Erziehung Thomas Barta nutzte als einer der ersten Väter 2007 das Elterngeld

Von Niko Dirner 05.12.2017

Freiwillig auf Geld verzichten? Die Karriere für einige Wochen unterbrechen? Stattdessen Windeln wechseln? Genau dazu sollen Väter mit dem Elterngeld bewegt werden. Heute machen viele mit, vor zehn Jahren aber war das Programm ganz frisch. Thomas Barta aus Illertissen war damals einer der ersten Väter, die die neue Familienförderung in Anspruch genommen haben – keine 500 männliche Elterngeldbezieher gab es 2007 in Schwaben. Über 5000 sind es heute. Wie fühlt sich der Pionier im Rückblick? Und was sagt seine Frau? Wir haben nachgefragt.

„Ich würde es jederzeit wieder so machen.“ Thomas Barta muss keine Sekunde lang überlegen. Das Elterngeld, ergänzt seine Frau Marita, sei eine super Sache. Beide schwelgen in Erinnerungen an die Zeit nach der Geburt von Tochter Amelie am 2. Februar vor zehn Jahren: Der Papa war immer nachts mit der Betreuung dran, wachte bis um fünf Uhr neben seiner Tochter, brachte sie der Mutter nur zum Stillen, legte sie wieder ins Bett. Die Mama übernahm am Morgen, während er schlief. Um neun Uhr abends sank sie in die Federn, und er kümmerte sich wieder ums Baby. „Die drei Monate waren viel Arbeit, aber auch eine große Bereicherung für mich“, fasst der 40-Jährige zusammen. „Man sieht, was sie jeden Tag Neues lernt, kriegt sie nicht bloß am Abend zwei Stunden mit.“ Außerdem, und darauf ist er stolz, war er es, dem die Kleine mit acht Wochen ihr erstes Lächeln schenkte.

Dass es beim zweiten Kind eine Wiederholung geben würde, sei klar gewesen, ergänzt Marita Barta, 40. „Und bei Michael war es noch wertvoller, dass der Papa daheim war.“ Denn der Sohn kam zur Welt, kurz nachdem die Bartas den Schlüssel für ihr Haus am Ammersee bekommen hatten. Ein Neubau nahe der Großeltern, der längst hätte fertig sein sollen.

Mama kann Pause machen

„Außerdem war die zweite Geburt anstrengender“, erzählt Marita Barta. Für die geplante Fahrt an die Illertalklinik reichte es nicht. Mutter und Sohn kamen recht geschafft nach Hause, wo sich die Babybodys in Umzugskartons versteckten. „Allein wäre das nicht gegangen“, sagt sie, „weil aber der Papa da war, konnte ich mich mal hinlegen.“

Und, was den Eltern ebenso wichtig war: Die auf ihren kleinen Bruder eifersüchtige Schwester war nie allein. Sie in eine Krippe geben, das wollten die Bartas nicht. Erinnern könne sich Amelie natürlich nicht an diese Zeit, dafür war sie zu klein. „Aber wenn ich ihr Fotos von damals zeige, wo sie etwa mit Papa auf dem Sofa liegt, dann stellt sie fest, dass das was Besonderes war, dass er damals für sie da war.“

Die Vorreiterrolle, die er vor zehn Jahren eingenommen hat, habe ihm nicht geschadet, meint Thomas Barta. Nach und nach seien in seinem Team bei Airbus in Laupheim (heute Diehl) die Kollegen seinem Beispiel gefolgt. Dasselbe gelte im Freundeskreis. „Mittlerweile macht es fast jeder“, sagt er. Und so dumme Fragen wie damals – etwa: „Ach, du gehst dann drei Monate Skifahren?“ – seien Geschichte.

Wobei Thomas Barta 2009 wieder den einen oder anderen Kommentar einstecken musste, weil er sich damals erneut dran machte, Arbeit und Familie besser zu vereinen – Stichwort: Home Office. Eine Stunde und 20 Minuten dauert der einfache Fahrtweg von Eching nach Laupheim. Zeit, die sich mit Arbeiten vom heimischen Schreibtisch aus besser nutzen ließe, argumentierte er seinen Vorgesetzten gegenüber. „Ich musste schon viel erklären, musste überzeugen.“

Beim Geburtstag sind alle da

Wieder war der Berechnungsingenieur nämlich einer der ersten, der die Möglichkeit für Eltern – festgelegt in einer Betriebsvereinbarung – nutzen wollte. Und schließlich durfte: Einen Tag in der Woche ist er seit 2009 von Eching aus tätig, jede zweite Woche sind es zwei Tage. „Wenn er beim Frühstück da ist, läuft alles viel entspannter“, schwärmt seine Frau. Zumal sie zwischenzeitlich auch wieder in ihrem Beruf als Arzthelferin gearbeitet hat. Beim Laternenumzug, bei den Schulfesten oder den Kindergeburtstagen könne der Papa oft dabei sein. „Das ist toll.“ Die Kehrseite sei, dass er den Arbeitslaptop zu Hause hat und auch abends mal noch eine Stunde dranhänge, um etwas fertigzubekommen.

Zurück zum Elterngeld: Sein Fazit: „Ich will die Zeit nicht missen. Ich kann jedem nur empfehlen, es direkt nach der Geburt zu machen.“ Und die Zeit nicht ein Jahr nach der Geburt für Urlaubsreisen herzunehmen. „Wichtig ist doch, in einen gemeinsamen Alltag hineinzufinden.“

Immer mehr Väter gehen in Elternzeit

Regelung Das 2007 eingeführte Elterngeld beträgt bis zu 100 Prozent des Nettolohns. Das Elterngeld wird an Vater und Mutter für maximal 14 Monate gezahlt; beide können den Zeitraum untereinander aufteilen. Ein Elternteil kann höchstens zwölf Monate beanspruchen. Zwei Zusatzmonate gibt es, wenn sich der Partner an der Betreuung beteiligt. Für Kinder, die ab 1. Juli 2015 geboren wurden, gibt es als Alternative das Elterngeld-Plus. Es wird doppelt so lange gezahlt, beträgt aber nur die Hälfte des Basiselterngeldes, eignet sich also für Teilzeitbeschäftigte.  Der Freistaat Bayern hat seit 2007  8,2 Milliarden Euro Elterngeld ausbezahlt, rund eine Milliarde Euro war es allein 2016.

Väter Der Anteil an Vätern, die Elterngeld beziehen, steigt ständig. Die jüngsten Zahlen auf Kreisebene sind von 2014. Damals gab es im Kreis Neu-Ulm 1482 Geburten, bei 550 Kinder davon nahmen die Väter Elternzeit, 37 Prozent. Im Alb-Donau-Kreis waren es 1677 Geburten, 651 Väter, 39 Prozent. Die meisten Väter nehmen zwei Monate.