Er scheint es mit einer gewissen Genugtuung zur Kenntnis zu nehmen. Dass der Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) Migration als „Mutter aller Probleme“ bezeichnet hat. Gerhard Großkurth, der Direktkandidat der AfD im Wahlkreis Neu-Ulm, nimmt es als Steilvorlage: Dies sei zwar eine grobe Vereinfachung, aber nicht ganz von der Hand zu weisen. „Tatsächlich gibt es kaum ein Thema, das nicht von der faktisch unbegrenzten Zuwanderung betroffen ist. Die AfD ist entschlossen, daran etwas zu ändern.“

Das sei auch sein Beweggrund, weiter in der Partei mitzuarbeiten. Politischen Gegenwind zu ertragen, das habe er schon während seiner Studienzeit gelernt. In Göttingen – damals eine Hochburg der Linken – tritt er in die CDU  ein. Unter Merkel sei die Union aber selbst zu einem Teil des linken Spektrums geworden. „Wir bringen die Themen auf den Tisch, die gerne tabuisiert werden“, sagt Großkurth.

Ethische Beweggründe, mehr als eine Million Flüchtlinge in kurzer Zeit in Deutschland aufzunehmen, spricht Großkurth der Regierung von Bundeskanzlerin Angela Merkel rundweg ab.

Das hat er im Wahlkampf vergangenes Jahr bereits getan, als er Direktkandidat der AfD für die Bundestagswahl war. Für Großkurth herrscht immer noch der „Versuch, auch abgelehnte Asylbewerber im Land zu behalten. Es ging und geht nur darum, möglichst viele Fremde ins Land zu holen“, ist seine Auffassung.

„Faktisch unbegrenzte Zuwanderung“ bei inzwischen stark gesunkenen Asylbewerber-Zahlen? „Das ist nur eine wahltaktische Verschnaufpause.“ Er ist sicher, dass die Zahlen bald wieder ansteigen werden und verweist auf das UN-Migrationsabkommen, das die Bundesregierung schon bald nach den Wahlen unterzeichnen werde. Das „altbekannte Gerede von der Bekämpfung von Fluchtgründen“ ist für ihn reine Beschwichtigungsrhetorik. À la AfD geht es weiter: Ohne wirksame Geburtenkontrolle, insbesondere in Afrika, sei jeder Versuch vergebens. Für ausreisepflichtige Migranten werde nach seiner Ansicht Geld verbraucht. Dieses werde dringend gebraucht zur Linderung der sozialen Folgen, die die mit der Digitalisierung einhergehenden Arbeitsplatzverluste mit sich bringen werden. Und für die Forschung, „um den Anschluss nicht zu verlieren“. Ebenso für die Bildung, den Wohnungsbau und die Pflege. Die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems, G8 und die Inklusion an den allgemeinbildenden Schulen hält er für  bildungspolitische Irrwege. Auch die Einführung von Bachelor und Master anstelle des „angesehenen deutschen Diploms“ sieht er kritisch. Internationalisierung um ihrer selbst willen und die Aufgabe von Bewährtem sei der falsche Weg, der richtige die eigene  Zukunftssicherung.

Sorge um Demokratie

Ist Gerhard Großkurth ein Ewiggestriger, der das „Früher“ einfach als besser empfindet und keine Ausländer mag? Nein, sagt er entschieden. Schon während der Schulzeit und erst recht während des Studiums sei er geradezu darauf gedrillt worden, alles Bestehende in Frage zu stellen und nach Lösungen zu suchen. Seit vielen Jahren verdiene er als IT- und Innovationsmanager genau damit sein Geld. Dazu gehöre allerdings auch, dass nicht jede Änderung ein Fortschritt sei.

Mit seinen Ansichten sieht sich Goßkurth nicht als Mensch mit extremen rechten Ansichten, sondern als Pragmatiker mit Prinzipien.  „Ich sorge mich um die Demokratie.“ Und der Grund zur Sorge sei nicht die AfD. „Das System ist in Teilen korrumpiert, die Altparteien immer schlechter in der Lage, die Probleme zu bewältigen.“ Dass diese Ansichten viele als Rechtsextremismus und Rassismus verstehen, schockiert ihn und empfindet er als Diffamierung. „Auch dass wir in den Medien so dargestellt werden. Fakt ist, keine Partei hat strengere Aufnahmekriterien zur Abwehr von Extremisten als die AfD.“

 Hat die Partei die Absicht, die eigenen Vorschläge in Verantwortung umzusetzen? „Zur gegebenen Zeit ja“, sagt Großkurth. Das hat offensichtlich auch der amtierende Ministerpräsident Markus Söder (CSU) verstanden, bemüht sich um Abgrenzung und enthält sich AfD-naher Migrationsrhetorik. Großkurth: Eine Regierungsbeteiligung käme für die meisten seiner Parteikollegen erst dann in Frage, wenn sichergestellt sei, dass „wir die Politik so auch tatsächlich in unserem Sinne verändern können. Bis dahin gilt: Wir bleiben die einzige echte Oppositionspartei“.

Seit 2013 in der AfD


Zur Person Gerhard Großkurth ist 1961 in Rotenburg an der Fulda geboren. Nach Wehrpflicht und Studium der Geologie war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Geochemischen Institut, am Forschungszentrum Waldökosysteme der Uni Göttingen und am Geologischen Landesamt Mecklenburg-Vorpommern. 1999 Promotion, seit 2000 IT-Berater. Er ist Kreisvorsitzender der AfD und seit 2013 Mitglied in der Partei.

Nuxit: Fürs Zusammenwachsen


Nuxit Vom Nuxit-Antrag und dem Bestreben der Stadt Neu-Ulm, den Landkreis zu verlassen, war Gerhard Großkurth (AfD) schon vor einem Jahr nicht angetan. „Er ist bürokratisch, aufgebläht und teuer.“  Die sinnvoll gestellte Frage ist für ihn, ob es hinterher für alle besser wird: für Stadt und Landkreis. „Sie werden’s nicht gauben: Ich bin eher fürs Zusammenwachsen als fürs Auseinanderdividieren“, ergänzt Großkurth.