Lisa Maria Sporrer  Uhr

Ich bin der Mann fürs Grobe“, sagt Lothar Flittner. Einer, der sich traut zu sagen, was Sache ist. Zitternd stand er gestern früh in der Kälte vor der Asylunterkunft im LEW-Gebäude in Illertissen und wartete mit den Flüchtlingen auf den Umzugswagen. Zwei Tage vorher hatte das Mitglied im Helferkreis einen Beschwerde-Brief ans Landratsamt geschrieben, worin er den Umgang mit den Bewohnern kritisierte. Der Grund: Keine Woche vorher hing in der Unterkunft ein Zettel. Den Bewohnern wurde mitgeteilt, dass in Kürze ihr Umzug ansteht. „Ihnen und auch dem Herrn Landrat dürfte sicher nicht entgangen sein, dass es in vielen Ortschaften Helferkreise gibt, die sich sehr intensiv mit viel Zeitaufwand und Herzblut um unsere Asylsuchenden kümmern“, schrieb Flittner in der Beschwerde . Denn wie die Asylsuchenden erfuhr auch der Helferkreis lediglich durch den Zettel an der Eingangstür von dem bevorstehenden Umzug.

Empört über den Stil

„Es geht nicht um den Umzug. Dass er irgendwann kommt, war klar“, sagt auch Edwin Sannwald aus dem Helferkreis. „Der Stil ist nicht okay.“ Die Vorgehensweise wirke wie ein Umgang mit Menschen dritter Klasse, sagte er. „Das ist für uns wie ein Schlag ins Gesicht“, empört sich Flittner. In dem Brief, den er an den zuständigen Mitarbeiter Sebastian Bunk adressiert hat, bemängelt er besonders, dass bei so wichtigen Entscheidungen kein Kontakt zu den Helferkreisen gesucht wurde. „Ich hoffe, dass in Zukunft die Landkreisverwaltung mehr den persönlichen Austausch mit den Arbeitskreisen Asyl sucht.“

Dies sei bisher nicht der Fall gewesen. Im Gegenteil berichteten Betreuer , dass sie sich ‚abgekanzelt‘ vorkämen, wenn sie das Gespräch im Landratsamt suchten. „Das kann nicht sein“, schloss Flittner seinen Brief. Das Antwortschreiben von Theresa Hopfensitz aus dem Landratsamt ließ nicht lange auf sich warten. Die Ausführungen machten deutlich, dass der Kontakt zwischen den behördlichen Stellen und dem Helferkreis in Illertissen tatsächlich nicht funktioniert. Denn Bunk, der gestern mit dem Umzugswagen und Packhelfern im Saumweg 7 vorfuhr, hatte nicht nur das Schreiben dort vor einer Woche angebracht, er hatte auch das persönliche Gespräch mit den Bewohnern gesucht.

„Das Haus musste nun leider recht kurzfristig geräumt werden, weil der Mietvertrag auslief“, sagte er. Den Schlüssel zu der neuen Unterkunft im alten Gesundheitsamt hätten sie selber erst vor einer Woche erhalten. „Wir schätzen sehr, dass es euch hier gibt“, sagte Bunk im Gespräch mit Flittner und fügte hinzu: „Das Problem ist nur, dass wir bis zu dem Schreiben nicht wussten, dass es euch hier überhaupt gibt.“

Bisher sei in Flüchtlingsangelegenheiten mit der Stadtverwaltung kommuniziert worden. „Umzüge von Bewohnern in neue Unterkünfte werden in der Verantwortung der Ausländerbehörde durchgeführt. Eine Erwartungshaltung der Ausländerbehörde, Helfer müssten sich in die Organisation einbringen, besteht nicht, bekam Flittner als Antwort auf seinen Brief, in dem er die Vorgehensweise der Mitarbeiter beim Landratsamt mit „Aufforderungsschreiben vor 1945“ verglichen hatte.

Während sich also im Vorfeld die Angelegenheit hochzuschaukeln schien, kam es beim Umzug der 22 Bewohner eritreischer und somalischer Herkunft zu klärenden Gesprächen zwischen Bunk und Flittner. Letzterer resümierte am Ende, als alles in den Laster eingeladen war: „Ich hätte ja nicht gedacht, dass es nun so reibungslos funktioniert, auch bezogen auf die Bewohner.“

Denn nicht nur dem Helferkreis und dem Landratsamt gehe es um eine gute Kommunikation miteinander und untereinander, wie beide beteuerten, sondern auch den Bewohnern selbst. „Wir sind schon gespannt auf unsere neue Wohnung“, sagte Merhawi aus Eritrea, der sich dann mit „Tschüss und Grüß Gott“ auf den Weg zu seinem neuen Heim machte.

Alle zwei Wochen Treffen

Asylbeauftragte Im Februar hat Melitta Balaban das Amt der Asylbeauftragten der Stadt Illertissen von Nadine Ströer übernommen. Sie kümmert sich um alle Fragen, die mit Asyl zu tun haben: Sie hilft bei der Wohnungssuche oder beim Ausfüllen von Unterlagen. Alle zwei Wochen findet  dienstags im Pfarrheim ein gemeinsames Treffen der Asylbeauftragten Balaban mit den Helferkreisen aus Illertissen statt. Daran nehmen auch die Integrationsbeauftragte Hülya Cakmak sowie Nadine Ströer, nun als ehrenamtliche Helferin, teil. lms