dem Betriebsgelände wurden deutlich verbessert, seitdem Peri die zuvor durch das Areal laufende Rudolf-Diesel-Straße, wie berichtet, schließen lassen konnte. Dies hat für das Unternehmen vor allem den Vorteil, dass es nun wegen des höheren Sicherheitsstandards im Werk seitens des Luftfahrtbundesamts als "behördlich anerkannter bekannter Versender" eingestuft wurde. Das bedeutet, dass die sonst erforderlichen aufwendigen Prüfungen von Luftfracht-Containern, die bei Peri zusammengestellt werden, entfallen. Damit ist nicht nur ein Kosten-, sondern ein Zeitvorteil verbunden.

Die Familie Schwörer will weiter in das Heimatwerk investieren, im vergangenen Jahr betrugen die Investitionen zwölf Millionen Euro. So ist ein neues Bürogebäude beim Haupteingang mit 140 Plätzen entstanden, das gerade bezogen wird. Auch das leergeräumte Bundeswehrgelände kann in die Planungen einbezogen werden. An der Rudolf-Diesel- und Daimlerstraße verfügt Peri über 360 000 Quadratmeter.

Von diesem Standort gehen die Produkte in alle Welt, allein für die Erweiterung des Panama-Kanals waren es 950 Container. Es gibt Kauf- und Mietmodelle. Zu den laufenden Projekten gehören das Museum of Tomorrow in Rio, der Hongkong-Macau-Tunnel, ein Staudamm in Laos, ein Airport-Terminal in Abu Dhabi, im Inland das neue Berliner Schloss und Audimax der Universität Lüneburg von Daniel Libeskind. Auch der L-Tower von Libeskind in Toronto wurde mit einer Peri-Kletterschalung erstellt. Schwörer: "Da gibt es oft keine rechten Winkel." Bei diesen komplexen Vorhaben ist die Erfahrung und Ingenieursleistung von Peri besonders wichtig.

Für die Familiengesellschafter - neben Alexander Schwörer ist dies sein Bruder Christian - geht es speziell darum, die Unternehmenskultur weltweit in allen Tochterfirmen zu etablieren. Peri bleibt nach Alexander Schwörers Worten in Familienbesitz, ein Börsengang scheidet aus: "Wir wollen unabhängig bleiben." Peri sei stets solide finanziert.

1600 Mitarbeiter am Standort Weißenhorn