Wohnen Ortsprägendes Haus wird zur Flüchtlingsunterkunft

Das Haus für die Flüchtlinge in Altenstadt ist nicht mehr eingerüstet, die Flüchtlingsfamilien bewohnen es.
Das Haus für die Flüchtlinge in Altenstadt ist nicht mehr eingerüstet, die Flüchtlingsfamilien bewohnen es. © Foto: Johannes Braun
Altenstadt / Johannes Braun 14.09.2018

Das Haus in der Memminger Straße 31 hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Erbaut im Jahr 1832 war es im Zentrum der Marktgemeinde Altenstadt seit jeher ortsbildprägend. Abwechselnd besaßen es Juden oder Christen und nutzten es aufgrund der zentralen Lage als Geschäftshaus oder Fabrik. Bis heute ist es den Einwohnern noch als ihre ehemalige Handschuhfabrik im Kopf, zu der das Gebäude nach dem Zweiten Weltkrieg wurde. „Manche Bürger haben in ihren Schubladen immer noch Lederwaren der Firma Häuser“, erinnert sich etwa Christl Zepp, die als Sprecherin des Beirats Asyl den Umbau zu einer Flüchtlingsunterkunft mit Rat und Tat begleitete. Kraft ihres Amtes freut sie sich über die neue Nutzung, die unter dem Motto „Leerstand nutzen – Lebensraum schaffen“ stand: „Dieses Haus, das jüdische und christliche Besitzer hatte und seinerzeit deutsche Flüchtlinge beherbergte, wird nun ein Hort für Moslems – ein Fixpunkt, der das Erscheinungsbild und die Tradition der Altenstadter Hilfsbereitschaft neu herausstellt.“

Zunächst gescheitert

Der Umbau zu einem Wohnhaus für Flüchtlinge wurde vom neuen Besitzer Harald Stölzle eingeleitet, der das Haus im Dezember 2011 kaufte. Mit seinem  Konzept eines Wohnhauses scheiterte er noch, dann schwenkte er um. Nun wird er für seine Initiative einer Flüchtlingsunterkunft von allen Seiten gelobt. „Der Umbau ist ein mustergültiges Beispiel für sozialen Wohnungsbau“, sagte etwa Altenstadts Bürgermeister Wolfgang Höß, „es kommt nicht so oft vor, dass ein Privatinvestor diesen Weg geht.“

Immerhin entstanden durch die umfangreichen Sanierungsmaßnahmen Kosten in Höhe von 630 000 Euro. Doch Hand in Hand erschlossen sich Fördermöglichkeiten. Insbesondere durch die hartnäckige Arbeit von Hauptamtsleiterin Gisela Brugger konnten auch öffentliche Förderquellen angezapft werden. So gab es schließlich von Seiten der Regierung Schwaben einen Zuschuss von insgesamt 467 000 Euro. Und die Marktgemeinde Altenstadt griff dem Investor mit zusätzlichen 51 000 Euro unter die Arme. „Wohnraum für 4,50 Euro pro Quadratmeter funktioniert bei diesen Kosten natürlich nur zuschussfinanziert“, sagt Wolfgang Höß, „das ist wirtschaftlich sonst nicht zu decken.“ So dankt der Bürgermeister, der das große ehrenamtliche Engagement und das Herz für Flüchtlinge bei den Altenstadter Bürgern während der Sanierungsphase hervorhob, allen Unterstützern.

Lob für den Altenstadter Weg in Bezug auf die neue Flüchtlingsunterkunft gibt es auch außerhalb der Marktgemeinde. „In Altenstadt wurden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Ein ortsbildprägendes Gebäude wurde saniert und eine Unterkunft für Flüchtlinge ist entstanden“, sagt Cornelia Niederwieser vom Landratsamt Neu-Ulm. Es sei sehr erfreulich, dass bei den Sanierungsarbeiten die anerkannten Flüchtlinge selbst mit Hand angelegt hätten. „Der Landkreis hofft natürlich, dass es in diesem Sinne noch viele Nachahmer im Kreis gibt“, so Niederwieser. Positiv gestimmt in Bezug auf die Integration ist auch Stadtplanerin Christine Schweiger von der Regierung Schwaben: „Es ist ein herausragendes Projekt, mit dem die Regierung Schwaben werben wird.“

Sozialer Wohnungsbau

Unterstützung Die Nutzung des Altenstadter Gebäudes in der Memminger Straße 31 als Flüchtlingsunterkunft für anerkannte Flüchtlinge bleibt für mindestens sieben Jahre bestehen. Das hängt auch mit den öffentlichen Fördermitteln zusammen, die im Rahmen der Umbau- und Sanierungsmaßnahmen von der Regierung Schwaben und von der Marktgemeinde Altenstadt geflossen sind. Aus demselben Grund ist die die Vermietung in diesem Gebäude für 25 Jahre gebunden an einkommensschwache Familien.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel