Weißenhorn Pädagoge informiert Eltern über soziale Netzwerke

Pädagoge Manfred Ness hat in der Weißenhorner Realschule über die Tücken neuer Medien gesprochen.
Pädagoge Manfred Ness hat in der Weißenhorner Realschule über die Tücken neuer Medien gesprochen. © Foto: MATTHIAS SAUTER
Weißenhorn / MATTHIAS SAUTER 10.07.2015
Welche Medien werden von Jugendlichen genutzt? Wie schützt man seine Privatsphäre? Diese und weitere Fragen hat Medienpädagoge Manfred Ness Eltern in Weißenhorn beantwortet.

Skype, WhatsApp, Facebook: Mittelschullehrer Manfred Ness ist in vielen sozialen Netzwerken und Chat-Diensten unterwegs. Allerdings nicht privat. Als Leiter des Schulmedienzentrums Memmingen/Mindelheim erforscht Ness das Medienverhalten von Kindern und Jugendlichen. Seine Erkenntnisse hat er am Dienstagabend bei einem medienpädagogischen Abend an knapp 200 Eltern von Fünft- bis Achtklässlern der Städtischen Realschule Weißenhorn weitergegeben. Und dabei viele Zuhörer überrascht.

Im ersten Teil seines Referats, das er im Auftrag der Stiftung Medienpädagogik Bayern hielt, informierte Ness über den Stand der Mediennutzung und stellte verschiedene Nutzungsarten vor: „Beispiele sind chatten, spielen und Nachrichten schreiben“, sagte Ness.

Laut einer Studie besitzen 97 Prozent der Jugendlichen ein eigenes Smartphone, 92 Prozent verfügen über einen Internetzugang im eigenen Zimmer.

Der studierte Medienpädagoge und Informationstechniker rät Eltern, den Internetzugang einzuschränken: „Man kann in den Router eingeben, wann welches Gerät auf WLAN zugreifen darf.“

Im Gegensatz zum steigenden Internet- und Handykonsum habe die Nutzung des sozialen Netzwerks Facebook im vergangenen Jahr zwischen 11 und 15 Prozent abgenommen. Ein Grund sei die Konkurrenz durch den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Zudem sei für viele Jugendliche die Aufmachung von Facebook zu überladen. „Wie schwierig ist es, ein Facebookprofil zu löschen?“, fragte daraufhin eine Mutter. Laut Ness ist die Löschung grundsätzlich kein Problem, jedoch könne ein Profil „nicht ausradiert“ werden. Dies hänge insbesondere mit den zahlreichen Kopien zusammen, die Facebook ständig anfertige. Das Netzwerk der Zukunft ist nach Einschätzung des Wissenschaftlers das Videoportal YouNow, das ursprünglich für Nachwuchskünstler eingerichtet wurde.

Ein weiteres Thema in Weißenhorn war der Schutz der Privatsphäre. „Wir laufen Gefahr, unsere Privatsphäre komplett zu verlieren, da alle Daten protokolliert und kopiert werden“, sagte Ness. Er empfahl den Eltern, die Privatsphäre-Einstellungen in sozialen Netzwerken regelmäßig zu kontrollieren und mit den Kindern klare Vereinbarungen zu treffen, welche Infos sie preisgeben dürfen.

Aufpassen sollten die Eltern auch bei den Urheber- und Persönlichkeitsrechten: Der Fachmann wies darauf hin, dass der Download von geschütztem Material strafrechtlich verfolgt werden kann. Überdies gab Ness in seinem Vortrag Ratschläge zur Bekämpfung von Cyber-Mobbing und erläuterte den Begriff „Medienkompetenz“.

„Ich fand den Vortrag sehr informativ. Die Problematik betrifft jede Familie“, sagte Zuhörer Ralph Metzger. Der Wullenstetter zeigte sich überrascht über die viele negativen Seiten der sozialen Netzwerke: „Meine Frau und ich wurden heute wachgerüttelt. Wir wollen das Thema mit unseren Kindern besprechen.“ Für Reiner Gerstlauer aus Senden waren Details zum Urheberrecht neu. Den Vortrag fand er nur bedingt interessant: „Ich hätte mir mehr Praxistipps und Gefahren-Hinweise gewünscht.“

Über Medien informieren

Tutoren Die Städtische Realschule Weißenhorn verfügt über zwei Tutoren, die für die medienpädagogisch-informationstechnische Beratung verantwortlich sind. Für interessierte Schüler wird die Wahlfachgruppe „Neue Medien“ angeboten.

Projekte Nach Angaben des Zweiten Konrektors Hubert Miesauer werden zusätzlich medienpädagogische Projekte in verschiedenen Klassen durchgeführt. Auch im Deutsch- und Informationstechnologie-Unterricht spiele das Thema eine Rolle. „Wir versuchen primär, die Schüler der sechsten und siebten Klassen zu sensibilisieren.“

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